Der Mann ohne Freizeit

Für Gerhard Hiller, Vater von NHL-Torhüter Jonas Hiller, gibt es keine Freizeit. Dafür aber die «Freie Zeit», die ganz nach Aristoteles dafür genutzt werden soll, sich in den Dienst anderer zu stellen.

Markus Fässler
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Gerhard Hiller zu Hause in Urnäsch vor den Plakaten des Frauenfelder 2-Stunden-Laufs. (Bild: mf)

Gerhard Hiller zu Hause in Urnäsch vor den Plakaten des Frauenfelder 2-Stunden-Laufs. (Bild: mf)

Urnäsch. Das Wort Freizeit kennt Gerhard Hiller nicht. Auf die Frage, ob er denn gar nie welche habe, schüttelt er nur den Kopf. Er unterscheidet Freizeit von «Freier Zeit».

Ein Zitat von Professor Klaus Bartels von der Universität Zürich: «Höchstes Ziel und wahrer Sinn des Lebens erkennt der Mensch nur in seiner <Freien Zeit>», treffe voll auf sein Leben zu. Immer habe er selbst bestimmt, was er in seiner «Freien Zeit» mache, so Gerhard Hiller. Bartels hat dabei Musse und Unmusse laut Aristoteles eine zeitgemässe Deutung gegeben.

Frauenfelder 2-Stunden-Lauf

Ein Projekt dabei war der Frauenfelder 2-Stunden-Lauf, der erste professionelle Sponsorenlauf überhaupt. Als «Lauf für die anderen» bezeichnet ihn Hiller, der 20 Jahre lang OK-Präsident war. So sollen seit der Gründung 1986 die Sportler nicht um Medaillen und

Preise rennen, sondern um Geld zur Unterstützung von gemeinnützigen Projekten im Ausland, dem Thurgau und der Region Frauenfeld. Besondere Freude bereitet ihm dabei, dass der Frauenfelder 2-Stunden-Lauf auch heute noch in der genau gleichen Form funktioniert. Später folgten Engagements beispielsweise beim VBC Gonten-Appenzell, die der 76-Jährige kurzerhand zu den Appenzeller Bären machte.

200 Stunden Zeitaufwand

Auch heute als Pensionär ist Gerhard Hiller bereit, der 1984 berufshalber nach Urnäsch gekommen ist, seine «Freie Zeit» für die Allgemeinheit einzusetzen. Als gelernter Buchdrucker und Kenner der grafischen Zunft betreut er das Vereinsheft «Kickoff» des FC Urnäsch. Ein grosser Aufwand, denn zu Beginn mussten alle Inserate auf vier Farben umgebaut werden. «Ich habe rund 150 bis 200 Stunden pro Aufgabe darin investiert», so Hiller. Aber er habe sein Leben lang nichts für Urnäsch getan. Für einen wie Gerhard Hiller also beinah ein Muss, sich auch noch für seine Wohngemeinde zu engagieren.

Und auch bei den «Urnäscher Nochrichte» ist er involviert und zeichnet sich für den Inserateverkauf verantwortlich. Dieses Angebot hat er zwar vorerst abgelehnt. «Nie im Leben, dachte ich. Denn ich wollte dem <Kickoff> nicht die Inserenten wegnehmen», so Hiller. Schliesslich aber kam er zum Schluss, dass es doch von Vorteil sei, wenn er alle Inserate unter sich habe. «Zudem gibt es genug Inserenten in Urnäsch und der näheren Umgebung für beide Zeitschriften.»

Ein Basketballer

Der Name Hiller ist nicht nur in Urnäsch, sondern dank Jonas Hiller bis nach Amerika bekannt. Dieser ist in der National Hockey League (NHL) bei den Anaheim Ducks als Torhüter unter Vertrag. Dass seine beiden Söhne Jonas und Simon nicht in einem Chor mitgesungen haben, sondern sportlich aktiv waren, habe sich von Anfang an abgezeichnet, sagt Gerhard Hiller.

Doch wer annimmt, dass der gebürtige Frauenfelder ebenfalls ein Eishockeyaner ist, der irrt. Er ist Basketballer. Als Mitglied des CVJM Frauenfeld (Christlicher Verein Junger Menschen) war es quasi vorgegeben, dass Basketball gespielt wird. Denn die Ballsportart wurde von den Young Mens Christian Association (YMCA) in den USA ins Leben gerufen. Auch seine zweite Ehefrau und Mutter der beiden gemeinsamen Söhne, Esther, ist Basketballerin und war Mitglied der Schweizer Nationalmannschaft.

Der Hund und die Nachrichten

Ganz so intensiv wie früher sei die «Freie Zeit» aber doch nicht mehr, sagt Hiller. Er hat einen Hund, und ab und zu schaut er sich die Nachrichten im Fernsehen an. Danach stellt er sich wieder in den Dienst der Allgemeinheit.

Bild: Markus Fässler

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