Der Kampf ums Guezli

Brosmete

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Die Verpackungsindustrie arbeitet daran, Produkte so zu verpacken, dass sie lange haltbar sind, attraktiv aussehen und leicht zu öffnen sind. Sollte man zumindest meinen. Beim letzten Punkt bin ich mir allerdings nicht mehr so sicher. Kürzlich war ich mit ­einigen Arbeitskollegen essen. Nach dem Hauptgang bestellten sie sich noch einen Kaffee. Ich verzichtete darauf, kam aber trotzdem in den Genuss des obligaten Guezlis, welches man zu Heissgetränken jeweils serviert bekommt. Die Serviertochter hatte wohl Erbarmen mit mir.

Anfänglich freute ich mich über die freundliche Gabe. Als ich das Guezli aus seiner Verpackung befreien wollte, wurde meine Begeisterung arg getrübt. Es liess sich nicht auspacken. Egal, was ich versuchte, ob ich an der Folie zerrte, sie auseinanderzog, mein Glück oben, unten oder an der Seite versuchte, die Verpackung widersetzte sich standhaft all meinen Bemühungen.

Nun bin ich nicht der Stärkste und wohl auch nicht der Geschickteste. So nahm ich an, dass nur ich in der Guezli-Verpackung meinen Meister gefunden habe. Schnell warf ich einen Blick zu meinen Arbeitskollegen und stellte erleichtert fest, dass auch sie ihre liebe Mühe bekundeten, an das Guezli zu gelangen. Auch gemeinsam fanden wir keinen Weg, um an die Köstlichkeit zu gelangen. Die Serviertochter bemerkte unseren Kampf glücklicherweise und half uns mit einer Schere, den Kampf gegen die Verpackung doch noch zu gewinnen. Geschmeckt hat mir das Guezli umso mehr. Vielleicht will die Firma, welche die Verpackung herstellt, das bezwecken. Nach dem Motto: Für dieses Guezli muss man kämpfen.

Gianni Amstutz