Demenz führt zu finanzieller Not

TEUFEN. Am 3. Gemeindetag in Teufen ging es um Demenz und die damit verbundenen Herausforderungen. Auch die Rolle von Palliative Care war ein Thema. Für Angehörige ein grosses Problem sind die materiellen Folgen der Krankheit.

Jesko Calderara
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David Kradolfer, Rosemary Högger und Toni Lehner sprachen mit Moderator Hanspeter Spörri über ihre Erfahrungen als Angehörige eines demenzkranken Menschen. (Bild: cal)

David Kradolfer, Rosemary Högger und Toni Lehner sprachen mit Moderator Hanspeter Spörri über ihre Erfahrungen als Angehörige eines demenzkranken Menschen. (Bild: cal)

Zurzeit leben in der Schweiz ungefähr 116 000 Menschen mit einer Demenzerkrankung. Palliative Care und Demenz waren am Samstag die Schwerpunktthemen des 3. Gemeindetags im Zeughaus Teufen. Dazu eingeladen hatte das Forum Palliative Care. Es ging vor allem um die Frage, wie Betroffene und Angehörige begleitet werden können und wo noch Handlungsbedarf auf dem Weg zur demenzfreundlichen Gemeinde besteht. In seinem Grusswort ging Landammann und Gesundheitsdirektor Matthias Weishaupt auf die Situation in Ausserrhoden ein. «Im Bereich Palliative Care gibt es in Teufen, dem Vorderland und Herisau drei Leuchtturmprojekte.» Es müsse aber das Ziel sein, die Versorgung in allen Gemeinden dereinst auf diesem Niveau anbieten zu können.

Über 800 Demenzkranke in AR

Was Demenz für das nahe Umfeld eines betroffenen Menschen bedeutet, erzählten drei Angehörige im Gespräch mit Moderator Hanspeter Spörri. So gründete David Kradolfer nach dem Tod seines Vaters eine Angehörigengruppe von jüngeren Demenzkranken. Die Beziehung zu seinem Vater sei durch die Krankheit intensiver geworden, sagte Kradolfer. «Gleichzeitig gab es auch schwierige Momente, in denen er aggressiv wurde.» Rosemary Högger schilderte, wie Demenz eine Familie in finanzielle Not bringt. Die 60-Jährige muss sich eine Arbeitsstelle suchen, um die Heimkosten zu finanzieren, die trotz Beiträgen der Sozialversicherungen übrig bleiben. Toni Lehner wiederum wies darauf hin, welche physische Belastung für ihn die Pflege seiner Frau war.

Birgitta Martensson, Geschäftsleiterin der Schweizerischen Alzheimervereinigung, nannte in ihrem Referat einige Zahlen und Schätzungen zu Appenzell Ausserrhoden. Demnach gab es 2009 ungefähr 870 Demenzkranke. Rechne man die Familienangehörigen dazu, seien um die 2500 Menschen im Kanton von Demenz betroffen, sagte Martensson. Sie bezifferte die Kosten der Krankheit auf 46 Millionen Franken. Darin eingerechnet ist der unentgeltlich geleistete Pflegeaufwand. In Zukunft werde es nicht zuletzt aus demographischen Gründen weniger Angehörige geben, die dazu bereit seien, sagte Martensson. In den Altersheimen sei Demenz aber heute schon Realität. «Um die 60 Prozent der Bewohner von Alters- und Pflegeheimen sind davon betroffen.»

Fehlendes Entlastungsangebot

Karin Kaspers-Elekes, Präsidentin des Vereins palliative ostschweiz, ging auf die Bedeutung der Palliative Care ein. Deren Ziel sei der Erhalt oder die Verbesserung der individuell empfundenen Lebensqualität. «Freiwilligendienste sind ein Herzstück des Konzepts.» Palliative Care sei nicht nur für Krebspatienten hilfreich und sollte bereits lange vor dem Sterbeprozess in Anspruch genommen werden. «Dadurch können betreuende Bezugspersonen entlastet werden.» Kaspers-Elekes forderte die Anwesenden eindringlich dazu auf, das Verständnis von Palliative Care in der Öffentlichkeit zu schärfen.

Zum Schluss der Veranstaltung beantworten regionale Fachleute Fragen aus dem Publikum. Dabei wurde bemängelt, dass in Teufen eine Entlastungsangebot fehlt. Entsprechende Ideen scheiterten an der fehlenden Finanzierung, sagte Roman John, Geschäftsleiter der Spitex Rotbachtal. Jacqueline Gavrani von der Informations- und Beratungsstelle für Altersfragen in Teufen empfahl, sich möglichst frühzeitig beraten zu lassen. Gemeindepräsident Walter Grob zeigte in seinen Ausführungen die bisherigen Anstrengungen für Demenzkranke in der Gemeinde auf, vor allem im Zusammenhang mit dem Neubau des Hauses Unteres Gremm.