«Der eingebildete Kranke» verjüngt

Mit einem Vor-, Zwischen- und Nachspiel, passender Musik und dem Verzicht auf lange Monologe erfährt ein über 300 Jahre altes Stück eine Verjüngungskur. Federführend dabei ist Stefan Litscher, der Regisseur der Wildhauser Puppenbühne.

Adi Lippuner
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WILDHAUS. Was Jean Baptiste Poquelin, bekannt als Molière, 1673 seinem Publikum vorsetzte, passt, dank einiger Anpassungen durchaus in die heutige Zeit. So sehen es die Verantwortlichen der Wildhauser Puppenbühne mit Regisseur Stefan Litscher. Der Oberstufenlehrer hat weder Aufwand noch Mühe gescheut, um dem Werk eine Verjüngungskur zu verpassen. In der Medizinersprache würde dies «neudeutsch» Facelifting heissen – und um Medizin geht es bei «Der eingebildete Kranke».

Mit Herzblut dabei

Stefan Litscher und seine Frau Irmgard gehören zu den Gründungsmitgliedern der Wildhauser Puppenbühne. Seit 33 Jahren werden alljährlich zwei Stücke, eines für Kinder und eines für Erwachsene, einstudiert. «Als vor einigen Jahren das Kinderstück ausfiel, weil sich die Nachmittagstruppe neu orientieren musste, gab es viele Reklamationen», erklärt Irmgard Litscher.

«Jedes Jahr ein neues Stück aufführen ist langfristig kaum machbar. Deshalb greifen wir ab und zu auf vorhandenes Material zurück», ist von Stefan Litscher zu erfahren. Aktuell trifft dies auf Molières «Der eingebildete Kranke» zu. Vor 20 Jahren tanzten diese Puppen bereits über die liebevoll ausgestattete Bühne – nun wurden sie überholt, wo nötig repariert und zu neuem Leben erweckt. Zudem hat Urs Lendi ein neues Bühnenbild gestaltet.

Ein Jahr Vorarbeit

Bis die erste der zwölf Proben mit den Puppenspielerinnen beginnen konnte, brauchte es rund ein Jahr Vorarbeit. «Ich habe die Texte überarbeitet und die langatmigen Monologe gestrichen», erklärt Stefan Litscher. Damit aber nicht genug: Um der Welt der heutigen Medizin gerecht zu werden, gibt es drei Zusatzelemente. Der Regisseur nennt sie Vor-, Zwischen- und Nachspiel. Da wird in Versform über die heutigen Möglichkeiten der Medizin philosophiert – untermalt von passender Musik. Nein, selbst geschrieben habe er die Musik nicht, war auf die entsprechende Frage zu hören. «Aber lange gesucht, bis ich im Internet das Passende gefunden habe», so die Erklärung. Dank Gratis-Herunterladen und den vielfältigen technischen Möglichkeiten ist ein Werk entstanden, das sowohl dem ursprünglichen Stück als auch der heutigen Zeit gerecht wird. Mal werden die Verse von Rap-Musik untermalt, mal ist es ein Stück von Johann Sebastian Bach.

Versierte Sprecher

Jeder der elf Puppen erhielt im Vorfeld die passende Stimme. «Wir haben extra eine Anlage mit Mischpult gemietet und die Aufnahmen im evangelischen Kirchgemeindehaus gemacht.» Dann habe er, wie Stefan Litscher weiter ausführt, das Ganze am Computer zusammengefügt und teilweise mit Musik unterlegt.

Ein Blick auf die Sprecherliste zeigt, dass Hans Ruedi Fischer – bekannt als «fis» – die Hauptrolle von Argan, dem eingebildeten Kranken spricht. Liseli Stricker, ebenfalls eine langjährige Mitarbeiterin der Puppenbühne, gibt Béline, Argans zweiter Frau, ihre Stimme. Die Texte von Tochter Angélique spricht Désirée Forte, von Bruder Béralde Martin Mettler und von Cléante, dem Geliebten, Martin Sailer. Weitere Sprecher sind Peter Ruf, Markus Grieshaber, Bruno Anderhalden, Ivo Stäger, Stefan und Irmgard Litscher. Dank dieser technischen Vorbereitung können sich die sechs Spielerinnen Heidi Himmelberger, Barbara Rhyner, Rita Schiefer, Alice Schwendener, Jeanette Wyss und Irmgard Litscher auf die anspruchsvolle Aufgabe des Puppenspiels konzentrieren.

Premiere am 29. Dezember

Und worauf können sich die Puppentheater-Besucher freuen? Auf ein Stück, das mit der Angst vor dem Tod spielt, das trotzdem zum Schmunzeln anregt und wegen der eingebetteten Liebesgeschichte auch ein wenig französisch-prickelnd daherkommt.

Wer sich einen der 40 Plätze, die pro Vorstellung im Rietlistall zur Verfügung stehen, sichern will, nutzt den Vorverkauf über Telefon 071 999 99 11.