«Der Gast will Kühe sehen, nicht Strassen»

«Der lange Marsch aus den Bergen» (Stichwort: Alpfahrt), «Wenn Kühe auf den Laufsteg drängen» (Stichwort Viehschau) oder Sätze und Slogans wie «Die braunen Milchkühe sind aus dem Appenzellerland nicht wegzudenken, weder in der Kunst, noch im Tourismus oder im Brauchtum», «Webcam live: Kühe auf

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«Der lange Marsch aus den Bergen» (Stichwort: Alpfahrt), «Wenn Kühe auf den Laufsteg drängen» (Stichwort Viehschau) oder Sätze und Slogans wie «Die braunen Milchkühe sind aus dem Appenzellerland nicht wegzudenken, weder in der Kunst, noch im Tourismus oder im Brauchtum», «Webcam live: Kühe auf der Weide», «Kühe zu vermieten» usw.: Der Schluss liegt nahe, dass der Tourismus im Appenzellerland auf die Kühe angewiesen ist. Ist er das?. Sandro Agosti, Geschäftsführer Appenzellerland Tourismus AR in Heiden, sagt es so: «Die Vielzahl unserer Gäste erwartet eine intakte Landschaft. Und da gehören Kühe dazu.» Zentral für das Landschaftsbild sei eine gut funktionierende Landwirtschaft. Nochmals Agosti: «Wichtig ist dabei eine gute Balance zwischen Natur (sprich Wald, Gebirge), Landwirtschaft (Wiesland und Alpen), Siedlungsraum und Industrie.» Der Gast, der das Appenzellerland besuche, wolle keine zubetonierte Landschaft sehen. «Wenn der Wellness-Gast», so der Touristiker weiter, «im Heil- oder Moorbad Erholung sucht, dann will er Kühe auf der Weide sehen und nicht Autostrassen.» Appenzellerland Tourismus AR betrachte deshalb die Landwirtschaft als wichtigen Partner: «Bauern tragen viel zur intakten Landschaft bei.» Im Appenzellerland sei die Zusammenarbeit Tourismus–Landwirte gut.

Doch abgesehen von der intakten Landschaft an sich: Wie hoch ist explizit der Stellenwert der Kuh im Tourismus? «Braune Kühe, blauer Himmel, grüne Wiesen und gelbe Blumen sind für uns ein optimales Sujet», erklärt der Ausserrhoder Touristiker. In der Werbung für Viehschauen oder Alpfahrten habe die Kuh naturgemäss einen zentralen Stellenwert. Demgegenüber kämen Kühe in der Werbung für sportliche Aktivitäten wie etwa Nordic-Walking gezielt vor, seien aber nicht zentral, sondern gehörten einfach aufs Bild. Sandro Agosti: «Bei sportlichen Aktivitäten werben wir primär mit dem Argument <Erlebnis in der Natur>; auch da gehört die Kuh klar dazu.»

Doch Hand aufs Herz: Ist die Vermarktung dieser «intakten Landschaft mit Kuh» nicht zu klischeehaft? Tourismus-Fachmann Agosti verneint: «Die Werbung für das Appenzellerland soll natürlich aussehen. Denn auch wenn wir das Gebiet nicht darauf reduzieren, ist das Appenzellerland bekannt und beliebt für seine Hügellandschaft vom Bodensee bis zum Säntis – und da werden Kühe erwartet.» Beispielsweise erhalte er immer wieder Rückmeldungen von Gästen, die fasziniert von Wanderungen zurückkehrten, auf denen sie Viehgatter öffnen und schliessen und mitten durch Kuhherden gehen mussten. (gä)

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