Der Kohlenmeiler brennt

Nachdem genau vor einer Woche der Aufbau des Kohlenmeilers im Steinwäldli Mogelsberg begonnen hat, konnte er am Samstag feierlich entzündet werden. Zu diesem Anlass war auch Regierungsrat Martin Klöti angereist.

Nadine Rydzyk
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Regierungsrat Martin Klöti darf die erste Schaufel voll Glut in den Kohlenmeilerschacht schütten. (Bilder: Thomas Geissler)

Regierungsrat Martin Klöti darf die erste Schaufel voll Glut in den Kohlenmeilerschacht schütten. (Bilder: Thomas Geissler)

MOGELSBERG. Nach einer Woche harter Aufbauarbeit, die gleichwohl mit hoher Präzision durchgeführt werden musste, war das Anzünden des Meilers ein verdienter Höhepunkt. Regierungsrat Martin Klöti offenbarte in seiner Festansprache seine Begeisterung für das alte Handwerk, aber er erinnerte auch daran, wie schnell die Zeit vergeht.

Als 2002 im Steinwäldli Mogelsberg das erste Mal ein Kohlenmeiler aufgebaut und entzündet wurde, passierte auch in der Schweiz vieles, erinnerte er. So gab es damals noch keine Gemeinde Neckertal, aber die Schweiz stimmte dem Uno-Beitritt zu und lehnte die Arbeitszeitverkürzung ab. Simon Ammann konnte als Doppelsieger bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City gefeiert werden und die Landesausstellung wurde auf vier Ausstellungsorte verteilt.

«Nun sind wir bereits wieder in den Vorbereitungen für die nächste Expo 2027», so Martin Klöti. «Die Zeit fliegt, aber bei der Köhlerei sind Geduld und Erfahrung gefragt», fasste er trefflich zusammen. «Glücklicherweise hat sich aber das früher oft einsame Köhlerleben verändert», stellte er mit Blick auf das zahlreiche Publikum fest. Schliesslich seien es auch Volksfeste wie dieses, die einen wichtigen Beitrag zum Gemeinschaftsleben leisten.

«Gut Brand!»

«Dann können wir jetzt einmal die Zusammenarbeit zwischen Regierung und Gemeinden testen», scherzte OK-Präsident Jakob Raschle und gab damit den Startschuss zum Anheizen. Denn Gemeindepräsidentin Vreni Wild und Gemeindepräsident Toni Hässig holten die Glut aus dem Feuer und Regierungsrat Martin Klöti durfte die erste von insgesamt vier Schaufeln in den Schacht leeren, die den Meiler anheizten.

Den Abschluss des zeremoniellen Aktes erledigte Köhlerin Doris Wicki selbst, die ebenfalls eine Schaufel voll Glut in den Schacht, also das Füllihus, gab. Eine Tätigkeit, der sie in den kommenden Tagen noch häufiger nachgehen wird. Mit einem gemeinschaftlichen Köhler-Gruss, einem dreifachen «Gut Brand!», in den auch das Publikum laut einstimmte, war es schliesslich vollbracht.

Umrahmt vom Alphornspiel der Formation «Naturklänge Neckertal» und von der Musikgesellschaft Mogelsberg, konnte das zahlreiche Publikum diesen feierlichen Moment geniessen. Alle, die einen Sack voll Kohle kaufen wollen, wenn sie fertig ist, können jetzt abwarten und das Rahmenprogramm geniessen.

Neben der Waldmeisterschaft und diversen musikalischen Programmpunkten mit regionalen Formationen wird es noch weitere Highlights bis zum Entpacken der Kohle geben. Dazu gehört am Mittwoch das Open-Air-Kino «Die schwarzen Brüder». Auch die wechselnden Kunstausstellungen bieten weiterhin zusätzlichen Grund, dem Mogelsberger Kohlenmeiler-Spektakel einen Besuch abzustatten.

Streng, aber spannend

Für die beiden Köhlerinnen Doris Wicki und Heidi Moy sieht es anders aus. Für sie beginnt nun die stressige, aber durchaus noch interessantere Zeit, wie sie berichten. Hatten sie beim Aufbau des Meilers noch viel tatkräftige Unterstützung, kommt es jetzt auf das Fingerspitzengefühl der beiden an. In den kommenden 14 Tagen müssen sie den Kohlenmeiler stetig bewachen und pflegen, um ein gutes Ergebnis hervorzubringen.

In den ersten vier bis fünf Stunden schütteten sie stetig neue Glut in das Füllihus, um den Brand in Schwung zu bringen. Danach müssen sie jetzt bei Tag und bei Nacht alle zwei Stunden neue Glut einfüllen, Löcher in den Meiler setzen und wenn eine Schicht durchgekohlt ist, diese wieder verschliessen und neue Löcher bohren.

Die Musikgesellschaft Mogelsberg leitet das Entzünden des Kohlenmeilers musikalisch ein.

Die Musikgesellschaft Mogelsberg leitet das Entzünden des Kohlenmeilers musikalisch ein.

Martin Klöti sagt, wie schnelllebig die Zeit ist – und wie viel Geduld das Köhlern braucht.

Martin Klöti sagt, wie schnelllebig die Zeit ist – und wie viel Geduld das Köhlern braucht.