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«Der Kanton will die betroffenen Mitarbeitenden aktiv unterstützen»: Schliessung der stationären Abteilung am Spital Appenzell hat Folgen für das Personal

Der Spitalneubau am Standort Appenzell wird nicht mehr weiterverfolgt. Grund ist, dass der Kooperationspartner im Bereich Innere Medizin, der Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden, den Kooperationsvertrag «aus strategischen Gründen» per Ende Juni gekündigt hat. Dies hat auch zur Folge, dass ab Mitte 2021 die stationäre Abteilung am Spital Appenzell geschlossen werden muss.

Claudio Weder
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41 Millionen Franken wollte der Kanton Appenzell Innerrhoden in den Neubau des Spitals Appenzell investieren. Nun hat sich das Blatt gewendet: Die Standeskommission hat am Freitag an einer Medienorientierung bekanntgegeben, dass das geplante Ambulante Versorgungszentrum Plus (AVZ+) mit einer Tagesklinik und einer interdisziplinären Bettenstation nicht wie vorgesehen realisiert werden kann. Der Grund: Der bisherige Kooperationspartner im Bereich der Inneren Medizin, der Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden (Svar), hat den Zusammenarbeitsvertrag per Ende Juni 2021 gekündigt.

Der Projektstopp kommt nicht ganz überraschend, auch wenn die Standeskommission bislang nicht von ihrem Vorhaben abzurücken schien. Doch das Projekt stand von Anfang an nicht unter guten Vorzeichen: Nach dem positiven Landsgemeindeentscheid im Jahr 2018 geriet das Spital Appenzell in finanzielle Schwierigkeiten. Die stationären Zahlen entwickelten sich rückläufig, das Defizit vergrösserte sich.

Endgültiger Entscheid liegt bei der Landsgemeinde

Roland Inauen, Landammann AI.

Roland Inauen, Landammann AI.

Bild: Ralph Ribi

Aufgrund dieser Entwicklung hat die Standeskommission Anfang 2020 zwei Bedingungen formuliert, die für die Fortführung des Projekts erfüllt sein müssten. Nicht nur hätte eine Trendwende bei den stationären Fallzahlen erreicht werden müssen, sagte Landammann Roland Inauen am Freitag vor den Medien. Auch hätte sich – und dies sei für die Standeskommission zentral – die seit Anfang 2020 bestehende Zusammenarbeit mit dem Ausserrhoder Spitalverbund etablieren müssen.

Nachdem Letztere gemäss Inauen «erfolgsversprechend angelaufen» ist, habe sich der Svar nun entschieden, «die Kräfte aus betrieblichen und strategischen Gründen auf die Ausserrhoder Spitäler zu konzentrieren». In der Folge sei die Standeskommission zum Schluss gekommen, «dass ein Neubau des Spitals unter diesen Bedingungen nicht realisiert werden kann».

Den endgültigen Entscheid über den Abbruch des Bauprojekts wird die Landsgemeinde fällen. Die Standeskommission wird dem Grossen Rat für die Februarsession ein entsprechendes Geschäft überweisen.

Stationäre Abteilung wird per Ende Juni geschlossen

Monika Rüeg Bless, Frau Statthalter und Vorsteherin Gesundheits- und Sozial Departement.

Monika Rüeg Bless, Frau Statthalter und Vorsteherin Gesundheits- und Sozial Departement.

Bild: Philipp Griesemer

Der Entscheid, das Projekt AVZ+ zu stoppen, hat unmittelbare Folgen für das Spital, den Betrieb und auch das Personal. Gesundheitsdirektorin Monika Rüegg Bless sagte:

«Ohne den Svar als Kooperationspartner wird in Zukunft kein akutsomatisch stationäres Angebot am Spital Appenzell mehr möglich sein.»

Die Bettenabteilung wird Ende Juni 2021 geschlossen, stationäre Fälle werden ab dem 1. Juli ausserkantonal behandelt. Weitergeführt wird hingegen das ambulante Angebot, ebenso seien der Rettungs- und Notfalldienst sichergestellt.

Mittelfristig soll das medizinische Angebot am Spital Appenzell gemäss Rüegg Bless weiterentwickelt und, wo nötig und sinnvoll, ausgebaut werden. Dies soll in Zusammenarbeit mit der Hausärzteschaft und anderen Partnern erfolgen. Ebenfalls sei ein Konzept zur integrierten Gesundheitsversorgung Appenzell zu erarbeiten. «Darin werden nicht nur die ambulanten und stationären medizinischen Leistungen definiert, sondern auch intermediäre Angebote wie Spitex, Hauspflege oder allenfalls erweiterte Angebote in der Langzeitpflege.»

Die Standeskommission werde diese Aufgaben unverzüglich an die Hand nehmen. Die Gesundheitschefin ist überzeugt, «dass wir auch in Zukunft unserer Bevölkerung ein gutes medizinisches und pflegerisches Angebot bieten können».

Es wird zu einem Stellenabbau kommen

Säckelmeister Ruedi Eberle.

Säckelmeister Ruedi Eberle.

Bild: PD

Mit der Schliessung der stationären Abteilung wird es gemäss Standeskommission zu einem Stellenabbau kommen. Wie gross dieser sein wird, konnte Ruedi Eberle, Innerrhoder Finanzchef und Verwaltungsratsmitglied des Spitals Appenzell, am Freitag noch nicht sagen.

«Dem Kanton ist es aber ein Anliegen, die betroffenen Mitarbeitenden aktiv zu unterstützen.»

Heisst: Härtefälle sollen abgefedert und im Bedarfsfall ein Sozialplan erstellt werden. Zudem sollen speziell für Auszubildende Lösungen gesucht werden.

Nicht zuletzt ist Eberle aber überzeugt, dass unter neuen Rahmenbedingungen attraktive Arbeitsplätze erhalten und allenfalls neue geschaffen werden können. «Eine Krise ist immer auch eine Chance.»