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Yves Noël Balmer: Der logische Kandidat

Ehrgeizig, wortgewandt und dossierfest: Yves Noël Balmer hat in der Ausserrhoder Politik Spuren hinterlassen und möchte nun in den Regierungsrat. Einer seiner grössten Erfolge feierte er in der Steuerpolitik.
Jesko Calderara
Yves Noël Balmer engagiert sich nicht nur in der Politik, sondern auch als Präsident des Vereins Cinétreff Herisau. (Bild: PD)

Yves Noël Balmer engagiert sich nicht nur in der Politik, sondern auch als Präsident des Vereins Cinétreff Herisau. (Bild: PD)

Eigentlich war die Ausgangslage bei der SP Appenzell Ausserrhoden von Anfang an klar. Alles andere als eine Kandidatur von Parteipräsident Yves Noël Balmer für den Regierungsrat wäre eine Überraschung gewesen. Denn der 40-jährige Herisauer Kantonsrat gehört zweifelsohne zu den begabtesten Politikern im Kanton, als Aushängeschild der SP hat er den Kurs der Partei in den letzten Jahren massgeblich geprägt. Trotzdem sagte Balmer aufgrund beruflicher Optionen erst nach reiflicher Überlegung zu, am 10. Februar anzutreten.

Dass er nun doch den Sprung in die Regierung anstrebt, hat wohl auch mit seinem Naturell zu tun. Balmer ist ein «Animal politique», jemand, der mit politischem Gespür und Leidenschaft für seine Anliegen kämpft. Ironischerweise wird nun ausgerechnet er wahrscheinlich ohne richtigen Wahlkampf als Regierungsrat gewählt. Dabei hätte man sich kaum jemand so gut vorstellen können wie den SP-Kandidaten, wie er landauf landab im Wettstreit mit Mitbewerbern lustvoll für seine Überzeugungen einsteht.

Ein pragmatischer Linker

Dies tut er oft im Einwohnerrat und im Kantonsrat, wo Balmer in der wichtigen Staatswirtschaftlichen Kommission (StwK) mitarbeitet. In beiden Parlamenten gehört er zu den auffälligsten Figuren und schaltet sich – rhetorisch begabt – in die politische Diskussion ein. Seine Voten sind sachlich, können aber auch mal schärfer ausfallen, wenn er sein Gegenüber an etwas erinnert oder darauf hinweist, was zu einem Thema vor Jahren beschlossen wurde. Dabei punktet er jeweils mit Dossierkenntnissen.

Politisch zählt der Leiter Vertrieb und Marketing bei der Peter Hahn AG zu den gemässigteren Kräften seiner Partei. 2017 engagierte er sich in der Gruppe, welche die reformorientierte Plattform innerhalb der SP Schweiz ins Leben gerufen hatte. Ein linker Ideologe wie beispielsweise der Innerrhoder SP-Präsident Martin Pfister ist der Herisauer nicht. Das pragmatische Profil ihres Präsidenten hat geholfen, die SP im Parteienspektrum des ländlichen Ausserrhodens zu etablieren. Ein verkappter Freisinniger sei er jedoch nicht, sagte Balmer einst dieser Zeitung. Dies zeigen auch die Anliegen, für die er sich in den vergangenen Jahren einsetzte. Zu finanz- und steuerpolitischen Fragen etwa lieferte sich Balmer immer wieder legendäre Schlagabtausche mit Köbi Frei. Da ist auf der einen Seite der Finanzdirektor, dem tiefe Unternehmenssteuern und die Ansiedelung guter Steuerzahler wichtig sind. Ihm gegenüber steht ein überzeugter SPler, welcher auf die negativen Auswirkungen eines verschärften Steuerwettbewerbs hinweist und für ein gerechteres Steuersystem kämpft. Bei der Abschaffung der Pauschalbesteuerung 2012 ging das Duell an Balmer und seine Mitstreiter, was einer der grössten Erfolge seiner Präsidialzeit markierte. Dafür wurde letztes Jahr die SP-Initiative für mehr Steuergerechtigkeit an der Urne abgelehnt.

Mit seinem politischen Engagement hat sich Balmer überparteilich Respekt erarbeitet, der sich in einer breiten Abstützung seiner Kandidatur dokumentiert. Eine, die oft mit ihm zu tun hat, ist Monika Bodenmann-Odermatt. Bis 2017 gehörte die FDP-Präsidentin ebenfalls der StwK an. Sie beschreibt Balmer als «ausgesprochen emotionalen Politiker», der seine Positionen mit viel Herzblut und Begeisterung vertritt. In der Zusammenarbeit unter Parteipräsidenten erlebe sie ihn als extrem verlässlich und zuverlässig, sagt Bodenmann-Odermatt. «Obschon unserer politischen Haltungen oft diametral verschieden sind, arbeite ich gerne mit ihm zusammen.»

Der Sport hat seinen Charakter geprägt

Im Umgang ist der Herisauer Kantonsrat direkt – auch mit Medienschaffenden. Lob, Tadel oder Anmerkungen gib es persönlich und unverblümt. Dabei kann Balmer auch forsch auftreten und die nötige Gelassenheit vermissen lassen. Mit seiner Art soll er gelegentlich selbst parteiintern Leute vor den Kopf stossen, falls sie ihm nicht Kontra geben. Darin widerspiegelt sich letztlich der ausgeprägte Ehrgeiz des passionierten Mountainbikers. Der Sport habe mit dem Durchhaltewillen und der Zielstrebigkeit zwei seiner Charaktereigenschaften geprägt, schreibt Balmer auf seiner Website. Man darf gespannt sein, wie er sich bei einer Wahl am 10. Februar dereinst in das Kollegialgremium Regierungsrat einordnen wird.

Hinweis

In den nächsten Tagen erscheint das Porträt über den SVP-Regierungsratskandidat Hansueli Reutegger.

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