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Der «Armeniervater» aus Hundwil

HUNDWIL. Mit einer Installation und Veranstaltungen erinnert die Kirche Hundwil an den Laienarzt Jakob Künzler. Vor 100 Jahren rettete der gebürtige Hundwiler 8000 armenische Waisen aus der Türkei vor dem Tod.
Michael Genova
Bis im Dezember informiert eine Ausstellung in der Kirche Hundwil über Werk und Leben von Jakob Künzler. (Bild: mge)

Bis im Dezember informiert eine Ausstellung in der Kirche Hundwil über Werk und Leben von Jakob Künzler. (Bild: mge)

Als einer der ersten sah Jakob Künzler den Völkermord an den Armeniern kommen. Im Jahr 1915 wurde der Appenzeller Zeuge, wie Hunderttausende Armenier auf Todesmärsche in die Wüste geschickt wurden oder Massakern zum Opfer fielen. Zusammen mit seiner Frau Elisabeth leitete er damals als Laienarzt ein Missionsspital im südostanatolischen Urfa. Im Jahr 1922 organisierte Jakob Künzler die Ausreise von 8000 armenischen Waisenkindern ins französische Mandatsgebiet Syrien und sicherte so ihr Überleben. Bis heute gilt Künzler international als einer der wichtigsten historischen Augenzeugen für die damaligen Ereignisse.

Mit Geist und Witz

Als Pfarrer Bernhard Rothen nach Hundwil kam, begann er sich mit der Biographie von Jakob Künzler zu beschäftigen. An der Kirche Hundwil erinnert eine Gedenktafel an Künzler, der am 8. März 1871 in Hundwil zur Welt kam. Der Bürger von Walzenhausen arbeitete während seiner Schulzeit als Fädler und Sticker und absolvierte später in Stein eine Lehre als Zimmermann. Bevor er in die Türkei auswanderte, machte er im Basler Diakonenhaus eine Ausbildung als Krankenpfleger.

«Jakob Künzler hatte einen unerhört scharfen Intellekt gepaart mit Appenzeller Witz», sagt Bernhard Rothen. Nur so habe er die traumatischen Erlebnisse in der Türkei überhaupt verarbeiten können. In dessen Lebensgeschichte sieht Rothen auch sein Lebensthema, eine zentrale Frage, die ihn seit seiner Jugend beschäftigt: «Wieso münden Ideale in etwas Grausames?»

Der Völkermord an den Armeniern jährt sich 2015 zum hundertsten Mal. Für Pfarrer Rothen war es deshalb naheliegend, das Leben von Jakob Künzler in Hundwil zum Thema zu machen.

Anlässe im Gedenkjahr

In der Kirche informiert eine Rauminstallation während des ganzen Jahres über das Leben und Werk Jakob Künzlers. Die Ausstellung dokumentiert seine Verwurzelung in der Heimat, den Aufbau der Klinik in Urfa und fragt, was das Lebenswerk des Appenzellers für alle Zeiten zu sagen hat. Am 7. Mai um 20 Uhr hält der Historiker Hans-Lukas Kieser in der Kirche Hundwil einen Vortrag über den armenischen Völkermord und stellt diesen in den heutigen politischen Kontext. Am 26. September organisieren der Schweizerische Evangelische Kirchenbund und die Gemeinde Walzenhausen eine Gedenkveranstaltung in der Kirche Walzenhausen. Am 31. Oktober diskutieren an einem Symposium drei Nichttheologen darüber, was uns die Geschichte von Kain und Abel heute noch zu sagen hat.

Informationen zum Gedenkjahr: kirche.hundwil.ch

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