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Interview

«Der Kuh-Bag ist sehr wohl ökologisch»: A-Region wehrt sich gegen Vorwürfe

Die per Jahresbeginn in zahlreichen Ausserrhoder Gemeinden eingeführte gemischte Kunststoffsammlung mit dem Kuh-Bag steht in der Kritik: Sie sei zu wenig umweltfreundlich, heisst es. Thomas Huber, Geschäftsführer der A-Region, sieht das anders.
Interview: Claudio Weder
Die maschinelle Sortierung der gemischten Kunststoffsammlung erfolgt über lange Bänder, Erkennungskameras und Luftstösse. (Bild: PD)

Die maschinelle Sortierung der gemischten Kunststoffsammlung erfolgt über lange Bänder, Erkennungskameras und Luftstösse. (Bild: PD)

Thomas Huber, die gemischte Kunststoffsammlung mit dem Kuh-Bag leistet gemäss A-Region einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz. Kritische Stimmen behaupten jedoch genau das Gegenteil. Wie umweltfreundlich ist der Kuh-Bag nun tatsächlich?

Das Kuh-Bag-Sammelsystem leistet sehr wohl einen Beitrag zum Umweltschutz und zur Ressourcenschonung. Laut einer Studie der Empa hätte die gemischte Sammlung das Potenzial, zukünftig einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von CO2-Emissionen der Abfallwirtschaft zu leisten.

Inwiefern?

Pro Kilogramm wiederverwertetem Kunststoff spart man über zwei Kilogramm CO2 gegenüber der Verbrennung ein. Zudem benötigt man für die Herstellung von rezykliertem Kunststoff nur halb so viel Energie wie für die Produktion von Neukunststoff. Das Kuh-Bag-System ist also im Vergleich zu einer gemischten Entsorgung im Kehricht insgesamt die ökologischere Entsorgungsvariante.

Im Vergleich zu den separaten Kunststoffsammlungen beim Ökohof Appenzell oder bei den Grossverteilern schneidet der Kuh-Bag jedoch schlechter ab.

Gemäss Empa-Studie können 50 bis 57 Prozent der mit dem Kuh-Bag gesammelten Abfälle wiederverwertet werden. Die Sammlung gemischter Kunststoffe mit dem Kuh-Bag ist vor allem als Ergänzung zu den bestehenden Sammlungen für PET-Getränkeflaschen und Plastikflaschen der Grossverteiler gedacht, um eine noch grössere Menge Kunststoff in den Recyclingkreislauf zurückzuführen. Für die Kunden ist es häufig schwierig, die einzelnen Kunststoffe zu unterscheiden. Auch dahin gehend bietet der Kuh-Bag einen Vorteil. Dabei ist es völlig klar, dass die Recyclingquote bei rein selektiven Sammlungen wesentlich höher liegen muss.

Warum?

Bei einer selektiven Sammlung wird vorgängig durch den Bürger bereits eine Selektion gemacht, da er zur PET-Sammelstelle nur PET oder zum Grossverteiler nur Hohlkörper bringen kann. Damit erfolgt schon eine Bereinigung des Materials zu Hause. Es liegt also auf der Hand, dass dann die Recyclingquote höher ausfallen muss. Insbesondere, wenn in der Sammlung nur Material gesammelt wird, welches sich auch gut verwerten lässt.

Was geschieht mit dem nicht-rezyklierbaren Anteil?

Der stofflich nicht verwertbare Anteil – dazu gehören beispielsweise Verbundkunststoffe wie Fleischverpackungen – wird, wie bei einer Kehrichtverbrennungsanlage, energetisch verwertet, beispielsweise zu Gunsten der Produktion von Fernwärme oder Strom beziehungsweise als Ersatz von Braunkohle in der Zementindustrie.

Bevor die Kunststoffe verwertet werden können, müssen sie zur maschinellen Sortierung ins nahe Ausland transportiert werden. Lohnt sich dieser Aufwand?

Die Abnehmer des gemischten Kunststoffs wie auch die Sortieranlagen liegen allesamt in der Ostschweiz oder im unmittelbaren Grenzgebiet. Wir sprechen hier also von absolut vertretbaren, teilweise sogar kurzen Distanzen, die bei anderen Recyclingmaterialien, beispielsweise Glas, Metall oder auch Papier, viel grösser sind. Im Bereich des Kunststoffrecyclings sind wir gegenüber benachbarten Ländern wie Deutschland oder Österreich im Rückstand. Deshalb gibt es in der Schweiz auch noch keine Sortieranlage für gemischte Kunststoffe. Mit zunehmenden Sammelmengen wird dies jedoch nur noch eine Frage der Zeit sein, bis auch in der Schweiz eine Sortiertechnologie aufgebaut wird.

Thomas Huber, Geschäftsführer A-Region. (Bild: PD)

Thomas Huber, Geschäftsführer A-Region. (Bild: PD)

Erwarten Sie in kommender Zeit eine Steigerung der Recycling-Quote?

Das Bundesamt für Umwelt hat das Ziel gesetzt, dass Kunststoffsammlungen eine Recyclingquote von 70 Prozent erreichen sollen. Das Ziel setzt sehr hohe Anforderungen an die technische Verarbeitung, die heute noch nicht umgesetzt, längerfristig jedoch erreicht werden kann. Zur Steigerung der Quote müsste allerdings die Sortiertechnologie optimiert werden.

Was spricht gegen eine manuelle Sortierung?

Mit einer manuellen Sortierung – auch hier wurden Versuche durchgeführt – kann die Recyclingquote auf zwischen 60 und 70 Prozent erhöht werden. Aufgrund der Mengen und des grossen logistischen und personellen Aufwands ist eine reine Handsortierung jedoch keine Option.

Ist der Kuh-Bag voll, kann er nicht einfach wie ein Kehrichtsack an die Strasse gestellt, sondern muss zu einer Sammelstelle gebracht werden. Auch dies sorgt für Kritik.

Das Sammelstellenkonzept ist so konzipiert, dass an den meisten Sammelstellen neben dem Kuh-Bag auch weitere Wertstoffe wie beispielsweise Papier, Karton, Glas, Alu, etc. zurückgegeben werden können. Dieses Prinzip gilt auch im Kanton Appenzell Innerrhoden, wo die Bürger ihren Kunststoff beim Ökohof Appenzell abgeben. Es entstehen somit keine zusätzlichen Fahrten zu einem Sammelpunkt. Das Bringsystem entspricht zudem dem gesellschaftlichen Trend, dass die Bürgerinnen und Bürger ihre Recyclingmaterialien nicht monatelang stapeln wollen, sondern diese in einem kurzen Zeitraum wieder abgeben möchten. Sehr oft wird Entsorgen auch mit Versorgen verbunden.

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