Der 5G-Ausbau im Appenzellerland schreitet voran

Der Mobilfunkstandard 5G ist auf dem Vormarsch. Im Appenzellerland sind weitere Antennen hinzugekommen.

Astrid Zysset
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Ende des Jahres 2019 wurden zahlreiche Antennen im Appenzellerland nachgerüstet.

Ende des Jahres 2019 wurden zahlreiche Antennen im Appenzellerland nachgerüstet.

Bild: Peter Klaunzer

Als «Wunder vom Dezember» umschreibt Peter Federer, Abteilungsleiter Luft und Boden beim Ausserrhoder Amt für Umwelt, den Ausbau des 5G-Netzes. Der Mobilfunkanbieter Swisscom kündigte schon vor längerem an, 90 Prozent der Bevölkerung bis Ende 2019 mit 5G versorgen zu wollen. Zum Jahreswechsel dann die Meldung: Das Ziel wurde erreicht. Die neuste Mobilfunkgeneration verspricht das bisher beste Netz mit schnelleren Reaktionszeiten gegenüber der heutigen Mobilfunktechnologie 4G.

Für das Appenzellerland präsentiert sich folgendes Bild: Per 1. Dezember war der Antennenstandort Urnäsch Kronbach/Horsch noch der einzige aktive 5G-Standort. Swisscom teilte jedoch mit, dass an verschiedenen Antennen die Frequenz von 2100 Megahertz (MHz), die bisher für UMTS genutzt wurde, neu für 5G gebraucht würde. Das geht durch eine Umprogrammierung relativ unkompliziert und rasch vonstatten. Resultat heute: Neun Antennen im Appenzellerland sind gemäss Bundesamt für Kommunikation mittlerweile kompatibel für das 5G-Mobilfunknetz. Am 12. Dezember erfolgte die Umstellung. «Es ging alles ganz schnell», so Federer. «Am 5. Dezember erhielten wir die Information, eine Woche später war die Umrüstung auf 5G bereits erfolgt.»

Doch ging das ohne Baubewilligung? Ja, meint Federer, wenn keine baulichen Anpassungen an den bestehenden Antennen vonnöten sind und keine Änderungen in den genutzten Frequenzen und Sendeleistungen vorgenommen werden. Beim Bundesamt für Kommunikation noch nicht eingetragen, aber dennoch bewilligt, sind weitere drei 5G-Standorte in Ausserrhoden: Einer an der Cilanderstrasse in Herisau, einer beim «Hochhamm» in Schönengrund und einer in Grub. Alle drei werden das Frequenzband von 3600 MHz nutzen, erstere beide stammen von Salt, letztere von Swisscom. Für Schönengrund und Grub erfolgte ein ordentliches Baugesuchsverfahren, für Herisau reichte eine umweltrechtliche Bewilligung aus.

In Innerrhoden sind aktuell alle bewilligten 5G-Antennen in den Karten des Bundesamtes für Kommunikation auch eingetragen worden: Es sind deren zwei. Ende vergangenen Jahres wurde in Oberegg eine Antenne in Betrieb genommen, eine weitere befindet sich in Appenzell. Manuela Schwizer, Sachbearbeiterin Umwelt beim Bau- und Umweltdepartement, rechnet auf Anfrage hin jedoch damit, dass in den kommenden Monaten Gesuche für weitere Antennen folgen werden.

Strahlenbelastung durch Verhalten steuern

Insgesamt werden über kurze Sicht – inklusive derjenigen in Appenzell – somit vier Antennen im Appenzellerland 5G auf der 3600-MHz-Frequenz senden. Die anderen 5G-Standorte nutzen die Frequenz von 2100 MHz. Für Federer ist dies aber zweitrangig. Zwar würde 5G primär über 3600 MHz verbreitet, doch geht es auch über niedrigere Frequenzen. Dann allerdings könnten die Leistungsversprechungen zu 5G betreffend Datengeschwindigkeit nicht erreicht werden. Denn je höher die Frequenz desto mehr Daten können gesendet werden. Tiefere Frequenzen haben hingegen höhere Reichweiten.

Bedenken ob allfällig gesundheitlicher Risiken durch die Strahlung hat Federer keine. «Die Strahlenbelastung durch die Mobilfunkantennen wird durch die Umweltschutzgesetzgebung entsprechend heutigen Erkenntnissen beschränkt. Auch für 5G gelten weiterhin die bisherigen Grenzwerte.» Häufig werde zudem die Strahlung des eigenen Smartphones, WLAN oder anderer eigener Quellen unterschätzt. Erhöhte Belastungen entstünden nämlich bei der Nutzung von Mobilfunkendgeräten vor allem bei schlechter Verbindung. Werden die Geräte im Keller oder geschlossenen Fahrzeugen genutzt, steigt die Strahlenbelastung entsprechend an, da das eigene Gerät auf voller Leistung versucht, eine Verbindung zur Mobilfunkantenne herzustellen. «Mit dem eigenen Verhalten kann ich direkt auf die Belastung einwirken.» Ohnehin gibt Federer deutlich zu verstehen, dass der Ausbau des 5G-Netzes voranschreitet – ungeachtet der Kritik der Gegner. In anderen Kantonen gebe es bereits ein dichteres Netz an 5G-Antennen als im Appenzellerland. Federer sieht dies positiv: «Ein optimales Netz mit Mobilfunkantennen nahe den Nutzerinnen und Nutzern kann die Strahlenbelastung der Bevölkerung insbesondere vermindern, da die eigenen Endgeräte mit minimaler Leistung senden können.»

Weitere Antennen werden nachgerüstet

Die aktuelle Netzabdeckung mit 5G im Appenzellerland umschreibt Federer denn auch als «gering». In Inner- und Ausserrhoden fange die Umrüstung erst an. Zudem werden weitere Standorte auch für 4G im Vorderland zum Beispiel in Walzenhausen von den Betreibern gesucht, um die Grundabdeckung zu verbessern. Auf Federers Schreibtisch stehen fünf Ordner, welcher jeder ein Gesuch samt Gutachten und Abklärungen zu Standorten in Teufen und Herisau umfasst. Das 3G-Netz wird mittelfristig verschwinden – davon ist Peter Federer überzeugt. Der Abteilungsleiter Luft und Boden geht davon aus, dass sämtliche bestehenden Antennen im Appenzellerland in naher Zukunft nachgerüstet werden und weitere Antennenstandorte durch die Netzbetreiber geplant sind.

Netzausbau als Daueraufgabe

Dass dies durchaus möglich ist, zeigt eine Nachfrage bei den Betreibern. Salt gibt an, dass sie ihr 5G-Netz im Appenzellerland laufend ausbauen möchte. Zu möglichen Antennenstandorten, deren Anzahl und neuen Dienstleistungen will das Unternehmen aber keine Angaben machen. Ähnlich klingt es bei Swisscom. Zur Planung des Netzausbaus werde man sich aus Wettbewerbsgründen nicht äussern, heisst es. Der Ausbau komme einer Daueraufgabe gleich. Das Appenzellerland sei zwar aktuell «gut versorgt», es werde aber immer wieder eine Modernisierung und Erweiterung des Netzes brauchen, damit dies so bleibt.