Denken ohne Geländer

Am letzten Wochenende im April feiern die Menschen in Enger das Kirschblütenfest. Zwar nicht unbedingt seit Menschengedenken. Und die Tradition geht auch ausnahmsweise nicht auf Widukind zurück. Aber immerhin hat das Stadtfest doch schon 36 Jahre auf dem Buckel.

Lars Syring
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Bild: Lars Syring

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Am letzten Wochenende im April feiern die Menschen in Enger das Kirschblütenfest. Zwar nicht unbedingt seit Menschengedenken. Und die Tradition geht auch ausnahmsweise nicht auf Widukind zurück. Aber immerhin hat das Stadtfest doch schon 36 Jahre auf dem Buckel. Und das will schon fast was heissen.

Das Kirschblütenfest wird wie jedes andere Fest in Ostwestfalen in erster Linie gefeiert, um einen Grund zum Trinken und zum Essen zu haben.

Wie die Engeraner darauf gekommen sind? Ich zitiere den Beginn der Festschrift von 2013: «Man soll denken ohne Geländer.» Dieser Satz der deutschen Dichterin Hannah Arendt war für Rolf Ihsen (den damaligen Vorsitzenden der Kaufmannschaft und späteren Kopf des Kultur- und Verkehrsvereins) immer wie eine Triebfeder. Ein Ansporn, sich etwas auszudenken, Neues zu wagen, kreativ zu sein. Und sich von Schwierigkeiten nicht unterkriegen zu lassen. Offenbar führte dieses «Denken ohne Geländer» dazu, dass sich die Kaufleute Ende der 70er-Jahre einer schon bestehenden Ausstellung der Autohändler anschlossen und auch die Gärtner mit ins Boot holten, die die Parkpalette am Barmeyerplatz in ein Blumenmeer verwandelten. So entstand das Volksfest, das jedes Jahr Tausende Menschen in die Widukindsstadt lockt. «Von Bürgern – für Bürger – mit Bürgern» heisst das Motto seit den Gründertagen, das noch heute seine volle Gültigkeit hat, wie Christoph Ogawa-Müller in seinem Vorwort unterstreicht.

Damit das Ganze auch eine familiäre Legitimation («Ein Fest für die ganze Familie») bekommt, wird jedes Jahr eine Kirschblütenfee gekürt. Die erste Fee war 1979 Stefanie Griesbach. Aber ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich davon damals überhaupt gar nichts mitbekommen habe. Dabei wohnte Stefanie nur zwei Strassen weiter.

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