ROBOTIK IM OP
Ein Roboter im Operationssaal: In der Berit Klinik in Speicher wird die roboterunterstützte Chirurgie geprüft

Noch sind die Chirurgen in der Berit Klinik in Speicher etwas skeptisch. Aber in den kommenden Monaten werden sie prüfen, ob sie künftig Knieprothesen mit Hilfe eines Roboters einsetzen werden. Die entsprechende Technik wurde ihnen am Freitag vorgestellt.

Astrid Zysset
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Der Roboter wird von den Chirurgen der Berit Klinik genau unter die Lupe genommen.

Der Roboter wird von den Chirurgen der Berit Klinik genau unter die Lupe genommen.

Bild: Astrid Zysset

Er wirkt wie ein grosser, zusätzlicher Arm. Bedienen lässt er sich über ein Pedal am Boden. Und auf zwei grossen Bildschirmen werden dem Chirurgen die wichtigsten Daten veranschaulicht. Der neue roboterunterstützte OP-Assistent für Knieprothesen, der am Freitag in der Berit Klinik in Speicher den Chirurgen präsentiert wurde, hat ein bisschen was von Science-Fiction. Aber die Ambitionen sind ernster Natur. «Das Ziel ist, mit diesem Roboter zu einem noch präziseren Operationsergebnis zu kommen», sagt Peder Koch, CEO der Berit Klinik. Das wiederum würde längerfristig eine kürzere Aufenthaltsdauer in der Klinik, tiefere Kosten sowie zufriedenere Patientinnen und Patienten bedeuten.

Normalerweise werden vor einer Knieoperation Röntgenaufnahmen erstellt. Diese geben jedoch nur Auskunft über die Knochenstruktur. Die Weichteilspannung respektive den Zustand der Bänder musste der Arzt bislang mittels seiner persönlichen Erfahrung eruieren, indem er das Knie des Patienten beugte und streckte und somit «erfühlte», wo Lockerungen bestanden. Der OP-Roboter kann den Zustand der Bänder messen. Er vermittelt dem Chirurgen auch die exakte Position des Implantats und geht computergesteuert mit seinem Arm in die richtige Schnittebene, damit der Chirurg das Skalpell nur noch setzen muss. Ein grosser Vorteil der Robotik sei gemäss Olivier Morax, Marketingleiter des US-Medizintechnik-Unternehmens Zimmer Biomet, welche den Roboter konstruierte, zudem die Datenspeicherung. Die gesammelten Werte des Roboters könnten zusammen mit einer App, welche der Patient vor und nach der Operation nutzt, zu einem umfassenderen Krankheitsbild beitragen, was wiederum den Ärzten wertvolle Hinweise zum Heilungsverlauf liefert.

Bereit für eine allfällige Neuerung: Die Ärzte, die Entwickler und die Klinikleitung anlässlich der Präsentation des Roboters.

Bereit für eine allfällige Neuerung: Die Ärzte, die Entwickler und die Klinikleitung anlässlich der Präsentation des Roboters.

Bild: Astrid Zysset

Roboter als Unterstützung für den Chirurgen

Doch noch ist es in der Berit Klinik nicht so weit. Am Freitag, am sogenannten Discovery Day, konnten die Ärzte einen ersten Eindruck gewinnen, was der Roboter eigentlich kann und was nicht. Die ersten Reaktionen waren verhalten. Die fehlende Sprachsteuerung wurde bemängelt wie auch die geringe Geschwindigkeit. Morax betonte, dass an der Sprachsteuerung noch gearbeitet werde und die Leistungsfähigkeit könne im Bedarfsfall drastisch erhöht werden. Der Roboter steht schweizweit bereits in sieben Kliniken im Einsatz. Er ist als Unterstützung für die Chirurgen gedacht. Wie Morax ausführte, sei es ein Zusammenspiel zwischen Intuition des Arztes wie auch objektiver Datenanalyse, welche den Erfolg des Gerätes ausmachen. In der Ostschweiz wäre der Einsatz dieser Technik ein Novum.

Einsatz wird erst noch geprüft

Wäre – denn noch ist nicht sicher, ob der robotergesteuerte OP-Assistent in der Berit Klinik tatsächlich Anwendung finden wird. Erst wird das Urteil der Ärzte abgewartet. Peder Koch sagt:

«Wir sind es dem Patienten schuldig, Neuerungen zu prüfen, die zu einer Verbesserung des Operationsergebnisses beitragen könnten.»

Dazu müssten aber die Ärzte diese neue Technik auch tatsächlich als Zusatznutzen anerkennen. Koch weiter: «Wir setzen den Roboter darum nur ein, wenn er Vorteile bringt.» In einer Evaluationsphase werden die Chirurgen ihn nun auf Herz und Nieren prüfen – an Kadavern. Anschliessend schauen sie Kollegen über die Schultern, welche schon mit der robotergesteuerten Assistenztechnik arbeiten. Wann genau die Berit Klinik eine Entscheidung ob eines allfälligen Kaufs der Technik trifft respektive wann sie am Patienten eingesetzt würde, ist noch offen.