Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Der Nationalcoach bremst sein Team

Hornschlitten-Bremser Leo Hollenstein gehört zu den wenigen Sportlern, die einerseits in der obersten Liga aktiv um Siege kämpfen und andererseits die Konkurrenten im Nationalteam coachen. Probleme ergeben sich durch die Doppelfunktion keine, so der Mühlrütner.
Urs Huwyler

HORNSCHLITTEN. Das Trio von Wiesen 1 mit Hanspeter Loser, Leo und Michael Hollenstein gehörte in der bisherigen Europacup-Saison nicht zu den Überschlittlern. Der clubinterne Nachwuchs (Leo Meile, Marcel Strassmann, Remo Fust) war im zweiten EC-Rennen ebenso schneller wie die aktuellen Talleader Andreas Klopp, Valentin Koller und Markus Bösch des Teams Toggenburg. Nach dem Zusatztraining vom vergangenen Wochenende in Italien soll im österreichischen Oberperfuss (bei Innsbruck) für den ehemaligen Europameister Wiesen 1 (2009) die Wende bei den unter Wert geschlagenen Routiniers eingeschlittelt werden. Sofern sich die Probleme mit dem High-Tech-Untersatz lösen lassen.

So spät wie möglich bremsen

Leo Hollenstein hat während der letzten Tage öfters in der Hornschlitten-Werkstatt gestanden. Mit Hilfe einer Wasserwaage ist der nicht optimale Kufenverlauf ausgebessert worden. «Der Aufwand ist einiges grösser als manche glauben», hält er fest, während er die Kufen behandelt. Im Hintergrund lässt eine Schleifmaschine erahnen, was neben dem Wachsen auch noch zum Alltag eines leistungsorientierten Amateurs gehört. «Viele denken bei Hornschlitten zuerst an das Rennen in Alt St. Johann. Doch wir betreiben wettkampfmässig eine andere Sportart», erklärt der Mittelmann im Dreier-Schlitten. Er muss die Bremse zum richtigen Zeitpunkt einsetzen. Wie in der Formel 1 gilt das Prinzip: Möglichst spät bremsen und sofort wieder beschleunigen. Wenn der Schlitten mit 80km/h auf eine Wand zurase, könne der Puls schon anschnellen. Dann gelte es, Ruhe zu bewahren. «Entscheidend ist das gegenseitige Vertrauen im Team.» Früher habe schon mal einer «bremsen» gerufen, heute nicht mehr.

Ein talentierter Hornschlittler müsse, erklärt Leo Hollenstein, deshalb nicht unbedingt eine Startrakete, sondern primär teamfähig sein. «Meist folgt nach den ersten Metern eine scharfe Kurve und es muss sowieso gebremst werden. Deshalb ist der Start weniger wichtig als bei den Bobfahrern.» Überhaupt können die Disziplinen von Swiss Sliding (ehemals Bobverband) nicht miteinander verglichen werden. Im Bob-Eiskanal ist nach den ersten fünf Sekunden nur der Pilot gefordert. Seine Mannschaft kann in den Kurven nicht eingreifen. Aus dem Bremser ist ein Anschieber geworden. «Bei uns hat während der gesamten Fahrt jeder seine Aufgabe zu erfüllen. Sonst funktioniert es nicht. So gesehen ist unser Sport anspruchsvoller und wohl auch schwieriger», betont das Vorstandsmitglied des Hornschlitten-Verbandes SHSV.

Jeder darf informiert sein

Innerhalb der Vereinigung ist Leo Hollenstein als Sportchef und Europacup-Trainer für alle Schweizer Mannschaften zuständig. Er beurteilt die Rennen damit aus zwei unterschiedlichen Positionen. Ein Interessenkonflikt ergebe sich durch die Doppelrolle nicht. «Die Linienwahl wird beispielsweise auch mit ausländischen Teams diskutiert. Jeder möchte zwar schnell sein, aber es geht kollegial zu und her. Wer etwas wissen möchte, erhält eine Antwort.» Daneben ist der Spielertrainer für die organisatorischen Belange verantwortlich. Mehr Sorgen als die internen Belange bereiten ihm die Teilnehmerzahlen. «Rund 20 Schlitten sollten am Start sein. Sonst lohnt sich der riesige Aufwand für die Veranstalter bald nicht mehr», befürchtet er. Eine Massnahme wurde getroffen: Zieht sich ein Team zurück, muss es ein neues bringen.

Sport könnte sich wandeln

Bei Wiesen/SC Hulftegg ist ein Aufwärtstrend erkennbar. «Wer sich einmal auf den Schlitten gewagt hat, ist normalerweise begeistert und bleibt dem Sport erhalten», weiss Leo Hollenstein. Müsste nicht vom Dreier zum Zweier (Pilot/Bremser) gewechselt werden? Zwei Mutige schliessen sich eher zusammen als drei. Die Planung wäre ebenfalls einfacher und niemand möchte die dritte Kufe am Schlitten sein. «Es ist denkbar, dass die Entwicklung mittelfristig in diese Richtung zielt. Erste Tendenzen lassen sich erkennen.» Zuerst wollen Leo Hollenstein und seine zwei Kollegen jedoch am Wochenende in Oberperfuss das angestrebte Erfolgscomeback feiern. Der Nationaltrainer würde sich freuen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.