Der mysteriöse angebliche Vater

Sämi Klaus soll sein leiblicher Vater sein? Der Sämi Klaus, der sich als erfolgreicher Kaufmann weit über die Grenzen des Appenzellerlandes hinaus einen Namen geschaffen hatte? Aber auch der Sämi Klaus, der sich vor einigen Jahren plötzlich aus dem öffentlichen Leben zurückzog und seitdem

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Sämi Klaus soll sein leiblicher Vater sein? Der Sämi Klaus, der sich als erfolgreicher Kaufmann weit über die Grenzen des Appenzellerlandes hinaus einen Namen geschaffen hatte? Aber auch der Sämi Klaus, der sich vor einigen Jahren plötzlich aus dem öffentlichen Leben zurückzog und seitdem jeglichen Kontakt mit Menschen meidet? Er lebe alleine und zurückgezogen, erzählt man sich im Dorf. Wo weiss niemand so genau. Ein komischer Kauz sei er geworden. Details betreffend seinem Vermögen, seinem Gesundheitszustand oder den Gründen für seinen Rückzug, kennt niemand. Man munkelt von geschäftlichen Verschwörungen, privaten Kapriolen und gesundheitlichen Problemen. Sicher ist nur eins: Früher tauchte Sämi Klaus jedes Jahr um die Weihnachtszeit als Nikolaus verkleidet im Dorf auf, verteilte Geschenke und Mandarinen an die Kinder – und verschwand danach wieder leise und spurlos in der Vergessenheit. Seit seinem letzten Nikolaus-Auftritt waren schon einige Jahre vergangen. Vielleicht sei Sämi Klaus krank, habe kein Geld für die Geschenke oder ganz einfach keine Lust mehr, im kalten Winterwetter durchs Dorf zu stapfen, mutmaßen die Leute. Vermissen taten ihn nur die Kinder, welche auf seine Geschenke warteten. Der Rest der Bevölkerung war zu beschäftigt, um auch nur einen Gedanken an Sämi Klaus zu verschwenden. Inklusive Anna und Peter. Und genau dieser Sämi Klaus, von dem Peter nicht einmal wusste, ob er noch lebte, soll sein Vater und der Grossvater seiner Kinder sein? Warum hatte ihm Ursula diese Information verheimlicht? Und warum hatte Anna so lange geschwiegen? War da eine Verschwörung gegen ihn im Gange? Peter konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Er legte seinen Kopf neben die leere Weinflasche auf die Tischplatte, schloss langsam die Augen, seufzte tief und murmelte dann leise: «Was steht sonst noch auf diesen handgeschriebenen Seiten? Kann es noch schlimmer werden?» «Oh, ja – und wie», sagte Anna leise und holte tief Luft.

Christa Wüthrich