«Den Gemeinderat aber verstehe ich nicht»

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Langsam wird es mir als Einwohnerin von Walzenhausen peinlich, immer wieder über die in der Zeitung kommentierten Diskussionen zwischen dem Gemeinderat Walzenhausen und dem Kanton um das geplante Asyldurchgangszentrum Sonneblick in Walzenhausen zu lesen. Zu wenig Informationen vom Kanton, scharfe Kritik vom Gemeinderat am Gesundheitsdirektor, Vermischen von Vorwürfen an den Stiftungsrat und den Kanton. Was soll die Leserschaft davon halten? Da es schon in der ganzen Schweiz Asyldurchgangszentren gibt, Walzenhausen nicht das erste ist, kommt es mir vor, man schraube ein Problem hoch, das andere Gemeinden schon lange bewältigt haben. Sicher sind Information und Kommunikation beim Thema Asyl eine delikate Sache. Aber die Tat­sache, dass Asylbewerber unter­gebracht werden müssen, wird damit nicht aus der Welt geschafft. Vorbehalte der allernächsten Anwohner kann ich nachvollziehen. Diesen will man auch Rechnung tragen mit Sicherheitskonzepten und rundem Tisch. Den Gemeinderat aber verstehe ich nicht. Er ist doch der Gemeinderat von allen Bewohnerinnen und Bewohnern, also auch von jenen, die keine Einwände kundtun. Darunter gibt es sicher auch solche, die die Situation akzeptieren. Ich erwarte vom Gemeinderat eher eine sachlich-vermittelnde Rolle, nicht scharfe Kritik an den beauftragten Behörden vom Kanton über fehlende «zeitnahe Kommunikation und sachgerechten Dialog». Walzenhauserinnen und Walzenhauser warten oft auch langmütig auf Informationen aus dem Gemeindehaus und bekommen nicht einmal schriftliche Informationsunterlagen über das Asyldurchgangszentrum, wie sie der Kanton zum Beispiel am 10. Januar 17 an die Gemeinde geschickt hat. Empfehlung an Gegner und Gemeinderat von Walzenhausen: Schaut einmal tatsächlich vom Balkon über dem Bodensee in die Weite, in die Welt, wie es da zu- und hergeht, Finanzkrise, Flüchtlinge, hungernde Kinder in Millionenhöhe, kriegerische Konflikte, Armut ... Vielleicht hilft das, eine Situation zu akzeptieren, die Veränderung bringen wird. Etwas Gelassenheit wäre gefragt, und nicht mit öffentlich eher peinlichen Aktionen im Vorfeld die Stimmung im Dorf zu polarisieren.

Ruth Tobler 9428 Walzenhausen