Den Theoretikern Paroli bieten

Mit einem öffentlichen Basisbauern-Treffen im Landgasthof Sonne machte die Interessengemeinschaft (IG) Anbindestall auf ihre Anliegen aufmerksam. Nebst eidgenössischen Parlamentariern waren auch zahlreiche Bauern aus der Region vor Ort.

Adi Lippuner
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Hansruedi Scheuner, Präsident IG Anbindestall Schweiz, der Berner Nationalrat Rudolf Joder, Patrick Monhart, IG Anbindestall Ostschweiz, Samuel Graber, Präsident Schweizer Kälbermäster-Verband und Gastgeber, Nationalrat Toni Brunner (von links).

Hansruedi Scheuner, Präsident IG Anbindestall Schweiz, der Berner Nationalrat Rudolf Joder, Patrick Monhart, IG Anbindestall Ostschweiz, Samuel Graber, Präsident Schweizer Kälbermäster-Verband und Gastgeber, Nationalrat Toni Brunner (von links).

EBNAT-KAPPEL. «Bäuerliche Familienbetriebe prägen das Toggenburg und diese geraten durch die Landwirtschaftspolitik zunehmend unter Druck», so Gastgeber und Nationalrat Toni Brunner am Samstagnachmittag bei seiner Begrüssung. Vor Ort waren Hansruedi Scheuner, Präsident der IG Anbindestall Schweiz, Patrick Monhart, IG Anbindestall Ostschweiz, der Berner Nationalrat Rudolf Joder, Präsident des Vereins für eine produzierende Landwirtschaft und Samuel Graber, Berner Grossrat und Präsident Schweizer Kälbermäster-Verband. Letztere machten auf die Initiative für Ernährungssicherheit aufmerksam. Eines wurde während der Referate deutlich: Es geht den Initianten nicht um das Ausspielen von Lauf- gegen Anbindeställe. «Vielmehr müssen beide nebeneinander und gleichberechtigt Platz haben», so Hansruedi Scheuner. «Viel wichtiger ist, dass wir den praxisfernen Theoretikern in den Büros der Landwirtschaftsämter Paroli bieten und endlich auf unsere berechtigten Anliegen aufmerksam machen.»

Doch worum geht es konkret? Es geht um die Frage, ob Tiere der Gattung Rindvieh auch weiterhin in einem Stall angebunden werden dürfen oder nur noch eine Haltung in Laufställen, wie dies in der Europäischen Union Vorschrift ist, möglich sein wird. «Wenn sich unsere höchsten Schweizer Politiker weiterhin so verhalten wie bisher, ist die Gefahr gross, dass das Anbindestall-Verbot der EU übernommen wird», so Toni Brunner.

Unmut spürbar

An der landwirtschaftlichen Basis sei Unmut zu spüren, «denn rund die Hälfte der Bauern hält ihre Tiere in einem Anbindestall und möchten dies auch in Zukunft tun», erklärte Hansruedi Scheuner. Er kennt als pensionierter Bauer, der aber noch täglich auf dem Hof seines Sohnes in Oberlangenegg (BE) mitarbeitet, die Sorgen und Nöte seiner Berufskollegen. «Eigentlich wollte ich mich Schritt für Schritt aus dem aktiven politischen und beruflichen Leben zurückziehen. Aber ich kann nicht tatenlos zuschauen, wie mit den Bauern umgesprungen wird.» Auslöser für die Gründung der IG Anbindestall war, wie Hansruedi Scheuner ausführte, der Leserbrief von Hansuli Huber, Geschäftsführer Fachbereich Schweizer Tierschutz. «Dort war zu lesen, dass Subventionen inskünftig nur noch für Laufställe ausgerichtet werden sollten. Meine Intervention beim Berner Bauernverband brachte nichts.» Deshalb sei es an der Zeit, für alle Bauern, egal ob Anbinde- oder Laufstallbesitzer, gleich lange Spiesse zu fordern.

Erst die Pferde, dann die Kühe

Ähnliche Gründe für sein Engagement machte auch Patrick Monhart geltend. «Heute sind es die Pferde, die nur noch in Boxen gehalten werden dürfen, morgen dann vermutlich die Kühe und Rinder», so der Bauer aus dem Kanton Zürich. «Es ist nicht Schweizer Art, sich von Leuten aus der Teppichetage den Weg zeigen zu lassen. Zudem, wer kann uns heute sagen, ob wir uns auf dem richtigen Weg befinden? Ist es denn richtig, wenn Hormonfleisch aus Uruguay zu Billigstpreisen in der Schweiz verschleudert wird, und im Gegenzug bei uns Bauern ihre Ställe schliessen müssen, weil irgendwo ein paar Zentimeter fehlen?»

Negative Erfahrungen beim Neubau seines Stalls für 33 Kühe hat der Wattwiler Rolf Altherr gemacht. Bei der Fragerunde erläuterte er, wie er gegen die Ansicht verschiedener Beamter kämpfen musste, dass in der heutigen Zeit kein Anbindestall mehr gebaut werden sollte. «Uns geht es darum, den täglichen Kontakt zu den Tieren, welche alle ihre Hörner behalten dürfen, zu haben und zudem ist nachgewiesen, dass ihre Klauen in einem Anbindestall wesentlich gesünder sind. Und ganz unwichtig ist auch nicht, dass ein Anbindestall rund 70 000 Franken weniger kostet als ein Laufstall.»

Rolf Altherr weiter: «Den grössten Fehler haben wir Bauern bei der Annahme des allerersten Subventionsfrankens gemacht. Seither sind wir den Beamten und den von ihren ausgearbeiteten Vorschriften ausgeliefert.»

Es entstand eine engagierte Publikums-Debatte zum Thema Anbindestall im Landgasthof Sonne in Ebnat-Kappel. (Bilder: Adi Lippuner)

Es entstand eine engagierte Publikums-Debatte zum Thema Anbindestall im Landgasthof Sonne in Ebnat-Kappel. (Bilder: Adi Lippuner)

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