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Der Neid ist ein gefrässiger Bär

Sonntagsgedanken
Michael Nolle

Meine Kinder sind sich oft gegenseitig neidisch. Für Eltern kann das oft ziemlich nervtötend werden. Was sagt man da den Kleinen? Noch schlimmer ist es, wenn man diesem Neid und der Eifersucht bei Erwachsenen begegnet. Und glauben sie mir, man begegnet dem selbst in der Kirche viel häufiger als einem lieb ist. Ich muss mich dann immer an die gelungene Hildegard von Bingen- Verfilmung erinnern, wo die Ziehmutter Hildegards, Jutta von Sponheim, den Streit des Mädchens Hildegard mit ihrer Zimmergenossin schlichten muss. Die Kinder müssen nachsprechen: «Der Neid ist hässlich und unförmig, seine Bärenhände zeigen, dass er alles zerreisst, seine Holzfüsse, dass er tote Wege geht. Allen Menschen bringt er nur Böses, die Liebe dagegen ist die grosse von Gott geschenkte Kraft.»

Ich googelte dann neulich über Heilmittel gegen den Neid. Auf der Seite, auf der ich landete, wurde beschrieben, dass der Neid einfach verständlicherweise zum Menschen dazugehört und sich in der Evolution eben als hilfreich erwiesen habe. Ja, um sich einen Vorteil bei der Fortpflanzung zu verschaffen, wird schliesslich im ganzen Tierreich getrickst. Aber heute, in unserem zivilisierten Dasein, kann dieser Neid wirklich zerstörerische Kräfte entfalten. Was sehe ich denn am Grund dieses Übels, wenn es sich zu einer schlimmen Haltung entwickelt. Ich meine, es ist ein mangelndes Selbstbewusstsein. Ich bin neidisch, weil ich meine, erst wenn ich diese ­Sache oder jene Kenntnis und Eigenschaft besitze, bin ich besser, bin ich wirklich gut. Was für ein Trugschluss. Denn dann kommt das Nächste und dann wieder das Nächste und so weiter. Der Mensch – besonders der germanische – ist notorisch unzufrieden. Das macht schliesslich auch unser positives Streben nach Perfektion in allen Dingen aus.

Andererseits sagt man auch, das «Sich-mit-anderen-Vergleichen» ist der geistliche Tod. Gott hat Dich und mich nicht als Kopie geschaffen, sondern als einzigartiges Original. Ich wünsche Ihnen und mir Erfahrungen, die uns in dieser Einzigartigkeit bestätigen, und das Bewusstsein, dass es sehr gut ist, dass wir genau so sind, wie wir sind.

Michael Nolle

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