Der Lebensqualität auf der Spur

Kommunale Standortattraktivität ist in aller Munde. Aber welche Rolle spielt dabei die subjektive Lebensqualität der Bevölkerung? Diese Frage diskutierten die Teilnehmenden der fünften Ostschweizer Gemeindetagung unter anderem am Beispiel Ebnat-Kappels.

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Wappen von Ebnat-Kappel. (Bild: Conny Oberholzer)

Wappen von Ebnat-Kappel. (Bild: Conny Oberholzer)

ST. GALLEN/EBNAT-KAPPEL. Der Glücksforscher und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Hochschule Nürnberg, Karl Heinz Ruckriegel, betonte kürzlich an der Ostschweizer Gemeindetagung an der FHS in St. Gallen, dass der Wertewechsel vom reinen Wirtschaftswachstum hin zu einer «Politik für ein besseres Leben» auch in Gemeinden eine immer bedeutendere Rolle spiele.

Erkenntnisse aus der Forschung

Der Professor verwies an der Tagung unter anderem auf Erkenntnisse aus der Glücksforschung, die belegen, dass eine gute Bildung und gelingende soziale Beziehungen mitunter am meisten Einfluss auf die Lebensqualität haben. «Hier können Gemeinden ansetzen, in Bildung investieren und Begegnungsmöglichkeiten schaffen.» Doch ist die persönliche Lebensqualität tatsächlich ein Standortfaktor? «Bewohnerinnen und Bewohner sollen zumindest über die Standortattraktivität ihrer Gemeinden mitbestimmen können», sagte Lukas Schmid, Co-Leiter des Instituts für Innovation, Design und Engineering, zu diesem Thema.

Beispiel aus der Praxis

Wie lässt sich denn die Bevölkerung in die Bewertung der Standortattraktivität mit einbeziehen? Das Praxisbeispiel für diese Frage lieferte Christian Spoerlé, Gemeindepräsident von Ebnat-Kappel. In seinem Referat zeigte er den Tagungsteilnehmenden auf, wie Gemeinden die Lebensqualität durch den Einbezug der Bevölkerung zu fördern versuchen. Ansporn gegeben habe das «Weltwoche»-Gemeinderanking, in welchem Ebnat-Kappel weit hinten rangierte, sagte Christian Spoerlé. Für ihn war das Ergebnis nicht nachvollziehbar, da sich Einwohnerinnen und Einwohner im Gespräch mit ihm sehr zufrieden zeigten mit der Gemeinde. Der Gemeinderat von Ebnat-Kappel beschloss daraufhin, der Sache auf den Grund zu gehen, und lud die Bevölkerung zu Zukunfts-Workshops ein.

Wertvolle Inputs erhalten

Erst beteiligten sich 80 Bürgerinnen und Bürger, nach einem halben Jahr war noch die Hälfte dabei. «Wir haben zwar nicht die gewünschte Beteiligung erreicht, dafür aber sehr wertvolle Inputs erhalten», zog Christian Spoerlé Zwischenbilanz. Es lohne sich, genau hinzuhören: «Wer als Gemeinde attraktiv sein möchte, braucht dafür auch die Überzeugung der Bürgerinnen und Bürger.»

Anschliessend tauschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Zukunfts-Workshops über ihre Erfahrungen mit dem Einbezug von Bürgerinnen und Bürgern aus. Vielerorts finden Workshops statt – mit mehr oder weniger grossem Echo.

Kein Sprint, ein Marathon

Um der Lebensqualität in Gemeinden auf die Spur zu kommen, braucht es Zeit und Gelassenheit. Oder wie es einer der Teilnehmer formulierte: «Wir müssen über unsere Legislaturziele hinaus denken. Eine Gemeinde zu führen, ist kein Sprint, sondern ein Marathon.» (pd)

www.solebtdieschweiz.ch

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