Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: «Appenzeller Lesesommer» soll Kinder und Jugendliche in den Sommerferien zum Lesen animieren – dabei können sie Preise gewinnen

In den Kantonen Appenzell Inner- und Ausserrhoden haben sich 14 Bibliotheken zusammengetan und ein Projekt organisiert: Kinder und Jugendliche sollen während 30 Tagen mindestens 30 Minuten lesen. Laut der Leiterin der Bibliothek Herisau soll der «Appenzeller Lesesommer» den Kindern unter anderem die grenzenlose Fantasie näherbringen.

Eva Wenaweser
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Beim «Appenzeller Lesesommer» spielt es keine Rolle, ob Bücher, Zeitungen oder Comics gelesen werden.

Beim «Appenzeller Lesesommer» spielt es keine Rolle, ob Bücher, Zeitungen oder Comics gelesen werden.

Symbolbild: Nana do Carmo (Frauenfeld, 5. Juni 2002)

Lesen ist fast immer und fast überall möglich. 14 Bibliotheken aus den Kantonen Appenzell Inner- und Ausserrhoden haben sich dafür zu einem gemeinsamen Projekt zusammengetan: Dem «Appenzeller Lesesommer». Ziel ist es, dass Kinder und Jugendliche vom Kindergarten bis in die Oberstufe in den Sommerferien an 30 Tagen mindestens 30 Minuten lesen oder sich etwas vorlesen lassen.

Im Lesepass sollen die Schüler die Tage ankreuzen, an denen sie mindestens 30 Minuten gelesen haben.

Im Lesepass sollen die Schüler die Tage ankreuzen, an denen sie mindestens 30 Minuten gelesen haben.

Bild: Screenshot Flyer

Was dabei gelesen wird – Bücher, Zeitungen, Comics – und ob es sich um eine gedruckte oder digitale Version handelt, spielt keine Rolle. Die Fortschritte sollen dann in einen Lesepass eingetragen werden, der von den Lehrpersonen bereits an rund 8000 Kinder und Jugendliche verteilt wurde. Dieser kann am Ende des Projekts in der Bibliothek abgegeben werden und berechtigt die Teilnehmer auch dazu, an einem Wettbewerb teilzunehmen. Insgesamt werden zehn Preise pro Bibliothek – also gesamthaft 140 Preise – unter den teilnehmenden Schülern verlost.

Weitere Infos zum «Appenzeller Lesesommer» und dem Wettbewerb finden Sie hier.

Kinder sollen sehen, dass der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind

Franziska Tschumi, die Leiterin der Bibliothek Herisau, erhofft sich davon, dass man wieder mehr Kinder zum Lesen animieren kann.

«Sie sollen sehen, wie unendlich gross die Fantasie sein kann.»

Die Kinder sollen merken, dass es für jeden Bücher gibt, die faszinieren. Um das zu verdeutlichen, erzählt Tschumi von der Erfahrung mit einem Jungen: Vor dem Lockdown habe es ihm sehr viel Mühe bereitet, selbständig zu lesen. Während dann die Schulhäuser geschlossen waren, habe ihm seine Mutter vermehrt vorgelesen und ihn zum zusätzlichen Lesen ermutigt – jetzt lese er mit grosser Freude. Nachdem die Schule wieder einige Tage offen war, habe sich die Lehrerin an die Mutter gewandt und von den Fortschritten geschwärmt – solche Entwicklungen erhofft sich Tschumi von dem Projekt.

Fantasy-Bücher sind hoch im Kurs: Harry-Potter-Reihe gewinnt wieder an Beliebtheit

Die Bibliotheken stellen für den «Appenzeller Lesesommer» ein grosses Angebot an Lesestoff zur Verfügung und stehen den Kindern und Jugendlichen bei der Auswahl beratend zur Seite. Laut Tschumi ist es von den Interessen abhängig, was für Bücher sie empfehlen, es gebe aber Klassiker, die immer gut gelesen werden. «Wir haben beispielsweise drei Ausgaben der Comicbuch-Reihe ‹Gregs Tagebuch› und die sind eigentlich immer ausgeliehen.»

Die Harry Potter Bücher von Joanne K. Rowling werden wieder häufiger gelesen.

Die Harry Potter Bücher von Joanne K. Rowling werden wieder häufiger gelesen.

Bild: Susann Basler (17. Oktober 2016)

Auch Buchreihen wie «Fünf Freunde», «Die drei ???», «Die drei !!!» und «Bodyguard» erfreuen sich grosser Beliebtheit bei den Schülern. Zudem stellt Tschumi fest, dass Fantasy-Bücher hoch im Kurs sind. Neben den Büchern über Eragon und den Warrior Cats, wird auch die Harry Potter-Reihe wieder vermehrt gelesen. Tschumi sagt:

«Kinder, die lesen, wissen genau, was sie wollen. Die, die weniger lesen, sind sich oft unsicher darüber, welche Art von Büchern sie lesen wollen.»

Ihre Aufgabe sei es dann, diese zu beraten und Themen vorzuschlagen.

Projekt findet in dieser Form zum ersten Mal statt

Der «Appenzeller Lesesommer» findet vom 6. Juli bis zum 16. August statt.

Der «Appenzeller Lesesommer» findet vom 6. Juli bis zum 16. August statt.

Bild: Screenshot Flyer

Die Idee für das Projekt ist laut Tschumi nicht neu, aber es ist neu, dass sich dafür 14 Bibliotheken aus Appenzell Inner- und Ausserrhoden zusammentun. Wegen der Coronakrise seien sie erst noch unsicher gewesen, ob es der richtige Zeitpunkt für den «Appenzeller Lesesommer» sei. Durch die weiteren Lockerungen könne er aber wie geplant stattfinden. «Ich gehe davon aus, dass mehr Schüler als erwartet daran teilnehmen», sagt Tschumi.

Sie nehme an, dass das Projekt für manche attraktiver sei, wenn sie nicht so lange oder gar nicht ins Ausland in die Ferien gehen. Tschumi habe nach der Wiedereröffnung festgestellt, wie gross das Bedürfnis nach den Bibliotheken sei. «Viele haben sich sehr darüber gefreut, dass sie wieder zu uns kommen und Bücher ausleihen können.» Daher hoffe sie auch auf eine rege Beteiligung an dem Leseförderungsprojekt.

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