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Der Bilderbuch-Bauer

Käse und Quark, Milch und Mostbröckli: Landwirt Tobias Knechtle verkaufte gestern zum ersten Mal seine Produkte am St. Galler Bauernmarkt. Produkte, die er mit «Gschpüüri» im tiefsten Appenzellerland herstellt.
Malolo Kessler

Eggerstanden. Das wuchtige Alpsteinmassiv ist wolkenverhangen. Die schmale Strasse schlängelt sich immer tiefer ins Appenzellerland. Vorbei an grünen Wiesen, grossen Bauernhöfen. An Traktoren, die über Landsträsschen tuckern, an zwei alten Männern, die Pflöcke einschlagen. Tobias Knechtle steht vor seinem Hof in Eggerstanden bei Appenzell. Von hier wird er nun bis November jeden Freitag nach St. Gallen an den Bauernmarkt fahren. Mit Käse und Quark, Milch und Mostbröckli.

Landwirt vierter Generation

Knechtle führt den Familienbetrieb in Eggerstanden in vierter Generation. Letztes Jahr hat er ihn von seinem Vater übernommen, das Wohnhaus umgebaut und einen Milchverarbeitungsraum angebaut. Der Landwirt setzt sich an den hölzernen Küchentisch. Im Sennenhemd, mit geröteten Wangen, einem Chüeligurt um die Hüfte. In seinem rechten Ohrläppchen steckt ein goldener Ohrring. Ein Bauer aus dem sprichwörtlichen Bilderbuch. Er sei bislang noch nie an einen Markt gefahren, sagt der 29-Jährige in breitem Innerrhoder Dialekt. «Das ist jetzt eine neue Herausforderung für mich.»

Marktstand geerbt

Die Knechtles halten auf ihrem Hof 15 Kühe, 15 Kälber, 7 Ziegen und Hühner. Die Familie mit zwei Kindern lebt von der Milchwirtschaft. So heisst der Stand, den sie am St. Galler Bauernmarkt betreiben werden, denn auch «Milchspezialitäten». Dort verkauft Tobias Knechtle gemeinsam mit einer Kollegin Frischkäse in verschiedenen Sorten, Weichkäse, Streichkäse, Quark, Milch, Joghurt, Ziegenwurst und Mostbröckli. «Wir produzieren alles von Hand, ohne Computer», sagt er. «Alles mit <Gschpüüri>.» Der Landwirt lacht. Laut, holprig. Den Stand haben die Knechtles von einer befreundeten Bauernfamilie aus Waldstatt übernehmen können. «Aus Zeitgründen konnten sie ihn nicht weiterführen.» Ein bisschen froh seien sie schon, somit nicht bei null beginnen zu müssen. Vielleicht einen bestehenden Kundenstamm übernehmen zu können. «Das klappt schon», sagt Knechtle. Ein bisschen mehr zu sich selbst. «Moss»: Es muss.

Wenn Tobias Knechtle zum Markt fährt, bleibt seine Frau Sabrina zu Hause. Melkt die Kühe, passt auf die Kinder auf. «Ich kann einen solchen Betrieb hier nur führen, weil sie mithilft», sagt der Landwirt. Kennengelernt hat sich das Ehepaar an der Landwirtschaftsschule in Landquart, die sie beide absolviert haben. Bevor sie den elterlichen Hof übernommen haben, arbeiteten sie in einem grossen Landwirtschaftsbetrieb.

Als Söhnchen Robin anderthalb Jahre alt war, fuhren sie für einen Sommer auf eine Alp im Bündnerland, passten auf 120 Kühe auf, molken und machten Käse. Er habe nie etwas anderes sein wollen als Bauer, sagt Knechtle. «Wieso auch?»

«All» etwas zu tun

Die Familie könne bei der Arbeit «all» dabei sein, der Umgang mit Tieren fasziniere. «Sie stehen für mich an erster Stelle.» Er nestelt an seinem Hemdkragen, lehnt sich zurück. «Und wenn man mal nichts zu tun hat, muss man auch nichts machen.» Er lacht wieder. Wieder laut, wieder holprig. «Aber wir haben eigentlich <all> etwas zu tun.» Manchmal hilft auch Vater Knechtle bei der Arbeit.

Zweieinhalb Tage vorbereiten

Die Vorbereitungen für den Bauernmarkt sind happig. «Zweieinhalb Tage für einen halben Tag Markt», sagt Tobias Knechtle. Wenn dann im Sommer auch noch die Heuernte anfalle, gebe das einiges mehr zu tun. «Dann sollten die Tage schon 25 Stunden haben.» Noch ein Lachen. Und ein Seufzer. «Aber ebe», sagt er dann trocken. «Me nennts wes chonnt.»

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