Der politische Alpenbitter

Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf hat den Bankgeheimnis-Schlamassel nicht angerichtet, sondern geerbt. Bereits 1964 forderte der ehemalige Innerrhoder Landammann Raymond Broger mehr Transparenz – ohne Erfolg.

Roland Stark
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Raymond Broger empfahl 1964 in einer Rede im Nationalrat, sich von den Nummernkonti zu trennen, «bevor wir von aussen darauf aufmerksam gemacht werden». (Bild: Herbert Maeder)

Raymond Broger empfahl 1964 in einer Rede im Nationalrat, sich von den Nummernkonti zu trennen, «bevor wir von aussen darauf aufmerksam gemacht werden». (Bild: Herbert Maeder)

Bürgerliche Blätter haben sich angewöhnt, Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf als Bestatterin des Bankgeheimnisses und als Erfüllungsgehilfin der US-Justiz zu beschimpfen. Das Akzeptieren des automatischen Informationsaustausches gilt in diesen Kreisen bereits als Landesverrat.

Diesem happigen Vorwurf wäre der frischgewählte Appenzeller Nationalrat Raymond Broger nicht entgangen, nachdem er im Februar 1964 eine fulminante Attacke auf das Bankgeheimnis gestartet hatte. Er rechnete dem Rat vor, dass «die Milliardensummen, welche in den vergangenen 15 Jahren von europäischen Wohlfahrtsstaaten und Amerika in die sogenannte unterentwickelte Welt gepumpt wurden, in äusserst unerwünschter Weise unsere Wirtschaft direkt und indirekt beeinflusst haben». Broger erklärte: «Mehr Transparenz würde auch der Schweiz zur Ehre gereichen, denn unter diesen Geldern gibt es sehr viel schmutziges Geld.»

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