Der Ledi entledigt

Fünf Monate lange tourte die Ledi durchs Appenzellerland. Nun wird sie zurückgebaut und das Holz an einen Landwirt verkauft. Dass die Wanderbühne nicht erhalten bleibt, sorgt für Kritik.

Monika Egli/Patrik Kobler
Drucken
Teilen
Das Ledi-Holz wird für den Ausbau eines Schafstalls verwendet. (Bild: Ueli Abt)

Das Ledi-Holz wird für den Ausbau eines Schafstalls verwendet. (Bild: Ueli Abt)

HERISAU. Anlässlich der 500-Jahr-Feierlichkeiten der beiden Appenzell tourte bis vergangenes Wochenende die Ledi durchs Appenzellerland. 310 Veranstaltungen, Führungen und Workshops fanden in den letzten fünf Monaten auf der Wanderbühne statt. Anfang Woche hat nun in Oberegg der Rückbau der Ledi begonnen.

Angebot unterbreitet

Dieser Rückbau sorgt für Kritik. Denn die Ledi hätte auch künftig eine Bühne für Kultur sein können: Zum Beispiel an den Kulturtagen des Hotels Hof Weissbad im Sommer 2014 zur Feier des 20-Jahr-Jubiläums des Betriebs. «Wir haben eine entsprechende Anfrage bei den Ledi-Verantwortlichen gemacht», sagt Sepp Breitenmoser, Verwaltungsratspräsident des Hotels.

Dabei wäre man laut Breitenmoser bereit gewesen, sämtliche Konditionen einzugehen, sprich: die Kosten fürs Aufladen, Transportieren und Aufbauen der Bühne sowie für eine Sicherheitsprüfung zu übernehmen. Breitenmoser erhielt dann aber den Bescheid, der Ledi-Lenkungsausschuss bleibe bei seinem Entschluss, die Bühne nach Ende der fünfmonatigen Tournée aufzulösen.

Für diesen Entscheid hat Sepp Breitenmoser überhaupt kein Verständnis. Er finde es nicht richtig, dass diese «Investition» vernichtet werde. Aus dem Entscheid spreche «eine gewisse Arroganz der Kulturszene». Breitenmoser spielt damit auf einen Grundsatzentscheid des Lenkungsausschusses vom 24. September an: Die Einmaligkeit der Ledi im Rahmen des 500-Jahr-Jubiläums soll erhalten bleiben. Deshalb wird sie nicht weiter als Bühne verwendet und zurückgebaut.

Wie die Ausserrhoder Frau Landammann Marianne Koller auf Anfrage ausführt, waren bei diesem Grundsatzentscheid Namen von möglichen Interessenten nicht bekannt und auch nicht nötig. Koller weiter: «Im Sinne einer nachhaltigen Nutzung hat der Lenkungsausschuss über die weitere Verwendung des Ledi-Holzes entschieden.»

Landwirt erhält Zuschlag

Den Zuschlag hat am 3. Oktober ein Landwirt erhalten, der das Holz für den Ausbau eines Schafstalls verwenden will. Den Anfang genommen haben soll der Holzhandel am 22. September, also zwei Tage, bevor der Grundsatzentscheid gefällt wurde.

Der Landwirt bezahlt knapp 6000 Franken – die Hälfte davon für den Abtransport des Ledi-Holzes. Ursprünglich hat das Bauwerk 300 000 Franken gekostet.

Die Wanderbühne sorgte für gemütliche Sommerabende. (Bild: pd)

Die Wanderbühne sorgte für gemütliche Sommerabende. (Bild: pd)

Aktuelle Nachrichten