Der egoistische Oktober

Bei vielen Menschen ist er sowieso schon unbeliebt: der Monat Oktober. Er steht für den Herbst, von den Bäumen fallende Blätter, kalte Tage und immer weniger Tageslicht.

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Bild: Martina Basista

Bild: Martina Basista

Bei vielen Menschen ist er sowieso schon unbeliebt: der Monat Oktober. Er steht für den Herbst, von den Bäumen fallende Blätter, kalte Tage und immer weniger Tageslicht.

Nein, all das mögen wir nicht besonders, manche leiden deswegen gar an Herbstdepressionen. Was sich der Oktober aber dieses Jahr erlaubt hat, ist an Unverfrorenheit kaum zu übertreffen. Er ist ein Egoist sondergleichen. Nicht einmal der Chinesische Drache konnte seinem schändlichen Tun Einhalt gebieten. Sie denken jetzt sicher, der Fässler hat schon eine verfrühte Herbstdepression und dreht völlig am Rad: Es ist ja erst August! Stimmt, aber: Wir schreiben das letzte Jahr, in dem unsere Erde überhaupt noch besteht. Bekanntlich geht unser geliebter Planet, dem wir ja immer so sehr Sorge getragen haben, am 21. Dezember 2012 unter – ausser die Mayas haben sich beim Kalenderschreiben böse verrechnet. Und was macht der Oktober? Er klaut einem anderen Monat den Platz und findet somit zweimal statt. Ohne schlechtes Gewissen hat er den Juli k.o. geschlagen und ärgerte uns im Hochsommermonat mit Regen und Kälte. Der Juli versuchte sich aufzulehnen und schaffte es immerhin an einigen Tagen, seinen ihm gebührenden Platz wieder einzunehmen. Doch gegenüber der kalten Seele des Oktobers war der Juli mit seinem sonnigen Gemüt fast chancenlos.

Im Bund der Monate steht der Oktober wegen seines Verhaltens nun noch schlechter da als sonst schon. Der Juli hat sich an oberster Stelle beschwert und auch der Dezember, der nicht einmal die Chance erhält, seine ihm bestimmten 31 Tage dauern zu dürfen, ist in die Opposition gegangen. Der September und natürlich der Oktober haben dafür kein Gehör, ebenso wenig wie der November.

Bleibt für den Juli und den Dezember nur noch eine letzte Hoffnung übrig: Dass die Mayas in etwa so schlecht rechnen können, wie im Juli – oder eben Oktober – das Wetter gewesen ist.

Markus Fässler

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