Der Mensch im Vordergrund

Markus Fässler ist Ausserrhoder und war einmal katholisch. Heute ist er Pfarrer der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Zürich-Höngg. Der Konfessionswechsel mit 23 Jahren hatte seine Gründe.

Markus Fässler
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Pfarrer Markus Fässler ist weder Theoretiker noch Fanatiker – er ist ein Praktiker. (Bilder: Markus Fässler)

Pfarrer Markus Fässler ist weder Theoretiker noch Fanatiker – er ist ein Praktiker. (Bilder: Markus Fässler)

Zürich. «Wir können uns auch Du sagen», meint Markus Fässler zur Begrüssung. Ich bin erleichtert, denn auf dem Weg an die Segantinistrasse in Zürich-Höngg habe ich mir Gedanken über das bevorstehende Treffen gemacht. Ich dachte, ich würde vielleicht meinem Ebenbild gegenüberstehen – das war aber nicht der Fall.

Kein «typischer» Fässler

Markus Fässler wohnt zusammen mit seiner Familie in einem Einfamilienhaus in einem beschaulichen Wohnquartier. Die Umgebung erinnert nicht wirklich an das Appenzellerland und lässt somit keine Rückschlüsse auf die Herkunft meines Namensvetters schliessen. Mit der hat er auch nicht mehr viel gemeinsam. Aufgewachsen ist Markus Fässler in Glattbrugg.

Nach der Sekundarschule absolvierte er eine Lehre als Hochbauzeichner. Seinen Bürgerort Rehetobel hat er seinem Vater zu verdanken. Und auch sonst ist der 54-Jährige kein «typischer» Fässler. Er ist nicht nur Ausserrhoder, er ist zudem noch Pfarrer einer evangelisch-reformierten Kirchgemeinde. Seinem Beruf hat er es zu verdanken, dass ich ihn als meinen Namensvetter ausgesucht habe. Denn die Konfession ist eine Gemeinsamkeit, die uns verbindet. Atypischerweise bin ich trotz meines Bürgerorts Appenzell ebenfalls evangelisch.

Kein Leben ohne Familie

Die gemeinsame Konfession ist jedoch eher zufällig. Pfarrer Markus Fässler war früher einmal katholisch. Als «Kind der Nach-68er», wie er es bezeichnet, ist er ökumenisch aufgewachsen und engagierte sich im CVJM (Christlicher Verein junger Menschen), der konfessionsübergreifend arbeitet. Dort reifte die Entscheidung, seinen Beruf als Hochbauzeichner aufzugeben und ein Theologiestudium zu beginnen. «Es war auch der Zeitpunkt, an dem ich mich für eine Konfession entscheiden musste. Ein Leben ohne Heirat und Familie kam für mich nicht in Frage», sagt er. Und weil es bereits früher bei ihm zu Hause keine Rolle spielte, welcher Glaubensrichtung man angehörte, war der Übertritt vorbestimmt.

Der Praktiker

Markus Fässler macht nicht den Anschein eines Klischee-Pfarrers. So sagt er selber auch: «Ich bin nicht der Theoretiker, der sich hinter Büchern verkriecht, ich bin ein Praktiker.» Und ebenso wenig ist er ein Fanatiker, der den Leuten den Glauben aufzwingen will. «Die Freiheit des Menschen ist mir sehr wichtig», sagt er. So verwundert es nicht, dass er seit seinem Stellenantritt als Pfarrer der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Höngg im Jahr 2002 einige Projekte lanciert hat. Dies insbesondere, um den Familien und Kindern mehr Raum in der Kirche zu geben. «Heute ist es nicht mehr leicht, als Familie zu überleben, sie sind belastet. In der Schweiz besteht ein Defizit an familienfreundlichen Angeboten», so der dreifache Vater. Daher hat er kürzlich das Projekt Sonnegg ins Leben gerufen, ein Familien- und Generationenhaus. Dort sollen ein Café, ein Atelier, ein Jugendraum und weitere Angebote entstehen. Das Vorhaben ist auf gutem Weg und findet im Dorf, wie die Höngger ihre Heimat bezeichnen, guten Anklang. Während der Pilotphase an vier Wochenenden waren jeweils rund 120 Personen anwesend.

Veränderte Motive

Und was war eigentlich mit 23 Jahren die Motivation, Pfarrer zu werden? Früher seien es überwiegend religiöse Motive gewesen. Heute ist es vielmehr die Faszination, mit Menschen zu arbeiten und Projekte umzusetzen. «Der Mensch steht bei mir im Vordergrund.»

Bild: Markus Fässler

Bild: Markus Fässler