«Den Ärzten unter die Arme greifen»: Appenzell hat am 1. Dezember wieder eine Apotheke

Im Kanton Appenzell Innerrhoden gibt es bald wieder eine Apotheke: Nachdem die letzte vor bald zwei Jahren aus der Hauptgasse weggezogen ist, öffnet am 1. Dezember die Rot-Tor-Apotheke an der Marktgasse ihre Türen. Für die 33-jährige Geschäftsführerin geht ein Traum in Erfüllung.

Claudio Weder
Drucken
Teilen
Das Haus Rot-Tor an der Marktgasse 6 in Appenzell wurde bis anhin für verschiedene Zwischennutzungen gemietet. Nun zieht im Erdgeschoss eine Apotheke ein.

Das Haus Rot-Tor an der Marktgasse 6 in Appenzell wurde bis anhin für verschiedene Zwischennutzungen gemietet. Nun zieht im Erdgeschoss eine Apotheke ein.

Bild: Claudio Weder

Seit bald zwei Jahren gibt es in Innerrhoden keine einzige Apotheke mehr. Wer rezeptpflichtige Medikamente oder andere Arzneimittel besorgen wollte, musste dies bis anhin in Teufen oder Herisau tun. Bald können die Innerrhoderinnen und Innerrhoder ihre Medikamente jedoch wieder im eigenen Kanton beziehen: Am 1. Dezember wird im Erdgeschoss des ehemaligen Kaufhauses an der Marktgasse 6 in Appenzell die Rot-Tor-Apotheke eröffnet.

Flurina Dobler, Geschäftsführerin Rot-Tor-Apotheke

Flurina Dobler, Geschäftsführerin Rot-Tor-Apotheke

Bild: PD

Für Geschäftsführerin Flurina Dobler geht ein Traum in Erfüllung. «Ich wollte mich schon immer selbstständig machen», sagt die 33-Jährige, die im Toggenburg wohnt und während acht Jahren als Apothekerin bei der Apotheke zur Eiche in Herisau arbeitete. Nachdem mit dem Wegzug der Wild-Apotheke im Februar 2019 die letzte Apotheke aus Innerrhoden verschwunden war, sei ihr Plan immer konkreter geworden, erzählt Dobler.

«Ich musste diese Chance nun einfach ergreifen.»

Immer mehr Kundschaft aus Innerrhoden

«Jeder Kanton braucht eine eigene Apotheke», ist Dobler überzeugt. Die Nachfrage sei da: «In den vergangenen zwei Jahren hatten wir in Herisau immer mehr Kundinnen und Kunden aus Innerrhoden. Diese kamen meist mit Austrittsrezepten von Spitälern zu uns oder interessierten sich für Spezialherstellungen, welche nur in Apotheken erhältlich sind.» Mit der neuen Rot-Tor-Apotheke soll für die Innerrhoder Bevölkerung nun wieder ein Angebot vor Ort geschaffen werden.

Dies ist aber nicht der einzige Grund, warum sich Flurina Dobler ausgerechnet in Appenzell selbstständig machen will: «Ich bin im Thurgau aufgewachsen, doch mein Heimatort ist Oberegg. Mit Innerrhoden fühlte ich mich schon immer stark verbunden.» Bereits nach ihrem Studium habe sie in Innerrhoden arbeiten wollen. «Leider hat sich das damals noch nicht ergeben.»

Heilpflanzen und Hausspezialitäten

Mit ihrer neuen Apotheke will sich Flurina Dobler auf Phytotherapeutika (pflanzliche Arzneimittel) spezialisieren. Daneben führt sie das klassische schulmedizinische Sortiment und bietet spezielle Hausmischungen an. Dobler ist überzeugt, dass sie mit ihrem Angebot einen wichtigen Beitrag im Innerrhoder Gesundheitswesen leisten kann – ohne dabei die bestehenden zwei Drogerien im Dorf zu konkurrenzieren.

«Mit Dienstleistungen wie etwa Impfungen können wir als Medizinalpersonen den Ärzten unter die Arme greifen und so das Gesundheitssystem entlasten.»

Nicht zuletzt gehe es ihr auch darum, einen Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Pandemie zu leisten: «Wir können den Patientinnen und Patienten Medikamente rund um die Uhr kostenlos nach Hause liefern», sagt Dobler. Dies sei gerade in Innerrhoden, wo es viele Streusiedlungen gibt, ein Vorteil – insbesondere für den älteren, nicht-mobilen Teil der Bevölkerung.

«Sinnvolle Ergänzung des Angebots»

Monika Rüegg Bless, Gesundheitsdirektorin Appenzell Innerrhoden.

Monika Rüegg Bless, Gesundheitsdirektorin Appenzell Innerrhoden.

Bild: PD

Beim Kanton stösst das Vorhaben von Flurina Dobler auf Sympathie. Gesundheitsdirektorin Monika Rüegg Bless freut sich, bald wieder eine Apotheke im Dorf zu haben, auch wenn mit den zwei etablierten Drogerien und Hausarztpraxen die Bevölkerung bereits gut mit Medikamenten und Gesundheitsprodukten versorgt sei. Rüegg Bless sagt:

«Wir haben keine Unterversorgung in Innerrhoden.»

Trotzdem könne mit einer neuen Apotheke das bestehende Angebot sinnvoll ergänzt und das Innerrhoder Gesundheitswesen letztlich gestärkt werden.