Der Bregenzerwald als Vorbild für Appenzell Ausserrhoden

Ausserrhoden kann viel vom Bregenzerwald lernen. Denn die beiden Regionen sind vergleichbar. An einer Tagung war ein konkretes Projekt aus Handwerk und moderner Architektur ein Thema.

Jesko Calderara
Merken
Drucken
Teilen
Ein Bushaltestelle aus Holz in Krumbach, Bregenzerwald. (Bild: Getty)

Ein Bushaltestelle aus Holz in Krumbach, Bregenzerwald. (Bild: Getty)

Appenzell Ausserrhoden und der Bregenzerwald haben einige Gemeinsamkeiten: eine ähnliche Topografie sowie vergleichbare gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen. Die Region im Vorarlberg hat sich in den letzten Jahren zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Was daraus für die Situation im Kanton gelernt werden kann, war kürzlich Thema der Tagung «Grüezi Nachbar» auf der Schwägalp. Rund 80 Teilnehmer folgten der Einladung der Stiftung Wirtschaftsförderung AR. «Mit solchen Anlässen wollen wir positive und zukunftsgerichtete Inputs geben», sagt deren Präsident Stephan Egger. Zu diesem Zweck soll der Blick über den Tellerrand in andere Gegenden gewagt werden – beispielsweise in den benachbarten Bregenzerwald.

Die Initialzündung zur regionalen Entwicklung war vor 20 Jahren die Gründung vom «Werkraum Bregenzerwald». Dabei handelt es sich um eine Initiative von Handwerkern. Organisiert in einem Verein, bietet diese Kooperation seinen Mitgliedern institutionalisierte Hilfestellung in den Bereichen Mitgliederservice, Produkt- und Designinnovation sowie Aus- und Weiterbildung. Dafür realisierte der renommierte Schweizer Architekt Peter Zumthor ein Werkraum-Haus, das für Ausstellungen, Versammlungen und als Schaufenster der Handwerkskultur dient. Am Anlass auf der Schwägalp waren mit Thomas Geisler, Margit Hinterholzer und Lukas Schrott mehrere Vertreter dieses Projekts zu Gast.

Erste Ansätze für ein Projekt in Urnäsch

Der Werkraum Bregenzerwald zählt heute rund 100 Mitgliedsbetriebe und hat überregionale Ausstrahlungskraft. Dafür sieht Egger mehrere Gründe. Unter anderem nennt er die Vernetzung von Gewerbe, Architektur, Tourismus, Gastronomie und Kultur. «So treffen verschiedene Denkweisen aufeinander, wodurch Neues geschaffen werden kann», betont er. Die Initiative sei zudem von der Basis aus gekommen. Als weiteren Erfolgsfaktor erwähnt der Präsident der Wirtschaftsförderung AR eine Offenheit. Im Bregenzerwald werden Bauvorhaben immer international ausgeschrieben, die Leistungserbringung erfolgt jedoch durch regional ansässige Unternehmen. «Dadurch trifft der pragmatische Praktiker auf den verrückten Designer oder Architekten», sagt Egger. Das traditionelle Handwerk erfahre so eine Weiterentwicklung hin zu neuen Bedürfnissen, was wirtschaftlich interessant sei. Eine Entwicklung wie in dieser ländlichen Region des Vorarlbergs hält er auch in Ausserrhoden für wünschenswert. Dazu brauche es private Initiativen von Leuten, welche Begeisterung aufbringen für eine positive Vernetzung von Gewerbe, Landwirtschaft, Architektur, Tourismus, Gastronomie und Kultur. Vergleichbare Ansätze gibt es im Kanton bereits, etwa bei der Arbeitsgruppe zur «Vernetzung und Stärkung des Urnäscher Handwerks und Gewerbes.» Damit solche Projekte gelingen, darf gemäss Egger zu Beginn nicht die Frage nach der Finanzierung im Vordergrund stehen. Vielmehr brauche es diese Art von Geist wie im Bregenzerwald, damit schlummerndes Potenzial genutzt werden könne.