Der vierte Umzug seit dem 14. Jahrhundert: Glocke beim Heinrichsbad in Herisau hat einen neuen Standort bekommen

Für den Bau der Tiefgarage beim Heinrichsbad in Herisau musste sie weichen. Nun hat die Glocke einen neuen Platz vor dem Eingang des Hauses Park erhalten. Am Dienstag wurde sie offiziell eingeweiht.

Astrid Zysset
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Armin Müller, Bereichsleiter Hotellerie und Infrastruktur der Stiftung Altersbetreuung Herisau, Lehrling Cedrin Schlager und Ernst Bischofberger, Mitglied des Stiftungsrates der Altersbetreuung Herisau.

Armin Müller, Bereichsleiter Hotellerie und Infrastruktur der Stiftung Altersbetreuung Herisau, Lehrling Cedrin Schlager und Ernst Bischofberger, Mitglied des Stiftungsrates der Altersbetreuung Herisau.

Bild: Astrid Zysset

«Es ist der vierte Standort, den sie erhält», sagte Ernst Bischofberger, Mitglied des Stiftungsrates der Altersbetreuung Herisau sowie Delegierter der Baukommission. Und es ist ein prominenter. Vor dem Eingang des Hauses Park steht die rund 80 Kilogramm schwere Glocke, angebracht auf einem hölzernen Glockenstuhl. Am Dienstagmorgen fand die offizielle Glockeneinweihung statt.

Die Geschichte der Glocke reicht weit zurück: Im 14. Jahrhundert war sie im Schloss Roggwil untergebracht. Nach dem dortigen Umbau im 18. Jahrhundert kam sie nach Herisau auf die kleine Kapelle des Heinrichsbads; 1824 wurde jenes als Kuranstalt gebaut. Die Glocke wurde damals geläutet, um die Gäste daran zu erinnern, dass sie einen Schluck Molke trinken sollten. 1950 übernahm die Gemeinde die Gebäude. Ein Altersheim wurde erstellt. 1967 kam die Glocke dann vor den Eingangsbereich, wo sie kürzlich schliesslich für den Bau der Tiefgarage West weichen musste.

Glockenständer wird an Freizeitarbeitenausstellung gezeigt

Bischofberger verriet, dass von den Architekten einst ein Glockenständer aus Stahl vorgesehen gewesen war. «Mein Herz schlägt aber für Holz», sagte er. «Das gibt auch einen schönen Kontrast zur Betonfassade des Hauses Park.» Gesagt, getan. Lehrling Cedrin Schlager von der Firma Diem Holzbau in Herisau durfte den Ständer aus Akazienholz im Rahmen einer Freizeitarbeit erstellen.

Noch ist er erst provisorisch im Fundament verankert. Das hat einen Grund: «Wenn es die Entwicklung der Pandemie zulässt, findet im Frühling die Freizeitarbeitenausstellung statt», so Bischofberger. «Dann wird der Glockenständer dort ausgestellt.» Anschliessend erst wird er fest im Boden vor dem Haus Park befestigt.

«Ich hoffe, die Glocke kann dann ein paar Jahrhunderte dort bleiben», sagte Bischofberger mit einem Lächeln. Doch wenn sie nicht mehr fürs Molketrinken geläutet wird, wofür dann? «Das wissen wir noch nicht», so Armin Müller, Bereichsleiter Hotellerie und Infrastruktur der Stiftung Altersbetreuung Herisau. «Aber irgendeinen Zweck fällt uns schon noch ein.»