Er hat das Bild des Jahres geschossen

Den Leserinnen und Lesern hat das Bild «neugierige Schafe» von Luciano Pau am besten gefallen. Er freut sich über die Auszeichnung. Doch seine Leidenschaft gehört nicht allein dieser Sparte.

Karin Erni
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Hobbyfotograf Luciano Pau in seinem Musikgeschäft in Herisau.

Hobbyfotograf Luciano Pau in seinem Musikgeschäft in Herisau. 

Luciano Pau findet man in seinem Musikgeschäft an der Gossauerstrasse in Herisau. Hier verkauft er seit 13 Jahren Instrumente, Zubehör und Elektronik. «Ich bin in erster Linie Musiker und nicht Fotograf», sagt der gebürtige Italiener, der 1987 der Liebe wegen nach Herisau gekommen ist. Hier heiratete er und wurde Vater von zwei Töchtern. Geboren und aufgewachsen ist Pau in Sardinien, wo er eine Ausbildung zum Elektriker absolvierte. Die Eltern hätten viel gesungen, erinnert er sich. Er lernte Klavierspielen und musizierte später in verschiedenen Bands. Seine Wanderjahre führten ihn nach Florenz, nach Deutschland, Österreich und schliesslich in die Schweiz. 18 Jahre arbeitete er bei Musik Hug. 15 davon als Abteilungsleiter in der Filiale St. Gallen.

Mindestens so gerne wie im Laden steht Luciano Pau auf der Bühne. Er spielt mit verschiedenen Musikern und absolviert gelegentlich Auftritte. Er mag Blues und Jazz. Bei Auftritten singt er auch mal Azzurro oder Volare. Musik zu machen, heisse vor allem Üben, ist Pau überzeugt. Noch immer übe er jeden Tag eine Stunde auf dem Instrument. Ab und zu komponiert er auch eigene Stücke. Eine weitere Leidenschaft ist das Fussballspielen. Woher er neben all diesen Tätigkeiten die Zeit für die Fotografie nimmt? Er plane die Fotos jeweils ganz genau, sagt Pau. «Ich gehe gezielt und weiss oft schon im Voraus, welches Motiv ich fotografieren möchte. Das ist effizient.» Er liebe es, mit der Kamera in die Natur zu gehen. Gerne fotografiert er Landschaften oder Tiere. Am meisten faszinieren ihn die Vögel.

Fotografie soll Hobby bleiben

Luciano Pau bezeichnet sich selber als Perfektionisten. Die Herausforderung bestehe für ihn, auch bei nicht idealen Lichtverhältnissen gute Bilder zu schiessen. «Bei schönem Wetter kann das ja jeder mit dem Handy.» Er liebt das Spiel mit dem Licht und fotografiert gerne Nebelstimmungen, den Mond oder den Verkehr in der Nacht.

«Im Appenzellerland, meiner zweiten Heimat, gibt es unzählige wunderschöne Ecken, man braucht nicht weit zu gehen»

Einige technische Tricks habe er von anderen Fotografen abgeschaut. Ab und zu kann er eines seiner Bilder verkaufen. «Mit den Einnahmen kann ich mir einen kleinen Teil der Ausrüstung finanzieren.» Schon seit einiger Zeit setzt er auf spiegellose Kameras von Fuji. Sein neustes Gerät ist eine Mittelformat-Kamera vom selben Hersteller. Sie liefere besonders detailreiche Aufnahmen, erklärt Pau. «Doch bei aller Liebe ist die Fotografie ein Hobby und soll es auch bleiben.»

Bild mit Hilfe des Bauern inszeniert

Luciano Pau erinnert sich noch gut, wie das Siegerbild entstanden ist. «Der Bauer war gerade bei den Schafen: Ich habe ihn gebeten, sie dazu zu bringen ganz oben auf den Hügel zu kommen, damit sie von der untergehenden Sonne angeleuchtet werden. Weil Schafe neugierige Tiere sind, haben sie mich während des Fotografierens beobachtet. Nun stehen sie da wie die vier Tenöre», sagt er lachend.

Das Siegerbild von Luciano Pau.

Das Siegerbild von Luciano Pau.

Er werde immer wieder gefragt, ob er die Bilder am Computer bearbeite, damit sie so farbintensiv sind. Es gelte, bereits beim Fotografieren das Maximum aus dem Bild herauszuholen, dann könne er am Computer viel Zeit sparen. Im Fall der Schafe habe er die Farbe sogar noch etwas hinuntergeschraubt, versichert Pau. «Das Bild war im Original noch viel kitschiger.»