Der Frühling erwacht, oder?

Speerspitz

Sabine Schmid
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Ach, wie habe ich mich danach gesehnt. An den kalten und trist-grauen Tagen schrie mein Herz nach blauem Himmel und Sonnenschein. Schnell war ich es leid, das Halstuch umzubinden und die Kappe über die Ohren zu ziehen. Ich wollte die leichten Schuhe anziehen und die Sonnenbrille aufsetzen.

Nun ist es geschafft. Der Schnee schmilzt, die Wiesen verfärben sich von braun zu einem leuchtenden Grün, und aus meinem Bürofenster sehe ich blühende Gänseblüemli. Der Frühling ist da und ich kann ihn mit ­allen Sinnen erfahren. Morgens beim Aufstehen ist es hell, und auch den Heimweg von der Arbeit kann ich bei Tageslicht antreten. Die Vögel pfeifen ihre Melodien, und die weichen Knospen der Chätzli laden ein, sie zu berühren. Der beissende Geruch in der Nase zeigt mir, dass auch die Landwirtschaft erwacht, und in den Läden lösen Erdbeeren und Spargeln das Wintergemüse ab.

Das aktuelle Wetter weckt aber noch ganz andere Frühlingsgefühle in mir. Es zieht mich förmlich nach draussen. Einen Kaffee trinken in der Sonne, einen Spaziergang machen oder die Balkonmöbel vom Winterstaub befreien? Eine Wurst auf dem Grill bräteln oder mit dem Velo eine kleine Tour machen? Die Sonne treibt mir sogar weniger tolle Ideen in den Sinn. Das Auto waschen? Die Fenster putzen? Bei so vielen Aktivitäten, die locker den ganzen Feierabend und noch viel mehr Zeit beanspruchen, fällt mir die Wahl schwer. Zum Glück muss ich mich nicht entscheiden, denn letztlich überwiegt sowieso etwas anderes, die Frühjahrsmüdigkeit.

Sabine Schmid

sabine.schmid@toggenburgmedien.ch