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Demütige Appenzeller

Brosmete
Simon Roth

Unsere Nachbarn sind stolze Menschen. Die Thurgauer loben ihren Kanton in ihrer inoffiziellen Hymne in höchsten Tönen: «Oh Thurgau Du Heimat, wie bist du so schön!», heisst es da. Auch die St. Galler, die uns umzingeln, haben ihr Lied: «Bont gschägget isch sis Chleid, wieds niene fendscht of dere Welt so loschtig zämegnait. Jo üsers lieb Sant Gallerland.» Das macht Eindruck.

Keine Frage, unsere umliegenden Landsmannen und -frauen der Ostschweiz lieben ihre Heimat. Aus ihren Lobliedern ist herauszuhören, dass es für sie keinen anderen Ort auf der Welt gäbe, an dem sie ihr Leben lieber verbrächten. Immerhin: Die St. Galler erwähnen in ihrer Hymne auch unsere beiden Halbkantone, wenn sie singen: «D Sant Galler ghööred zo de Schwiz, wie d Appezeller au.» Das beruhigt. Und schmeichelt irgendwie.

Der Blick über die Grenzen lässt einen als Appenzeller stutzen. Dort Lobhudelei («O Thurgau, wie liebe, wie schätze ich dich»). Hier tiefste Demut (Ode an Gott) – das Appenzeller Landsgemeindelied. Die Thurgauer können sich der Liebesbekundungen kaum zügeln, die St. Galler gehen es moderater an. «Freudig, aber nicht zu schnell soll gesungen werden», heisst es oben am Notenblatt des St. Gallerlieds.

Zum Glück gibt’s die fidelen Mölltaler. Unsere östlichen Nachbarn aus Österreich besingen das Appenzellerland in einem Lied: «Ich kenn ein schönes Land, gemacht von Gottes Hand, da gibt es kein Vergleich, im schönen Alpenreich.» Wow! So viel Lob hätte man von jemandem, der knapp 400 Kilometer von uns entfernt lebt, nicht erwartet.

Vielleicht ist es unsere bodenständige Art, die es uns verbietet, solche Zeilen zu schreiben. Vielleicht haben unsere Nachbarn auch nur das Bedürfnis, mit den Lobhymnen ihre Unsicherheit zu kompensieren. Sicher ist, dass wir Appenzeller es nicht nötig haben, uns mit profanen Gesängen selbst zu beweihräuchern. Die Bestätigung, wie schön es bei uns ist, brauchen wir uns nicht mit Liedern in Erinnerung zu rufen. Wir erfahren sie jeden Tag.

Simon Roth

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