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Der Gott aus der Maschine

Im Theater gab es bei den alten Griechen und Römern eine interessante Einrichtung: Wenn auf der Bühne die menschlichen Konflikte unlösbar wurden und die Szenerie ins Chaos zu stürzen drohte, schwebte eine Gottheit in einer kranähnlichen Hebemaschine herbei und
Karin Erni
Bild: Karin Erni

Bild: Karin Erni

Im Theater gab es bei den alten Griechen und Römern eine interessante Einrichtung: Wenn auf der Bühne die menschlichen Konflikte unlösbar wurden und die Szenerie ins Chaos zu stürzen drohte, schwebte eine Gottheit in einer kranähnlichen Hebemaschine herbei und gab dem Bühnengeschehen die entscheidende Wende zum Guten. Diese Einrichtung wurde «Deus ex machina», zu Deutsch «Gott aus der Maschine» genannt.

Heute, so scheint mir, spielt die Maschine selber Gott. Immer häufiger greifen Computer und Algorithmen in unseren Alltag ein. So sagt mir mein Handy seit kurzem jeden Morgen, wie lange mein Arbeitsweg dauert und ob ich einen Regenschirm einpacken soll. «Karin, dein Arbeitsweg dauert heute 13 Minuten, und das Wetter in Herisau ist kühl und windig.» Nett, von dir, liebes Telefon, aber ich habe dich nie um diesen Dienst gebeten! Woher weisst du überhaupt, wie ich heisse, wo ich wohne und wo ich arbeite? Weiss der Gugger, was das Ding sonst noch alles über mich weiss, denke ich. Zählt es vielleicht heimlich meine Schritte und misst meine Körpertemperatur, wenn ich es im Hosensack mitführe?

Zugegeben, das sind harmlose und manchmal sogar nützliche Hilfestellungen. Aber es braucht nicht viel Phantasie, sich vorzustellen, wie wenig Intimsphäre uns Handynutzern bald noch bleibt.

Glücklicherweise lassen sich einige der Funktionen mit etwas Geschick deaktivieren. So ist es mir nach längerem Pröbeln gelungen, den ungeliebten Autokorrekturmodus beim SMS-Schreiben zu deaktivieren. Ich beherrsche die deutsche Rechtschreibung nämlich einigermassen gut. Wegen dieser Funktion habe ich die ersten Tage von meinem neuen Handy ungewollt kryptische und manchmal auch ziemlich lächerliche Mitteilungen versandt. Die Angeschriebenen vermuteten wohl, ich hätte mal wieder einen über den Durst getrunken, und ignorierten das sinnfreie Gestammel geflissentlich.

Aber manchmal erhebt einen die Maschine auch zu Höherem. Dann nämlich, wenn sie aus dem «Gotti» ungefragt eine «Göttin» macht.

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