«Den Tourismus trifft es knüppeldick»:  Ausserrhoder Gewerbepräsident über die wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie 

René Rohner, Präsident des Ausserrhoder Gewerbeverbands, zeichnet ein pessimistisches Zukunftsbild: Er glaubt nicht, dass sich die Ausserrhoder Wirtschaft so schnell von der Coronakrise erholen wird. In verschiedenen Branchen rechnet er mit Spätfolgen.

Claudio Weder
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Stillstand auf der Schwägalp: Das Hotel Säntis beherbergt wegen der Coronapandemie keine Gäste, die Luftseilbahn fährt nicht, und auch mit dem Postauto ist die Schwägalp derzeit nicht erreichbar.

Stillstand auf der Schwägalp: Das Hotel Säntis beherbergt wegen der Coronapandemie keine Gäste, die Luftseilbahn fährt nicht, und auch mit dem Postauto ist die Schwägalp derzeit nicht erreichbar. 

Bild: Ralph Ribi

Die Coronakrise trifft die Ausserrhoder Wirtschaft bis ins Mark. Ein Lichtblick ist das Massnahmenpaket, das der Kanton vergangene Woche präsentiert hat. Mit diesem sollen vor allem jene Unternehmen unterstützt werden, die von den Milliardenbeiträgen des Bundes nicht profitieren können. Unter anderem plant der Regierungsrat – in Kooperation mit den Ausserrhoder Stiftungen, dem Gewerbeverband sowie dem Industrieverein – ein Nothilfefonds für Härtefälle.

René Rohner, Präsident Gewerbeverband AR.

René Rohner, Präsident Gewerbeverband AR.

Bild: PD

Diese zusätzlichen Unterstützungsmassnahmen brauche es, sagt René Rohner, Präsident des kantonalen Gewerbeverbands:

«Das lokale Gewerbe leidet besonders unter der Coronakrise.»

In Ausserrhoden gebe es viele traditionelle Familienbetriebe, die sich über Generationen weg aufrechterhalten haben. Diese hätten zwar in der Vergangenheit immer wieder Krisen überwinden müssen, seien sich also gewohnt, mal durchzubeissen. «Die Krise, die nun zu bewältigen ist, ist allerdings nicht vergleichbar mit den Krisen der Vergangenheit.»

Die Bestrebungen, die aktuell vonseiten der Regierung, des Amtes für Wirtschaft und Arbeit sowie des kantonalen Krisenstabs laufen, wertet Rohner daher als positives Zeichen.

«Das Ausserrhoder Gewerbe fühlt sich durch das angekündigte Hilfspaket der Regierung gestützt. Die Betriebe spüren, dass sie nicht allein gelassen werden.»

Zahl der Härtefälle im Kanton noch unbekannt

Viel Konkretes liegt in Ausserrhoden derzeit aber noch nicht auf dem Tisch. So ist weder die Grössenordnung des Nothilfefonds noch die betragsmässige Obergrenze von allfälligen Unterstützungsbeiträgen bekannt. Ebenfalls bleibt zu klären, ob und in welchem Ausmass sich der Kanton finanziell am Fonds beteiligen wird.

Aus dem Nothilfefonds sollen nebst Darlehen auch A-fonds-perdu-Beiträge für Härtefälle entrichtet werden können. Wie viele Härtefälle es im Kanton Appenzell Ausserrhoden tatsächlich gibt, kann Rohner nicht sagen. «Dafür muss die Regierung zuerst definieren, wann ein Fall als Härtefall klassifiziert wird.» Besonders gefährdet sind seiner Einschätzung nach aber all jene Betriebe, deren Kerngeschäft nicht der Verkauf von Lebensmitteln ist: «Kleingewerbe wie Coiffeurläden oder Ein-Personen-Betriebe mit geringem Einkommen trifft es besonders hart.»

Drastische Folgen sind laut Rohner auch im Tourismus zu erwarten. Diesen treffe es «knüppeldick». Die ausbleibenden Hotel- und Restaurantgäste seien dabei nicht das einzige Problem. «Indirekt sind auch die Zulieferer wie Metzger und Detailhändler von den vorübergehenden Schliessungen der Hotellerie- und Gastrobetriebe betroffen», sagt Rohner.

«Die ganze Wertschöpfungskette wird zusammenbrechen.»

Folgen werden noch Jahre später spürbar sein

Ob die geplanten Massnahmen ausreichen, um das Ausserrhoder Gewerbe ausreichend zu unterstützen? «Das muss laufend überprüft werden», sagt Rohner. Und weiter: «Es wird schwierig sein, die Unterstützungsmassnahmen so einzusetzen, dass alle gleichermassen profitieren können.» Weiter gibt Rohner zu bedenken, dass es keine finanziellen Sanierungen von Unternehmen geben werde, die gesprochenen Beiträge würden letztlich also bloss der Schadensbegrenzung dienen.

Rohner blickt pessimistisch in die Zukunft. «Die Angst geht mit.» Insbesondere erwartet er wirtschaftliche Spätfolgen, nicht nur in der Tourismusbranche, sondern auch im Exportbereich sowie in der Bauwirtschaft. Je nach Branche werden die Auswirkungen der Coronakrise noch Jahre später zu spüren sein, befürchtet Rohner. Das Wichtigste sei vorerst aber, die rasante Ausbreitung des Virus in den Griff zu bekommen.

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