Ein Bildband zeigt das Appenzellerland aus einem neuen Blickwinkel

Roland Gerth und Stefan Sonderegger wollen mit ihrem kürzlich erschienenen Buch das Verbindende der beiden Nachbarkantone hervorheben.

Alessia Pagani
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Saharastaub lässt den Himmel über der Schwarzenegg bei Heiden rot leuchten.

Saharastaub lässt den Himmel über der Schwarzenegg bei Heiden rot leuchten.

Roland Gerth

Es gibt viele vorgefasste Meinungen über die Appenzeller. So gelten die Innerrhoder eher als verschlossen und eigenbrötlerisch, jene im reformierten Ausserrhoden als weltoffen. Innerrhoden legt Wert auf die Wahrung seiner Identität und lebt das Brauchtum. Ausserrhoden öffnet sich, will weltmännisch sein. So weit, so gut – doch stimmen diese Vorurteile auch? Nein, sagt der Heidler Stefan Sonderegger.

«Die vielen Klischees vernebeln nur die Tatsachen. Die beiden Appenzell haben mehr Gemeinsames als Getrenntes.»

Der Historiker und Stadtarchivar der Ortsbürgergemeinde St.Gallen hat für den kürzlich erschienenen Bildband «Faszinierendes Appenzellerland» die Begleittexte geschrieben, die Bilder stammen vom freischaffenden Fotografen Roland Gerth aus Thal. Gerth hat sich der Landschaftsfotografie verschrieben und bereits mehrere Bildbände über die Schweiz und die verschiedensten Regionen Europas veröffentlicht. Kürzlich erschien das Werk «Faszinierendes Graubünden», das jetzige ist das zweite in der Serie.

Alpstein als Bindeglied

Das neuste Buch soll nicht zuletzt eben dieses Gemeinsame, das Verbindende ins Zentrum rücken. Dies zeigt auch die Anordnung der Kapitel: Zuerst kommt jenes über Innerrhoden, dann der Alpstein und schliesslich jenes über Ausserrhoden. «Der Alpstein verbindet nicht nur die beiden Appenzell miteinander, sondern hat auch einen grossen symbolischen Charakter für die ganze Region. Er ist unser gemeinsamer Schatz», erklärt Sonderegger. Was erstaunlich sei und immer wieder verdrängt werde: Der Alpstein liegt zu 63 Prozent auf St.Galler Boden und zu 34 Prozent auf Innerrhoder Boden. Lediglich drei Prozent des Gebirgszugs gehört den Ausserrhodern. Als Historiker weiss Stefan Sonderegger nur zu gut über all die Abhängigkeiten zwischen den drei Kantonen und kennt deren gemeinsame geschichtliche Vergangenheit. «Wir fahren alle besser, wenn wir uns als Ganzes, als eine Region verstehen, wenn wir die Unterschiede zwar pflegen, aber uns nicht gegeneinander abschotten, sondern zusammenarbeiten.»

Gegebenes auf neue Art zeigen

Roland Gerth arbeitet gerne mit Stimmungen, übernachtet für die perfekte Aufnahme auch mal im Alpstein oder schlägt sein Zelt anderswo auf. Gerne und oft nutzt er die Abend- und Morgenstunden für seine Leidenschaft. Altbewährtes in neues Licht rücken, das ist Gerths Anliegen.

«Die Punkte, das Drumherum ist gegeben. Ich möchte das auf eine neue Art zeigen, die Motive aus anderen Blickwinkeln darstellen.»

Die farbenfrohen und ausdrucksstarken Fotografien bilden aber nicht nur den Alpstein mit seinen vielen und teils markanten Gipfeln ab, sondern nehmen auch das Brauchtum und die Tradition auf. Sie zeigen Silvesterchläuse, Sennen, Alpen, Dorfplätze, Bachläufe oder die Streusiedlungen – immer begleitet von interessanten Hintergrundinformationen von Sonderegger. «Die Bilder in einen historischen Kontext zu stellen, war denn auch die Bedingung, dass ich am Buch mitarbeite», so Sonderegger, der die Texte innert vier Wochen geschrieben hat. Zu Beginn hatte er sich gesträubt. Braucht es denn wirklich noch ein Buch über das Appenzellerland, hat auch er sich gefragt – bis er Gerths Bilder sah. «Wir denken gar nicht mehr so oft über unsere Region und deren Schätze nach. Der aussenstehende Blick eines auswärtigen Fotografen hat auch meine Augen wieder geöffnet für die Schönheit des Appenzellerlandes und für die vielen Gemeinsamkeiten. Auswärtige sehen den Alpstein und das Appenzellerland noch als etwas Besonderes an», so Sonderegger.

Stadtarchivar Stefan Sonderegger.

Stadtarchivar Stefan Sonderegger.

Bild: Benjamin Manser
Fotograf Roland Gerth.

Fotograf Roland Gerth.

Bild: APZ

Faszinierendes Appenzellerland, 180 Seiten, Roland Gerth und Stefan Sonderegger, AS Verlag