Der Kanton Appenzell Ausserrhoden unterstützt den Ersatz fossiler Heizungssysteme mit erneuerbarer Energie

Schonen die Umwelt und allenfalls auch das Portemonnaie: erneuerbare Energien. Eine Beratung zum Thema soll Unklarheiten beseitigen und helfen, den idealen Ersatz zum fossilen Heizungssystem zu finden. Gewisse Massnahmen können dann auch von den Steuern abgezogen werden.

Janine Bollhalder
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Mit Sonnenkollektoren profitieren Hausbesitzer von der Sonnenenergie.

Mit Sonnenkollektoren profitieren Hausbesitzer von der Sonnenenergie.

Remo Naegeli

Der Bund führt das bisher auf das vergangene Jahr befristete Gebäudeprogramm weiter. Dabei geht es darum, Gebäude energietechnisch besser auszurüsten. Auch die beiden Kantone Appenzell fördern nebst Energieeffizienzmassnahmen die Umstellung von fossiler auf erneuerbare Energien. Seit dem Jahr 2018 wird mithilfe der «Beratung Heizsystemwechsel» zusätzlich gefördert.

«Das Ziel dabei ist, dass sich Hausbesitzer mit dem Ersatz ihrer Heizung befassen, bevor diese aussteigt», sagt Christian Bernhardsgrütter, Ansprechperson für Energiefragen beim Amt für Umwelt und Leiter der Zertifizierungsstelle Minergie des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Bei einer schnellen Entscheidung werde aufgrund mangelnder Bedenkzeit oftmals auf die bekannte Heizungsversion zurückgegriffen.

«Im vergangenen Jahr wurden in vier von fünf Fällen die defekten Öl- oder Gasfeuerungen durch Wärmeerzeuger ersetzt, die ebenfalls auf fossiler Energie basieren.»

Dies sei mitunter auch ein Grund, weshalb 60 Prozent aller Wohnbauten im Kanton mit fossiler Energie beheizt werden.

Bewohner beider Appenzell werden Klima-sensibilisiert

«Die Beratung für einen Heizungssystemwechsel dient dazu, den Hausbesitzern verschiedene zeitgemässe Heizungssysteme aufzuzeigen, welche erneuerbare Energien nutzen», sagt Christian Bernhardsgrütter. Davon können sowohl Besitzer von Einfamilien- als auch Mehrfamilienhäuser profitieren. Bernhardsgrütter hat im vergangenen Jahr eine deutliche Steigerung des Interesses bemerkt. Er vermutet: «Hausbesitzer machen sich vermehrt Gedanken über die verschiedenen Energieträger.»

Auch gesetzlich ist schon lange vorgeschrieben, dass bei einem Neubau höchstens 80 Prozent des Wärmebedarfs für Heizung und Warmwasser mit nicht-erneuerbaren Energien abgedeckt werden darf. Bernhardsgrütter weiss:

«Die restlichen 20 Prozent müssen durch erneuerbare Energien gedeckt werden oder können durch eine besser gedämmte Gebäudehülle kompensiert werden.»

Die «Beratung Heizsystemwechsel» findet vor Ort, im betroffenen Haus, statt. «Der Energieberater fragt schon vorgängig nach dem Energieverbrauch und kann damit die energetische Qualität der Gebäudehülle abschätzen», sagt Bernhardsgrütter. Dem Hausbesitzer werden daraufhin verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, wie ein sinnvoller Heizungsersatz aussehen könnte –mit Fokus auf erneuerbare Energien. Es werden auch Grobkosteneinschätzungen für die empfohlenen Varianten abgegeben.

Eine «Beratung Heizsystemwechsel» hat einen Wert von 400 Franken. Von diesen Kosten trägt der Hausbesitzer allerdings nur einen Viertel. «300 Franken werden vom Kanton übernommen», sagt Christian Bernhardsgrütter. Die Fördergelder werden über den kantonalen Energiefonds finanziert. Dieser wird mit kantonalen - und Bundesgeldern aus CO2-Abgaben, gespeist. «Die Beiträge des Bundes sind von der Einwohnerzahl sowie vom kantonseigenen Fördermanagement abhängig», sagt Bernhardsgrütter.

Steuerliche Vorteile durch erneuerbare Energie

Die Installation eines Heizungssystems, welches auf erneuerbaren Energien basiert, erfordert in der Regel höhere Investitionen als der Ersatz des Heizungssystems durch eines mit fossiler Energie. «Auf lange Sicht seien die Systeme mit erneuerbarer Energie jedoch meist profitabler. «Dies dank der tieferen Betriebskosten», sagt Bernhardsgrütter.

«Ausserdem können sich situationsbedingt steuerliche Vorteile bieten.» Investitionen, die dem Energiesparen und dem Schutz der Umwelt dienen, sind den Unterhaltskosten gleichgestellt und somit abzugsfähig.

«Co2-Abgaben, wie sie bei der Nutzung fossiler Energieträger anfallen, können bei einem Wechsel auf erneuerbare Energien eingespart werden.»

Steuern sparen und die Umwelt schonen

Energiesparende und umweltschonende Massnahmen im Privatvermögen sind steuerlich den Unterhaltskosten gleichgestellt und können somit vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Das gilt allerdings nur, wenn sich die Massnahmen (siehe Grafik) auf den Ersatz von veralteten oder die erstmalige Anbringung von neuen Bauteilen oder Installationen in einem bestehenden Gebäude beziehen. Dieselben Massnahmen in Bauten, die jünger als fünf Jahre sind, können nicht von der Steuer abgezogen werden. (jab)

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