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Von der Stadt aufs Land: Jugendliche organisieren Klimademonstration in Teufen

Weil Klimawandel auch die Landwirtschaft betrifft, demonstrieren Jugendliche am Samstag erstmals in Ausserrhoden. Die Klimagruppe AR organisiert eine Kundgebung in Teufen.
Claudio Weder
Jugendliche haben bereits in mehreren Ostschweizer Städten Klimademonstrationen organisiert. (Bild: Andrea Stalder, Frauenfeld, 6. April 2019)

Jugendliche haben bereits in mehreren Ostschweizer Städten Klimademonstrationen organisiert. (Bild: Andrea Stalder, Frauenfeld, 6. April 2019)

Während der Sommerferien war es still um die Klimajugend. Doch bereits jetzt ruft das Kollektiv «Klimastreik Schweiz» wieder zu nationalen Aktivitäten zu Gunsten des Klimaschutzes auf. Mit einem Unterschied: Diesmal soll nicht in Zürich, Basel, Bern oder St.Gallen demonstriert werden – sondern auf dem Land. Auch im Kanton Appenzell Ausserrhoden gehen die Jugendlichen auf die Strasse: In Teufen findet am Samstag um 15 Uhr die allererste Klimademonstration des Kantons statt. Organisiert wurde diese von der Klimagruppe AR.

Mit der Klimademo in Teufen folgen die Ausserrhoder Klimajugendlichen dem nationalen Streikkollektiv, das die lokalen Gruppen dazu aufgerufen hatte, Klimademos auf dem Land zu organisieren. Auf deren Website heisst es:

«Die Klimakrise kennt keine Stadt-Land-Grenzen.»

Schweizweit kommt es am Samstag an rund 30 Orten zu Klimademos, in der Ostschweiz etwa auch in Wattwil und Degersheim. In Teufen an vorderster Front dabei sein wird Dominic Tobler aus Gais. Der 17-Jährige gehört zu den Gründungsmitgliedern der Klimagruppe AR und besucht derzeit das letzte Schuljahr an der Kantonsschule Trogen.

Er glaubt zu wissen, warum sich die Klimastreiks in der Vergangenheit vor allem auf die städtischen Zentren beschränkt hatten. «Klimademos in der Stadt haben den Vorteil, dass man als Teilnehmer in der Masse verschwindet», sagt er. An einer Landdemo hingegen sei man aufgrund des familiären Charakters weniger anonym.

«Die Hemmschwelle, an einer Demonstration teilzunehmen, ist auf dem Land folglich grösser als in der Stadt.»

«Landwirtschaft spürt Klimawandel als Erstes»

Gerade in den ländlichen Regionen seien Demonstration zu Gunsten des Klimas wichtig, so Tobler weiter. «Zum einen wird ein grosser Teil der Treibhausgas-Emissionen von der Landwirtschaft verursacht.» Zum anderen sei die Landwirtschaft aber auch derjenige Bereich, der die negativen Folgen des veränderten Klimas als Erstes zu spüren bekomme. «Schon jetzt bekommen wir deren Auswirkungen in der Landwirtschaft im Ansatz zu spüren – durch Ernteausfälle, Hitzetote oder Biodiversitätsverluste», sagt Tobler.

Die CO2-Emissionen bis 2030 auf netto null reduzieren, lautet das übergeordnete Ziel der Klimabewegung. Um dies zu erreichen, fordert die Klimagruppe AR insbesondere auch vom Kanton, dass er Massnahmen zu Gunsten des Klimas ergreift – und zwar hier und jetzt. «Dies könnte zum Beispiel im Rahmen der laufenden Totalrevision der Kantonsverfassung geschehen», so Tobler.

Die erste Ausserrhoder Klimademo startet am Samstag um 15 Uhr mit einer Kundgebung auf dem Hechtplatz in Teufen. Im Anschluss erfolgt ein gemeinsamer Demonstrationszug durch das Dorf. Danach besteht für die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich bei Kaffee und Kuchen an diversen Ständen zum Thema Klimapolitik und Klimawandel zu informieren. Ziel der Organisatoren ist es, möglichst viele Ausserrhoder in Teufen zusammenzubringen. Die geografische Lage Teufens sei dazu ideal: «Das Dorf liegt zentral und ist von überall gut erreichbar.» Wie viel Personen am Samstag auf dem Hechtplatz zu erwarten seien, sei schwierig einzuschätzen, sagt Tobler.

«Wir würden uns über 80–120 Teilnehmende freuen.»

Um die Hemmschwelle möglichst gering zu halten, spricht die Klimagruppe sämtliche Alters- und Bevölkerungsgruppen an: «Gross und Klein, Alt und Jung, Schülerin und Arbeiter, Kindergärtnerin und Grossvater, von Walzenhausen bis Urnäsch und natürlich auch darüber hinaus: Wir laden alle Einwohner ein, ihre Sorgen und Forderungen mit uns zusammen kundzutun», schreibt die Klimagruppe AR. Dem komme auch der Umstand entgegen, dass die Klimademo am Samstag, und nicht wie üblich an einem Freitag, stattfindet. Laut Tobler hat sich dies in St.Gallen bewährt: «Wenn wir am Samstag demonstrieren, können wir weitere Zielgruppen ansprechen – etwa Berufstätige oder Schülerinnen und Schüler, die Angst vor einer unentschuldigten Absenz haben.»

Die Werbetrommel kräftig gerührt

Im Vorfeld der Klimademo musste einiges geschehen. Werbung machte die Klimagruppe nicht nur über Whatsapp – dem Standard-Mobilisierungsinstrument der Klimabewegung – sondern auch via Plakate und Flyer. In Herisau und Speicher waren einige Mitglieder der Klimagruppe als Eisbären verkleidet unterwegs, um auf den Strassen die Werbetrommel zu rühren.

Auch Bewilligungen der Kantonspolizei sowie der Gemeinde Teufen mussten eingeholt werden. «Weil es die erste Demonstration in Ausserrhoden ist, dachten wir, das könnte kompliziert werden», sagt Tobler. Das sei es aber nicht gewesen: «Die Gemeinde hat sofort Ja gesagt.» Eine grössere Herausforderung sei – aufgrund des hügeligen Geländes des Dorfes Teufen – die Routenfindung gewesen.

Die Klimajugend erwacht

Die Klimademo in Teufen ist die erste Kundgebung, welche die Klimagruppe AR organisiert, dennoch hat das 32-köpfige Kollektiv schon verschiedene Aktionen zum Thema Klimaschutz durchgeführt. Die Gruppe wurde Anfang Jahr gegründet. Sie besteht primär aus Schülerinnen und Schülern der Kantonsschule Trogen, aber auch aus Studenten. Die Klimagruppe Trogen hat sich zum Ziel gesetzt, mit gewaltfreien Aktionen für Klimafragen zu sensibilisieren. Darunter fallen etwa Podiumsdiskussionen oder Infoveranstaltungen. An der Schule kämpfte die Klimagruppe AR bereits mit einer Kampagne aktiv gegen «FoodWaste» an der Mensa. In Zukunft soll aus der Gruppe ein Verein werden.

Das Innerrhoder Kollektiv ist an der heutigen Demonstration nicht dabei. Es organisiert im September eine eigene Klimademo in Appenzell.

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