«Den Bau-Cowboys preisgegeben»

LESERBRIEF

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Wegen des immer mehr um sich greifenden Trends, ortsfremde Bauten – die ebenso gut irgendwo in einem Vorort von Zürich oder von Darmstadt stehen könnten – in unseren Dörfern zu errichten, stellte ich vor etwa einem Jahr in einem Leserbrief die Frage, ob das typische Appenzeller Dorf noch eine Zukunft habe, noch zu retten sei.

Dass eine so konstant negative Antwort von Seiten unserer Behörden kommen würde, hätte ich in meinen schlimmsten Ahnungen nicht erwartet. Doch ja, wie so oft haben unsere Politiker, wenn sie mit einem etwas schwierigen Problem konfrontiert sind, die für sie einfachste Lösung gewählt: Sie haben die vorhandenen problematischen Vorschriften und Regeln einfach wegrevidiert – und Simsalabim!, das Problem ist eliminiert.

Genau gesagt, wenn auch etwas auf die Spitze getrieben: Unsere Dörfer sind in Zukunft sozusagen mit dem Segen unserer Behörden jedem beliebigen Bau-Cowboy preisgegeben.

Denn, verehrte Leser, machen Sie sich nur keine Illusionen. All die schönen Versicherungen, dass die schönen Dorfkerne und bewahrungswürdigen Bauten erhalten werden sollen, dass wesentlich sichtbare Veränderungen in früher geschützten Ortsbildern nur nach und mit fachlicher Beratung gestattet werden, sind viel zu unbestimmt formuliert und somit gegenüber den revidierten Paragraphen vollkommen wertlos.

Können Sie mir zum Beispiel sagen, was eine «wesentlich sichtbare Veränderung des Ortsbildes» ist, und wo die Grenze zwischen «unwesentlich» und «wesentlich» geht? Nein? Ich auch nicht. Und unsere Behörden wahrscheinlich auch nicht.

Dass das Prinzip «Ortsbildschutzzone» in vielen Dörfern gar nicht oder nur schlecht funktioniert hat, ist noch lange kein Grund, es einfach aus dem Fenster hinauszuwerfen. Man hätte es auch umarbeiten können, um es an moderne Bedürfnisse anzupassen. Oder ist die Kompetenz nicht vorhanden, daraus einen Wachstumsfaktor zu machen?

Es ist traurig, feststellen zu müssen, dass wenn anderswo das bauliche, kulturelle oder historische Erbgut geschätzt und oft mit grossem Aufwand geschützt wird, es in Appenzell Ausserrhoden als «Hemmschuh» (Norbert Näf, CVP, Heiden) betrachtet und eliminiert wird.

Man ist versucht, den bekannten Spruch «Wenn ich das Wort Kultur höre, ziehe ich meine Pistole» zu zitieren. Mit dem Unterschied, dass in Appenzell Ausserrhoden dann die Bagger eingesetzt werden.

Lorenz Tanner, Urnäscherstr. 20, 9104 Waldstatt

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