Der aktive Beifahrer im Auto

TOGGENBURG. Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer haben weder den einfachsten noch den sichersten Beruf. Sie sind immer auf der Strasse, und das nicht alleine. Auch im Winter sind sie unterwegs. In dieser Jahreszeit Autofahren zu lernen, sei nicht nur problemlos möglich, sondern sogar empfehlenswert.

Fanny Urech
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Ein gewisses Risiko geht jede Fahrlehrerin und jeder Fahrlehrer ein. Unfälle in der Fahrschule sind aber sehr selten. (Bild: Keystone)

Ein gewisses Risiko geht jede Fahrlehrerin und jeder Fahrlehrer ein. Unfälle in der Fahrschule sind aber sehr selten. (Bild: Keystone)

Vielen Leuten begegnen sie mindestens einmal im Leben. Den meisten in der Zeit kurz nach der Volljährigkeit. Sie brauchen Geduld, starke Nerven und den Willen, ihr Wissen weiterzugeben – die Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer.

«Es ist mein Traumberuf»

«Ein gewisses Risiko ist immer dabei, vielleicht auch ein etwas grösseres als in manch anderen Berufen», sagt Beat Rüegg, Fahrlehrer in Bazenheid. Da der Fahrlehrer im Fahrschulauto aber auf der Beifahrerseite ebenfalls die Möglichkeit habe, Gaspedal, Bremse und Kupplung zu betätigen, habe er immer eine Möglichkeit zum Eingreifen. «Mit der Zeit, wenn man die Lernenden besser kennt, kann man auch besser abschätzen, wo sie Fehler machen, und ist darauf vorbereitet», sagt Beat Rüegg. Dieser Ansicht ist auch Ruth Manser, Fahrlehrerin in Ebnat-Kappel. «Mit den meisten Schülerinnen und Schülern beginnt man beim Anfahren, also ganz am Anfang.» Die Erfahrung zeige bald, wo die Probleme liegen, und man könne sich darauf einstellen. «Ein gewisses Risiko ist immer vorhanden, auch wenn man allein auf die Strasse geht», sagt Ruth Manser. Respekt sei wichtig, Angst sollte man aber keine haben. Früher arbeitete sie im Service. Dass sie jetzt Fahrlehrerin ist, habe sich so ergeben. «Ich kam durch eine Kollegin darauf, habe im Beruf geschnuppert und es hat mir gleich «dä Ärmel inegnoh». Vor allem mache ihr die Arbeit mit anderen Leuten, besonders mit jungen, viel Spass. «Wir hatten auch früher immer Lehrlinge im Betrieb», sagt Ruth Manser. Beat Rüegg und sein Berufskollege Urban Egle, Fahrlehrer aus Unterwasser, hatten beide eine ähnliche Motivation, Fahrlehrer zu werden. «Ich habe diesen Beruf gewählt, weil ich gerne auf der Strasse bin und mit jungen Leuten arbeite», sagt Urban Egle. Diese Kriterien sprachen auch Beat Rüegg an. «Ich fahre gerne Auto und arbeite mit anderen Leuten zusammen», sind sich die beiden einig. «Fahrlehrer ist mein Traumberuf», ist sich Beat Rüegg sicher. Früher habe er auf dem Bau gearbeitet. Vor etwa zehn Jahren wechselte er zum Fahrlehrerberuf.

Wenig Unfälle in der Fahrschule

«In den ganzen zehn Jahren hatte ich noch nie einen schwerwiegenden Unfall wegen eines Fahrschülers», sagt Beat Rüegg. In seiner Branche seien Unfälle erstaunlich selten. «Viel häufiger passieren sie dann, wenn andere Verkehrsteilnehmer involviert sind oder wenn die Fahrschüler mit Privatpersonen üben», weiss er aus Erfahrung zu sagen. Statistiken seien ihm dazu allerdings keine bekannt. Das Risiko bestehe aber, und manchmal habe er auch einfach Glück gehabt. Beat Rüegg gibt auch Motorradunterricht. «Da ist das Risiko grösser, da kann ich kaum eingreifen, wenn der Lernende einen Fehler macht.» Ruth Manser geht mit ihm einig, dass Unfälle sehr selten sind. Auch Urban Egle sagt, dass es in der Fahrschule wenig Unglücke gäbe: «Da sind es immer zwei, die aufpassen und bremsen können, der Lehrende und der Lernende.» Ganz nach dem Motto: Vier Augen sehen mehr als zwei.

Fahrschüler im Winter

Auch was das Fahren lernen im Schnee betrifft, sind sich die Fahrlehrer einig: Es ist sehr empfehlenswert. «Bei schneebedeckter Strasse fährt man langsamer und hat daher mehr Zeit, um die Verkehrsabläufe richtig einzuüben», sagt Urban Egle. Ausserdem könne bei dieser Witterung gelernt werden, wie die Geschwindigkeit den Strassenverhältnissen angepasst werden muss. Die häufigste Ursache für Unfälle im Winter sei, dass die Fahrgeschwindigkeit nicht angepasst werde. «Wird das Fahren im Sommer gelernt, ist der Neulenker oder die Neulenkerin beim ersten Schnee ganz auf sich allein gestellt», sagt Beat Rüegg. Früher sei es viel seltener vorgekommen, dass im Winter Fahrstunden belegt wurden, heute habe sich das ausgeglichen, weiss der Fahrlehrer aus Erfahrung. Auch Urban Egle sagt: «Die Schülerzahl hängt mehr von den Geburtstagen ab als von der Jahreszeit.» Ruth Manser ist ebenfalls der Meinung, dass Fahrstunden im Winter sinnvoll sind. «Das bringt viel Erfahrung», sagt die Fahrlehrerin. Nachteile sind kaum zu finden, ausser dass im Winter langsamer gefahren werden muss als im Sommer – der Sicherheit wegen.

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