Kommentar

Schlammschlacht im Bühler: Der gute Stil geht im Wahlkampfstreit verloren

Am 17. März wird im Rahmen der Gesamterneuerungswahlen das Gemeindepräsidium in Bühler neu besetzt. Zur Wahl stellen sich die amtierende Präsidentin Inge Schmid und ihr Herausforderer Gemeinderat Jürg Engler. Beide schenken sich nicht. Der Ton ist rau, die Angriffe persönliche.

Astrid Zysset
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Astrid Zysset, Redaktorin Appenzeller Zeitung.

Astrid Zysset, Redaktorin Appenzeller Zeitung.

Es wird scharf geschossen im Wahlkampf um das Gemeindepräsidium in Bühler. Die amtierende Präsidentin Inge Schmid moniert öffentlich, dass nie jemand das offene Gespräch mit ihr gesucht habe, um persönliche Differenzen innerhalb der Verwaltung zu bereinigen. Herausforderer Jürg Engler ist Gemeinderat und sagt, dass Inge Schmid nur höre, was sie auch hören möchte. Seine Kritik habe er ihr mehrfach dargelegt, doch sie habe nie reagiert. Rund zehn Tage vor den Gesamterneuerungswahlen hat der Wahlkampf in der Mittelländer Gemeinde die sachliche Ebene verlassen. Die Kontrahenten greifen sich persönlich an. Im Vorfeld von Wahlen ist dies oft gängige Praxis, doch von gutem Stil zeugt das nicht.

Inge Schmid ist seit 15 Jahren im Amt und somit die amtsälteste Gemeindepräsidentin im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Unter ihrer Regentschaft lief nicht alles rund – in jüngster Erinnerung ist der durchaus peinliche Fauxpas, als im November fehlerhafte Abstimmungsunterlagen verschickt wurden. Zwar war dies nicht Schmids Fehler, doch geschah das Missgeschick unter ihrer Verantwortung. Insgesamt kann sich die Gesamtbilanz von Schmids Arbeit aber sehen lassen. Finanziell ist Bühler gut aufgestellt, dringende Investitionen stehen keine an.

Angegriffen wird Schmid aufgrund ihres Führungs- und Kommunikationsstils. Vorwürfe, die von aussen betrachtet schwer nachvollzogen werden können, da sie wenig fassbar sind. Mit den Defiziten einer ungenügenden Informationspolitik sehen sich womöglich die meisten Bewohnerinnen und Bewohner nicht direkt konfrontiert und können darum nicht eruieren, ob die Kritik gerechtfertigt ist oder nicht. Das gibt Raum für Spekulationen. Und lässt die Frage aufkommen, warum solche Vorwürfe erst nach 15 Jahren ans Licht kommen. Sind sie gerechtfertigt oder sind sie das Resultat einer berechnenden Wahlkampftaktik der Gegenseite?

Der Ruf nach besserer Kommunikation ist gängige politische Rhetorik in Wahlkämpfen. Auch im Kantonshauptort Herisau wird Gemeindepräsident Renzo Andreani herausgefordert. Sein Kontrahent Kurt Geser will ebenfalls eine neue Art der Informationspolitik einführen. Doch im Gegensatz zum Wahlkampf in Bühler beschränkt sich Geser auf seine Ambitionen. Mit Kritik hält er sich zurück. Ein sachliches Abwägen zwischen den Kandidaten ist so eher möglich. Und: Ein nüchterner Wahlkampf garantiere Andreani im Falle einer Abwahl einen würdevollen Abgang. Für Inge Schmid wäre dies schon jetzt nicht mehr möglich. Einen angemessenen Abschied hätte sie aber aufgrund ihres langjährigen Engagements verdient. Und das soll an dieser Stelle auch mal offen kommuniziert werden.

FDP sägt am Stuhl der Bühlerer Gemeindepräsidentin

Die FDP Bühler präsentiert mit Gemeinderat Jürg Engler einen eigenen Kandidaten für das Gemeindepräsidium. Jener kritisiert die Kommunikations- und Führungskultur innerhalb des Gemeinderates. Für Gemeindepräsidentin Inge Schmid kommt das überraschend.
Astrid Zysset