Den Boden jetzt schon abtragen

BÜTSCHWIL. Beim Bau der Umfahrung Bütschwil hat der Kanton jetzt schon Installationsflächen für spätere Bauarbeiten vorbereitet. Der Grund liegt darin, dass man den Boden nicht abtragen darf, wenn er zu feucht ist. Ein feuchter Frühling und Sommer wie im Jahr 2014 würde die Arbeiten verzögern.

Martin Knoepfel
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Die Brücke der Plattenstrasse über die künftige Umfahrung wurde als eines der ersten Bauwerke erstellt.

Die Brücke der Plattenstrasse über die künftige Umfahrung wurde als eines der ersten Bauwerke erstellt.

Menschen bekämen in diesem Alter die AHV. Erste Planungen für die Umfahrung Bütschwils gehen aufs Jahr 1951 zurück, wie man einem Faltblatt entnehmen kann, das das kantonale Tiefbauamt produziert hat. Bei der Einweihung der Umfahrung – geplant für 2020 – werden also 69 Jahre seit diesen Skizzen verstrichen sein.

Am Montag fand die Hauptversammlung der IG Umfahrungsstrasse Bütschwil und Wattwil in Bütschwil statt (siehe Zusatz). Vertreter des Tiefbauamts informierten über den aktuellen Stand der Bauarbeiten.

Als Baustellenzufahrt nutzen

Die Umfahrung wird in drei Etappen von Norden nach Süden erstellt. Die erste Etappe vom Anschluss Engi zum Soorpark ist im Bau. Die zweite erstreckt sich vom Soorpark zum Tunnel Michelau und zur Thur. Die dritte Etappe reicht zum Anschluss an die Umfahrung Lichtensteig. Die Bauzeit beträgt rund zwei Jahre pro Etappe. Die fertiggestellten Etappen dienen als Baustellenzufahrt, um die Kantonsstrasse zu entlasten.

Einige Arbeiten wurden nach den Erfahrungen des Frühlings 2014 vorgezogen. So wurden Installationsflächen, die später benötigt werden, jetzt schon angelegt. Das ist etwa beim Soorpark und in Neudietfurt der Fall. So sei man unabhängig vom Wetter, sagte Rolf Stadelmann, stellvertretender Projektleiter. Man dürfe den Boden nicht abtragen, wenn dieser zu feucht sei. Es werde ferner zwischen A- und B-Boden unterschieden, wobei das Material getrennt gelagert und dann am alten Ort wieder eingebaut werden müsse. Eine Baubegleitung kontrolliere das.

In Engi seien die Platzverhältnisse sehr eng. Man habe den Tagbautunnel entlang den Hauswänden erstellt. Das und der laufende Verkehr hätten die Anwohner enorm belastet. Dennoch habe es eine einzige Beschwerde gegeben, sagte Rolf Stadelmann. Er erwartet allerdings, dass für den Bau des Tunnels Bahnhof wie beim Tunnel Engi Sprengungen nötig sind. Der Nagelfluhfels sei sehr hart und reiche tief hinab, nannte er als Grund. Die Vibrationen gingen ungedämpft bis in die Häuser, räumte er ein.

Brückenbau im Plan

Die Brücke Dorfbach dürfte im November fertiggestellt sein. Die Überführung Plattenstrasse habe man als eine der ersten Kunstbauten erstellt, da es einfacher sei, auf der grünen Wiese eine Brücke zu bauen, als zuerst einen Einschnitt auszubaggern und dann die Brücke zu erstellen.

Eine Herausforderung sei der Tunnel Bahnhof, dies wegen der kleinen Überdeckung, sagte Rolf Stadelmann. Das Johannisbächlein werde in einem Düker, ähnlich einem Siphon, unter dem Tunnel hindurchgeführt.

Gegenüber der früheren Planung wurden noch Änderungen vorgenommen. So wird der Tunnel Michelau bergmännisch statt im Tagbau erstellt. Er wird deshalb kein kasten-, sondern ein hufeisenförmiges Profil erhalten. Sonst müsste man 60 000 bis 70 000 Kubikmeter Material bewegen, sagte Rolf Stadelmann.

Die Thurbrücke sei statisch heikel, da sie 85 Meter lang sein werde. Sie werde zudem in der Kurve verlaufen und ohne Pfeiler im Fluss auskommen müssen. 800 Meter der Umfahrung verliefen durch ein Gebiet, das im Bundesinventar Land- und Naturschutz figuriere.

Zwei Scheunen abbrechen

In Neudietfurt müssten für den Bau der Umfahrung zwei Scheunen abgebrochen werden, sagte Projektleiter Rolf Stadelmann auf eine Frage aus dem Publikum. Der Abbruch anderer Häuser sei nicht auf den Strassenbau zurückzuführen. Zudem habe man angefangen, Werkleitungen in Neudietfurt umzulegen.

Die Arbeiten an der Umfahrung seien bisher im Terminplan, sagte Rolf Stadelmann. Als Baukosten wurden die bekannten 200,4 Millionen Franken genannt. 16 Millionen seien für die Ingenieurhonorare vorgesehen. Das sei sehr wenig, sagte Rolf Stadelmann. Die Hälfte der Baukosten machten die Kunstbauten aus.

Der Tagbautunnel in Neudietfurt sei anspruchsvoll, sagte Rolf Stadelmann. Der Grund sei, dass man alle Verkehrsbeziehungen beim Knoten in Neudietfurt aufrechterhalten müsse. Da der Tunnel unter der heutigen Kantonsstrasse liegen wird, gibt es eine provisorische Umfahrung auf der Bergseite der Fabrik. Nach dem Bau des Tunnels wird die Durchgangsstrasse wieder am heutigen Ort verlaufen.

Sorgen wegen alter Deponie

Offenbar bereitet eine alte Deponie in Neudietfurt Rolf Stadelmann Sorgen. An einigen Stellen liege nur Bauschutt, andere sähen unschön aus, sagte er. Unklar ist offenbar, ob auf dem Trassee der Strasse die Ruinen einer Burg im Erdreich ruhen. Geplant ist schliesslich, auf der ganzen Länge der Umfahrung ein Überholverbot anzuordnen, mit einem «singenden» Mittelstreifen, wie er auf der Umfahrung Lichtensteig existiert.

Vizeprojektleiter Rolf Stadelmann, Projektleiter Ruedi Vögeli sowie die Gemeindepräsidenten Karl Brändle (Bütschwil-Ganterschwil) und Alois Gunzenreiner (Wattwil, von links) bewundern die Infotafel. (Bilder: Martin Knoepfel)

Vizeprojektleiter Rolf Stadelmann, Projektleiter Ruedi Vögeli sowie die Gemeindepräsidenten Karl Brändle (Bütschwil-Ganterschwil) und Alois Gunzenreiner (Wattwil, von links) bewundern die Infotafel. (Bilder: Martin Knoepfel)

Rolf Stadelmann Stellvertretender Projektleiter Umfahrung Bütschwil

Rolf Stadelmann Stellvertretender Projektleiter Umfahrung Bütschwil