Den Frühling herbei gesungen

Vom Konzert der Jodlergruppe Stockberg und der Familienstriichmusig Rosenbühl aus Ebnat-Kappel am Freitagabend in der Kirche Nesslau waren 200 Besucher begeistert. Doch musste auch von einer Jodlerin Abschied genommen werden.

Franz Steiner
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Jodlerin Sonja Lieberherr-Schnyder erhält für ihren grossen Einsatz über die vielen Jahre eine Ruhebank geschenkt.

Jodlerin Sonja Lieberherr-Schnyder erhält für ihren grossen Einsatz über die vielen Jahre eine Ruhebank geschenkt.

Nesslau. Das Konzert der Jodlergruppe Stockberg und die Familienstriichmusig Rosenbühl in der Nesslauer Kirche bot einen aussergewöhnlichen Konzertgenuss. Durchs Programm führte Fränzi Roth, die sagte, man solle sich entspannt zurücklehnen, um den Melodien von Musik und Gesang zu lauschen.

Jodler-Können demonstriert

Schon der Beginn mit dem Lied «Min Baum» von Marie-Theres Aeberhard – unter der Leitung von Daniel Bietenhader – zeigte das Können der vier Jodlerinnen Sonja Lieberherr, Bernadette Amacker, Vreni Wälli und Rösli Lusti (Yolanda Scherrer war leider verhindert) und den zehn Jodlern. Da wurde die schöne Heimat besungen – «häsch alles wott muesch ha, um glücklich z werde».

Dann folgte der «Chrone-Jodel», ehe die Striichmusig mit dem Marsch «Gruss aus Trogen» ihren Teil eröffnete. Die Formation setzt sich zusammen aus Daniel (Hackbrett) und Michaela Bietenhader (Klavier) mit ihren Töchtern, der 17jährigen Tabea (Kontrabass) und der 14jährigen Sarah (erste Geige), sowie der 18jährigen Fabienne Früh (zweite Geige).

Dass Daniel Bietenhader nicht nur ein guter Dirigent der Jodlergruppe ist, sondern aus seiner Feder auch Kompositionen entstehen, wurde bei den Walzern «Dädis 70. Geburtstag» oder «Zu Muettis 60. Geburtstag» deutlich, welche er zu Vaters Siebzigstem im 2007 und Mutters Sechzigstem im 2004 schrieb. Im weiteren kamen so bekannte Komponisten wie Ueli und Jakob Alder oder Jakob Düsel zum Zuge.

Nach jeweils zwei Vorträgen wechselten sich die beiden Formationen im Chorraum ab. Bei «Min Chriesbaum» wurde der Frühling herbeigesungen. «Es goht nüme lang, so gseht me d Chriesbäum im wisse Chleid. Sie gänd üs s Gfühl vo Liebi, Glück und Harmonie.» Auch die engere Heimat kam in der Liederauswahl vor; die Jodlergruppe gab ein Müsterchen ihres Könnens mit «Im Ennetbühl» von Josef Z'graggen, oder am Ende des 90minütigen Konzertes und der Zugabe von «De Stockbergjodel».

Einer der Höhepunkte war der Naturjodel «De Büehler», bei dem eine Wiederholung herausgeklatscht wurde. Bernadette Amacker überzeugte mit ihrer genialen Solostimme.

Etwas Wehmut zum Schluss

Präsident Jürg Siegrist war es vorbehalten, in launigen Worten, aber mit Wehmut sich von Sonja Lieberherr-Schnyder zu verabschieden. Als 16-Jährige war sie 1993 eines der Gründungsmitglieder der Jodlergruppe Stockberg. Es sei für sie schon ein komisches Gefühl, dass sie künftig im Publikum sitzen werde, meinte sie. Im Lied «Obetzyt» von Hannes Furrer kam ein letztes Mal ihre warme Stimme, die der Präsident für die Abschiedsvorstellung der talentierten Jodlerin ankündigte, zur Geltung. Für ihren grossen Einsatz über die vielen Jahre bekam die in Stein aufgewachsene und heute mit ihrer Familie in Ebnat-Kappel wohnhafte abtretende Jodlerin eine Ruhebank geschenkt.