Der führende Kopf von «Mooh»

Die beiden grossen Produzentenorganisationen Nordostmilch AG und Miba gehen zusammen und heissen jetzt «Mooh». Präsident der neuen Nummer 1 im Schweizer Milchhandel ist ein Appenzeller. Robert Bischofberger hat für die Zukunft der neuen Organisation bereits konkrete Pläne.

Karin Erni
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Der Schönengründler Robert Bischofberger ist Präsident Nummer 1 im Schweizer Milchhandel. (Bild: ker)

Der Schönengründler Robert Bischofberger ist Präsident Nummer 1 im Schweizer Milchhandel. (Bild: ker)

SCHÖNENGRUND. Der Hof von Robert Bischofberger im Hinterarnig liegt im Grenzgebiet des Appenzellerlandes und des Neckertals. Hier bewirtschaftet der 64-Jährige gemeinsam mit seinem Sohn einen Hof mit Milchvieh und dessen Aufzucht, Zucht- und Mastschweinen sowie Alpakas. Diese Betriebsform gebe ihm die nötige Flexibilität, um das Amt des Präsidenten der neu gegründeten Milchhandelsorganisation Mooh auszuüben, sagt Bischofberger. «Mooh» startete am 1. Juli aus dem Zusammengehen der Nordostmilch AG und der Genossenschaft Miba. Bischofberger rechnet damit, 40 bis 60 Prozent seiner Arbeitszeit für das Amt einzusetzen. «Jetzt in der Anfangsphase wird es wohl eher mehr sein.»

Grösse als Vorteil

Die zwei unterschiedlichen Kulturen zusammenzuschweissen dürfte eine Herausforderung sein, vermutet Bischofberger. Während bei der Nordostmilch AG vorwiegend Bauern aus der Ostschweiz und dem Bündnerland vertreten waren, handelt die Miba mit Milch von Lieferanten aus den Kantonen Bern, beider Basel und dem Jura. Nach den Gründen für die Fusion gefragt, sagt Bischofberger: «Wir haben die Kräfte gebündelt. Durch den optimalen Einsatz des personellen Know-how und der Ressourcen für Projekte, die für die Produzenten Mehrwert bringen. Durch unsere Grösse sind wir ein wichtiger Partner auf dem Schweizer Milchmarkt, dadurch können wir mit den Milchverarbeitern eher auf Augenhöhe verhandeln.» Durch die Unabhängigkeit von diesen sei es zudem möglich, den Produzenten gerechte Preise für die Milch zu bieten.

Retter in der Not

Robert Bischofberger ist in die neue Aufgabe hineingewachsen. Nach dem Zusammenbruch der Swiss Dairy Foods im Jahr 2002 standen viele Ostschweizer Bauern plötzlich ohne Abnehmer für ihre Milch da. In die Bresche sprang der Milchring St. Gallen-Appenzell. Daraus wurde die Nordostmilch, die ihrerseits aus der Fusion zweier Milchringe hervorgegangen war. Präsident wurde Robert Bischofberger, der bereits einige Jahre Erfahrung als Präsident des Milchrings St. Gallen Appenzell gesammelt hatte. Er erinnert sich noch gut an dessen Anfangszeit: «Plötzlich hatte ich 50 Millionen Kilo Milch am Hals, das hat mir damals schon einige schlaflose Nächte beschert. Doch wir fanden durch geschicktes Verhandeln schnell Abnehmer für die grosse Milchmenge.» In den folgenden Jahren steigert sich die Menge noch. Aktuell holt «Mooh» täglich 1,5 Millionen Kilo Milch bei rund 4000 Bauernbetrieben von Davos bis in den Jura ab und beliefert mit dem wertvollen Rohstoff rund 60 Milchverarbeiter. Die grössten Abnehmer sind die Migros-Tochter Elsa, die Emmi, die Cremo, die Nestlé oder der Milchpulverhersteller Hochdorf.

Doch man will es nicht beim Handel belassen, sondern zusätzlich durch die Produktion von verarbeiteten Lebensmitteln eine höhere Wertschöpfung erzielen. So verkauft die Nordostmilch AG bereits seit einiger Zeit erfolgreich Milchschokolade, Frischmilch, Milchpulver, Fondue, Raclette und Käse unter dem Label «Swiss-Mooh» in den asiatischen Raum. «Unsere Bauern produzieren nach sehr hohem Schweizer Qualitätsstandard Milch. Diese wird in der Schweiz zu hochwertigen Produkten veredelt und kann im Export mit Swissness-Qualität zu besseren Preisen verkauft werden», erklärt Robert Bischofberger die Strategie.

Bei «Mooh» setzt man auf Kontinuität: Die beiden früheren Geschäftsführer René Schwager und Christophe Eggenschwiler stellen beide ihre Dienste der Genossenschaft zur Verfügung.