Der Imageschaden ist angerichtet

Kommentar Appenzell Innerrhodens Grosser Rat hat diese Woche vom Bericht der Staatswirtschaftlichen Kommission (StwK) zu den Vorwürfen des alt Säckelmeisters Sepp Moser an die Adresse der Standeskommission Kenntnis genommen. Er tat dies emotionslos.

Bruno Eisenhut
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Kommentar

Appenzell Innerrhodens Grosser Rat hat diese Woche vom Bericht der Staatswirtschaftlichen Kommission (StwK) zu den Vorwürfen des alt Säckelmeisters Sepp Moser an die Adresse der Standeskommission Kenntnis genommen. Er tat dies emotionslos. Damit ist das letzte Kapitel dieser Geschichte geschrieben – das Buch ist geschlossen. Fazit: Sowohl der gesamte Kanton Appenzell Innerrhoden wie auch einzelne Mitglieder der Standeskommission und Sepp Moser selber leiden mehr oder minder an den Folgen des Angriffs.

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Das mediale Interesse machte die Mauschelei-Vorwürfe Mosers innert weniger Tage zur schweizweiten Meldung. Plötzlich wurde Innerrhoden in anderen Teilen der Schweiz als Kanton mit «mafiaähnlichen» Zuständen wahrgenommen. Ausgerechnet Innerrhoden, die Gegend, die bisher noch in Ordnung zu sein schien. Die Gegend, mit der die restliche Schweiz Trachten, Brauchtum und Folklore in Verbindung bringt. Und letztlich auch die Gegend, in der sich Marketing und Tradition derart erfolgreich kombinieren lässt. Bleibt nach dem unangenehmen Medienauftritt die Frage offen, ob die erfolgreichen Appenzeller Marketing-Strategien auch im Zusammenhang mit «mafiaähnlichen» Zuständen bei den Konsumenten gut ankommen. Am Montag haben verschiedene Mitglieder des Innerrhoder Kantonsparlaments während der Kenntnisnahme des StwK-Berichts die Situation beim Namen genannt: Der Imageschaden ist angerichtet. Ob dies die Absicht von Sepp Moser war, darf bezweifelt werden. Näher liegt die Vermutung, dass seine Attacke auf zwei Personen abzielte: Landammann Daniel Fässler und alt Landammann Carlo Schmid-Sutter. Diese beiden dürften ihren Ruf beschädigt sehen. Während Carlo Schmid-Sutter diesbezüglich seiner politischen Karriere kaum stören dürfte, sieht es bei Daniel Fässler anders aus. Er selber sagte an der jüngsten Grossratssession, dass das einzige Kapital des Politikers die Glaubwürdigkeit sei. Auf eine Strafanzeige wegen Ehrverletzung gegen Sepp Moser verzichtet Daniel Fässler trotzdem. Nach dieser leidigen Sache gelte es, den Blick nach vorne zu richten, sagt er. Eine juristische Schlacht würde die Geschichte unnötig in die Länge ziehen und nur der persönlichen Befriedigung dienen. Daniel Fässler ist sich bewusst, dass ein Mitglied der Standeskommission in der Öffentlichkeit steht und mit solchen Vorwürfen ein Stück weit zurechtkommen muss.

Für alt Säckelmeister Sepp Moser entwickelt sich seine mit Vorwürfen bestückte Attacke zum Bumerang. Das ehemalige Regierungsratsmitglied erhob Vorwürfe unterschiedlichster Art. Im Bericht der StwK wurden allesamt mindestens abgeschwächt, wenn nicht sogar als Falschaussage deklariert. So warf Sepp Moser unter anderem Daniel Fässler vor, gleichzeitig als Landammann und Mitglied des Verwaltungsrats der Jakobsbad-Kronbergbahn AG in einen Interessenkonflikt verwickelt zu sein. Moser selber war während seiner Zeit als Regierungsrat Mitglied der Luftseilbahn Wasserauen-Ebenalp AG. Weiter betonte Moser, dass die Steuerverwaltung während mindestens 20 Jahren nicht mehr geprüft worden sei. Auch dies ein Vorwurf, der im Bericht klar und deutlich widerlegt wird. 26 Kontrollen hätten in der Zeit von 2007 bis 2013 stattgefunden. Mehr noch bringt Sepp Moser in Verlegenheit, dass ihn die Standeskommission nach deren Beschluss, Moser als Verantwortlichen der Steuerverwaltung zu entbinden, zu schützen versuchte. Sie willigte auf Wunsch Mosers ein, den Führungswechsel der Steuerverwaltung vom Säckelmeister zum Landammann mit gesundheitlichen Problemen zu begründen. Den wahren Grund brachte nun der Bericht der StwK zutage: Sepp Mosers Name war in einem Steuerstrafverfahren aufgetaucht. Genützt hat dieser misslungene Versuch der Verheimlichung wenig. Dies dürfte sich mittlerweile auch die Standeskommission bewusst sein.

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Nach Bekanntwerden der Hintergründe darf kaum angenommen werden, dass Sepp Moser denselben Weg nochmals einschlagen würde. Was bleibt, ist ein Scherbenhaufen, den alle Beteiligten aufzuwischen haben. Danebst gibt es aber auch positive Erkenntnisse: Innerrhoder Persönlichkeiten werden auch künftig gleichzeitig in verschiedenen Ämtern tätig sein. Eine seriöse und gewissenhafte Ausübung der Ämter dürfte aber selbstverständlich sein.