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Felix Gmünder: Der ärgste Feind der Doppelspur in Teufen

Felix Gmünder ist ein führender Experte für Biorisiken. Nun kämpft er für ein bahnfreies Teufner Dorfzentrum.
Astrid Zysset
Felix Gmünder will sich für die «Belange der nächsten und übernächsten Generation einsetzen», wie er sagt. Bild: Astrid Zysset

Felix Gmünder will sich für die «Belange der nächsten und übernächsten Generation einsetzen», wie er sagt. Bild: Astrid Zysset

Er ist es, der die Diskussion um den Bau der Doppelspur erneut auf den Tisch brachte. Die Petition, die einen Marschhalt bei der Ortsdurchfahrt verlangte, und welche wiederum die Gründung der IG Tüüfner Engpass einläutete, hatte er lanciert. Sein Ziel: Er will, dass die Teufner Dorfplanung nochmals überdacht wird. Felix Gmünder, 68-jährig, ist Mikrobiologe und Biochemiker. Er gehört zu einer kleinen Gruppe internationaler Experten für biologische Hochsicherheitslabors und Biorisiken. Ruhig und besonnen wirkt er. Um seine Aussagen zu untermauern, zückt er jeweils seinen Laptop und findet in systematisch abgelegten Dateien und Ordnern die schriftlichen Belege. Gmünder ist aber auch jemand, der sich kampfeslustig zeigt, indem er ganz klar sagt, er werde erst ruhen, wenn die Doppelspur vom Tisch oder zumindest eine faire Abstimmung erfolgt ist. Vorher nicht.

«Ich bin relativ neu hier in der Gemeinde und muss darum nicht auf langjährige Verbindungen Rücksicht nehmen.» Seine «Beisshemmung» tendiere gegen Null, sagt er. Auch gegenüber der Gemeinde, wenngleich hier Gmünder versöhnlichere Töne anschlägt. «Der alte Gemeinderat hatte die Konsequenzen der Doppelspur nicht gesehen. Der neue hat die Chance zu intervenieren, muss aber gleichzeitig das Gesicht wahren. Das ist nicht einfach.»

Abstimmung aus der Ferne mitverfolgt

2015 wurde in Teufen über einen Tunnel abgestimmt. Gmünder wohnte und arbeitete damals in Singapur, hatte aber zusammen mit seiner Frau in der Mittelländer Gemeinde bereits ein Eigenheim gekauft, um zurück ins Appenzellerland zu ziehen. Die Abstimmung verfolgte er aus der Ferne mit. «Ich erinnere mich, wie ich damals dachte, dass der Tunnel die beste Lösung sei. Der Verkehr könnte sich ‹entflechten›, die Dorfquerung würde sicherer werden.» Beim Betrachten der Abstimmungsunterlagen stutzte Gmünder jedoch. «Ich komme aus der Risikoanalyse. Wenn zwei Varianten verglichen werden, dann muss das auf fairen Kriterien und in direkter Gegenüberstellung beruhen.» Das sei im Edikt nicht der Fall gewesen. Die aufgeführten Stärken und Schwächen beinhalteten unterschiedliche, nicht zu vergleichende Argumente. Zudem seien die Fotomontagen verfälscht gewesen. «Soviel freien Platz in der Strassenraumgestaltung wie dort zu sehen war, gibt es in Wahrheit überhaupt nicht.»

Einsetzen für die nächsten Generationen

Gmünder war zwar verärgert, doch unternehmen wollte er damals noch nichts. 2016 zog er nach Teufen. 2017, als über den Kurztunnel an der Urne befunden wurde und der 68-Jährige noch dachte, dass diese Lösung «nicht das Gelbe vom Ei» sei, schien die Zeit für ihn aber auch noch nicht gekommen, um politisch aktiv zu werden. Erst Anfang dieses Jahres sollte es soweit sein. Damals räumten die Appenzeller Bahnen als Bauherrin ein, dass die Doppelspur massiv teurer werden würde als geplant. «Den Teufnern wurde nicht nur in Fragen der Sicherheit und des Platzangebots etwas vorgegaukelt, sondern auch bezüglich der Finanzierung», so Gmünder. Genug ist genug, dachte er sich. «Viele befürchten, dass mit der Doppelspur unser Dorf zerstört wird, und es herrschen viel zu viele Unsicherheiten. Das kann und will ich nicht hinnehmen.» Gmünder fragte sich jedoch, ob er der einzige sei, der so dachte. Im Dorf sei eine gewisse «Schicksalsergebenheit» zu spüren gewesen. Leserbriefe, Kontakte in der Nachbarschaft und ein Gespräch mit seinem Coiffeur bestärkten ihn, aktiv zu werden. Er sah sich bestätigt, dass sich viele Leute aufgrund der höheren Kosten bei der Doppelspur und des Abstimmungsediktes 2015 betrogen fühlten. «Für mich war klar, dass ich mich für die nächste und übernächste Generation einsetzen will.» Nicht das erste Mal, dass sich Gmünder politisch engagiert; 1997 verhinderte er die Schliessung eines Hallenbads in Zürich Altstetten.

Vergangenen Mai lancierte Gmünder die Petition. Diese wurde schliesslich mit über 2100 Unterschriften dem Teufner Gemeinderat überreicht. «Diejenigen Bürgerinnen und Bürger, die nach wie vor hinter der Doppelspur stehen, kann ich an einer Hand abzählen», so der 68-Jährige. Deren Meinung könne er aber gut akzeptieren, fügt er an. Auch Verständnis für die Appenzeller Bahnen zeigt er. «Die ständigen Projektänderungen bringen ihr keine Planungssicherheit. Das ist nicht gut. Die Bahn hat einen Leistungsauftrag.» Trotzdem ist Gmünder überzeugt, dass das Projekt verworfen wird, wenn ausreichend Widerstand gegen den Bau der Doppelspur besteht.

Rückhalt findet Gmünder in der IG Tüüfner Engpass. «Wir haben alle viel Zeit und Energie, um für unser Anliegen zu kämpfen: Wir wollen einen lebendigen und entwicklungsfähigen Dorfkern mit Begegnungsmöglichkeiten.» Welche Schritte die IG als nächstes einleiten wird, ist noch offen. Vorerst wirbt sie für Mitglieder und sucht nach Partnern für Allianzen. Gmünder: «Im Moment sind wir als IG zufrieden, wie es läuft. Am Ziel sind wir aber noch lange nicht.»

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