Der Kunde is(s)t eine Wurst

Natürlich besuchte auch ich mit meiner Familie die Olma. Als richtige Schweizer heisst es für uns Punkt 12.00 Uhr mittags: Halt, sichern, Mutz weg und Pause.

Emanuel Steiner
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Bild: Emanuel Steiner

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Natürlich besuchte auch ich mit meiner Familie die Olma. Als richtige Schweizer heisst es für uns Punkt 12.00 Uhr mittags: Halt, sichern, Mutz weg und Pause. Just um diese Zeit meldeten sich auch unsere Mägen und wir kämpften uns im Schneckentempo an den Grillstand. Das nette Fräulein inmitten von Rauchschwaden der bratenden, wohlriechenden, aber seit neustem sehr ungesunden Würste, fragte uns freundlich nach unserer Bestellung. Einen Schüblig, zwei Portionen Pommes-frites und ein Rivella, kam es wie aus der Pistole geschossen aus meinem Mund. Sie antwortete mir, dass sie nur Würste und Getränke verkaufen könne, und dass wir die Pommes-frites zwei Meter nebenan bestellen müssten. Zwar sei es derselbe Stand, aber sie habe die Vorschrift erhalten, das so durchzusetzen. Mit mir kann man das ja machen! Mit einem mindestens so grossen Fragezeichen auf dem Kopf wie eine «Chlausehuube» von einem schönen Vorrolli fragte ich nach dem Preis. Der Schüblig und das Rivella seien 14 Franken. Wie ein Chlaus auf eisigem Boden, hat mich der Preis fast umgehauen. Ich schaute in mein Portemonnaie und überlegte, ob ich nicht inmitten der Olmabesucher ein Zäuerli nehmen sollte, um das Loch in der Kasse zu verbessern.

Item, meine Frau stellte sich dann für die Pommes-frites zwei Meter nebenan in die fünf Meter lange Menschenschlange. Als der wiederum freundliche Verkäufer unseren Wunsch entgegennahm, sagte er, dass er keine Pommes-frites habe, sondern nur Hamburger und Schnitzelbrote. Nun hatte meine Frau eine Fragezeichenhaube auf dem Kopf und fragte erstaunt, wieso der Mann vor ihr denn welche gekriegt habe. Das bekomme man nur bei einer Bestellung mit einem Hamburger. Pommes-frites einzeln könne man zwei Meter nebenan kaufen. Leider konnte ich nicht hören, was meine bessere Hälfte zu dem Verkäufer gesagt hat, aber ihre Argumente haben gewirkt und sie hat die zwei Portionen bekommen und wir konnten schmatzend in der Arena die Aargauer Dressurreiter bestaunen.