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«Baudenkmäler gehen im Immobilienmarkt oft als Nischenprodukte unter»: Ausserrhoder Heimatschutz erhofft sich Positives vom neuen Schweizer Immobilienportal für historische Bauten

Auf der Schweizer Immobilienplattform «Marché Patrimoine» können historische Bauten zum Verkauf angeboten oder gekauft werden. Davon profitiert auch der Kanton Appenzell Ausserrhoden, sagt Eva Louis, Obfrau des Ausserrhoder Heimatschutzes.

Claudio Weder
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Wie das Dorfzentrum Gais sind auch die übrigen Ausserrhoder Ortskerne geprägt von historischen Bauten. Viele davon stehen jedoch leer und drohen zu verfallen.

Wie das Dorfzentrum Gais sind auch die übrigen Ausserrhoder Ortskerne geprägt von historischen Bauten. Viele davon stehen jedoch leer und drohen zu verfallen.

Bild: Martina Basista

Wer ein Walliser Chalet, ein Tessiner Rustico oder gar das Alte Rathaus in Glarus kaufen möchte, wird auf herkömmlichen Immobilienportalen wohl kaum fündig. Aus diesem Grund hat der Schweizer Heimatschutz zusammen mit der Stiftung Ferien im Baudenkmal im September 2020 die Plattform «Marché Patrimoine» ins Leben gerufen. Es handelt sich dabei um die erste Immobilienplattform für historische Bauten in der Schweiz. Das Angebot reicht von Wohnhäusern über Gewerbe- und Industriebauten bis hin zu landwirtschaftlichen Bauwerken.

Eva Louis, Obfrau Ausserrhoder Heimatschutz.

Eva Louis, Obfrau Ausserrhoder Heimatschutz.

Bild: APZ

Klickt man sich auf der Website durch die verschiedenen Inserate, fällt auf, dass aus dem Appenzellerland noch keine aufgeschaltet sind. «Das könnte sich aber bald ändern», sagt Eva Louis, Obfrau des Ausserrhoder Heimatschutzes. Sie ist überzeugt, dass gerade der Kanton Appenzell Ausserrhoden mit seiner rekordhohen Anzahl historischer Bauten in Zukunft von dieser Plattform profitieren könnte:

«Wie überall in der Schweiz stehen auch in Ausserrhoden viele schützens- und erhaltenswerte Bauobjekte leer und drohen zu zerfallen.»

Und mit dem Zerfall droht meist der Abbruch: Gemäss Eva Louis werden in Ausserrhoden pro Jahr rund drei bis fünf Schutzentlassungsgesuche für Bauten gutgeheissen, welche unter Denkmalschutz stehen. «Die Liste an historisch schützenswerten Objekten im Kanton schrumpft damit jährlich.»

Baudenkmäler zu verkaufen, ist nicht einfach

Dieser Entwicklung könne jedoch mit «Marché Patrimoine» entgegengewirkt werden. «Die Plattform verhilft Baudenkmälern zu neuen Besitzern, welche im Idealfall bereit sind, in Sanierungen oder Umbauten zu investieren.» Dem Heimatschutz ist es ein Anliegen, die historische Bausubstanz zu erhalten. «Die alten Häuser bringen nicht nur räumlich-ästhetische Qualitäten mit», sagt Louis. Meist sei eine Sanierung auf Basis der bestehenden Bausubstanz auch umweltschonender als ein Abbruch mit anschliessendem Neubau. Nicht zuletzt spielen auch wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle:

«Baukultur und Tourismus sind zwei Disziplinen mit gegenseitigen Wechselwirkungen. Ohne die charakteristischen historischen Bauten gäbe es in Ausserrhoden viel weniger Anreiz für den Tourismus.»

Spezifische Käufergruppen ansprechen

Mit dem neuen Portal soll letztlich die Vermittlung historischer Bauten an potenzielle Käuferinnen und Käufer vereinfacht werden. Denn: Baudenkmäler zu verkaufen, ist keine leichte Angelegenheit. Das weiss auch Eva Louis:

«Im Immobilienmarkt gehen solche Nischenprodukte meist unter.»

Gerade hier sieht Louis für Ausserrhoden einen Nutzen: «Der Heimatschutz hat bei Verkäufen in der Vergangenheit die Anbieter meist mittels Beiträgen auf Social Media unterstützt.» Durch die neue Plattform sei es nun möglich, mehr Reichweite zu erzielen. Zudem könne eine spezifische Käufergruppe angesprochen werden. Dies steigere letztlich auch die Chance, dass jemand einen Kauf abschliesst: «Schaut man sich die Inserate auf der Website an, kann es schon passieren, dass man sich spontan in ein Objekt verliebt.»

Bis die ersten Inserate aus dem Appenzellerland auf dem neuen Immobilienportal erscheinen, sei nur noch eine Frage der Zeit. Laut Eva Louis ist das Bedürfnis nach einem solchen Angebot in Ausserrhoden vorhanden. «Die Plattform muss einfach noch bekannter werden.»

Mehr Infos zu den Angeboten oder den Anforderungen an die Verkaufsobjekte auf www.marchepatrimoine.ch.