Der Kampf gegen Corona wird verschärft: Ausserrhoder Regierungsrat stellt neue Massnahmen vor

Um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, bleiben ab Montag die Schulen geschlossen. Eine Hotline wird eingerichtet.

Astrid Zysset
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Kantonsärztin Franziska Kluschke rechnet mit einem weiteren Anstieg der Corona-Infektionen. Links: Franz Bach, Leiter ad interim des Ausserrhoder Amtes für Gesundheit.

Kantonsärztin Franziska Kluschke rechnet mit einem weiteren Anstieg der Corona-Infektionen. Links: Franz Bach, Leiter ad interim des Ausserrhoder Amtes für Gesundheit. 

Bild: Astrid Zysset

«Das oberste Ziel, das nun verfolgt wird, ist, die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Corona-Virus zu verringern», sagte die Ausserrhoder Kantonsärztin Franziska Kluschke heute an der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Die Journalisten wurden angewiesen, möglichst weit voneinander entfernt Platz zu nehmen. Denn: «Die Verhaltensregeln, welche vom Bundesamt für Gesundheit vorgegeben werden, zielen darauf ab, fortan die soziale Distanz zu wahren.» Am Freitagnachmittag hatte der Bund bekannt gegeben, die Massnahmen gegen das Corona-Virus zu verschärfen. Die Weltgesundheitsorganisation stuft das Virus aufgrund der weltweiten Verbreitung mittlerweile als Pandemie ein. 1125 Personen sind in der Schweiz infiziert, in Ausserrhoden sind es deren fünf. Eine befindet sich im Spital, drei in Selbstisolation zu Hause. Die Fünfte gilt mittlerweile als symptomfrei und darf ihr Zuhause wieder verlassen.

«Die Strategie wird nun angepasst», sagte Kluschke. Damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird, sollen diejenigen, welche Anzeichen für eine Erkrankung feststellen, in der eigenen Wohnung verbleiben bis sie 24 Stunden symptomfrei sind. «Zu einem Arztbesuch wird nur bei einem schweren Krankheitsverlauf wie beispielsweise Atemnot oder Risikogruppen geraten», fuhr die Kantonsärztin fort. Wer Kontakt mit einer infizierten Person hatte, soll fünf Tage in Selbstisolation verbringen. Da aber in Einzelfällen Anhaltspunkte für eine Infektion erst später erkennbar werden, müsse der Kontakt zu den Mitmenschen generell auf ein Minimum beschränkt werden.

Kein regulärer Schulunterricht mehr ab Montag

Die Massnahmen, die der Ausserrhoder Regierungsrat am Freitag im Anschluss an die Information des BAG publik machte, sind in den Worten des Landammanns und Bildungsdirektors Alfred Stricker als «gravierend» zu bezeichnen. Ab Montag wird bis zum 4. April, dem Beginn der Frühlingsferien, der Unterricht von den Schulen nach Hause «verlagert». «Ich spreche bewusst nicht von einer Schulschliessung, denn die Schulpflicht besteht weiterhin», so Stricker. Sprich: Ältere Schülerinnen und Schüler werden fortan per Skype unterrichtet. Jüngere werden in Betreuungsgruppen eingeteilt und erhalten Leseaufgaben. Die Betreuung würde sichergestellt, betonte Regierungsrat Yves Noël Balmer, Vorsteher des Departements Gesundheit und Soziales. Die Überlegung solle nicht sein, dass Grosseltern in die Bresche springen und zu den Kindern schauen, während die Eltern arbeiten. «Kinder können den Virus in sich tragen, ohne dass sie sich dessen bewusst sind. Wir müssen die Risikogruppen respektive die älteren Bürger schützen.»

Der Austausch zwischen den Ausserrhoder Spitälern laufe bereits auf Hochtouren, um genügend Betten, Sauerstoffgeräte und Personal sicherstellen zu können. In den Spitälern, Alters- und Pflegeheimen gelte ab sofort ein Besuchsverbot. Und um die Verunsicherung der Bevölkerung von den Gesundheitsinstitutionen so weit wie möglich fernzuhalten, richtet der Kanton ab Montag eine Hotline ein. Dort können Ratsuchende ihre Fragen stellen. Die Telefonnummer werde von den Verantwortlichen noch bekannt gegeben.

Empfehlung, Anlässe bis auf weiteres zu meiden

Das BAG verbietet bis auf weiteres sämtliche Veranstaltungen, zu welchen mehr als 100 Gäste erwartet werden. Franz Bach, Leiter ad interim des Ausserrhoder Amtes für Gesundheit, empfiehlt gar, sämtliche Anlässe nicht mehr zu besuchen. Balmer ergänzte: «Das Risiko einer Ansteckung ist ähnlich hoch, ungeachtet dessen, ob sich 80 oder 120 Personen auf engem Raum zusammenfinden.» Der Gesundheitsdirektor umschrieb das Virus zwar als «mühsam», betonte jedoch auch, dass es sich nicht alleine verbreite. «Es geht weder an Konzerte, Hochzeiten, Beerdigungen, noch kauft es Flugtickets. Das macht der Mensch und trägt somit zur Ausbreitung bei.» Balmer appellierte an die soziale Verantwortung den Mitmenschen gegenüber. Nicht ausgeschlossen ist zudem eine weitere Verschärfung der Massnahmen. Der kantonale Führungsstab trifft sich alle zwei Tage und beurteilt die Lage neu. Aus Erfahrungen in anderen Ländern weiss man, dass 15 Tage nach der Erstinfektion die Ansteckungen sprunghaft ansteigen. In Ausserrhoden wäre dies kommenden Freitag der Fall.