Delikate Kammermusik mit Esprit

Der prominente New Yorker Bratschist Paul Neubauer konzertiert mit dem Schweizer Klaviertrio in der Kunsthalle Ziegelhütte. Das Konzert ist Teil des 10-Jahr-Jubiläums der «Appenzeller Konzerte». Gespielt werden Stücke des Brahms-Bewunderers Hans Huber und von Johannes Brahms selbst.

Ferdinand Ortner
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APPENZELL. Ein Genuss für Freunde der klassischen Kammermusik war im Rahmen des 10-Jahr-Jubiläums der «Appenzeller Konzerte» in der Kunsthalle Ziegelhütte der Auftritt des Schweizer Klaviertrios mit dem renommierten amerikanischen Bratschisten Paul Neubauer, der weltweit sowohl als Solist wie auch als Kammermusiker gefragt ist. Unter dem Motto «Der Schweizer Brahms und sein Vorbild» wurde ein hochinteressantes Programm mit spezieller Note geboten.

Der Schweizer Brahms

So erlebte das beifallfreudige Publikum nach dem Konzertauftakt durch ein reizendes Mozart-Klaviertrio die Präsentation und Gegenüberstellung des jeweils ersten Klavierquartetts von Johannes Brahms (1833 bis 1897) und des Schweizer Komponisten und begeisterten Brahms-Bewunderers Hans Huber (1852 bis 1921). Dieser war um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert im Schweizer Musikleben – vor allem in Basel – eine bedeutende Persönlichkeit, wurde als «Schweizer Brahms» bezeichnet und war auch ein glühender Patriot.

Exzellentes Ensemble

Das Schweizer Klaviertrio präsentierte sich sowohl in der Originalbesetzung wie auch im Quartett mit dem Bratschisten Paul Neubauer in blendender Verfassung. Die ungemein engagiert musizierenden Künstler bestachen durch brillante Spielkultur, optimale Klangsinnlichkeit und fesselnde musikalische Ausstrahlung. Bewundernswert, wie sich der amerikanische Bratschist einbrachte und musikalische Akzente setzte, die das facettenreiche Zusammenspiel befruchteten.

Der hervorragende Pianist Martin Lucas Staub führte als «Spiritus rector» das feinsinnige Ensemble in gewohnt souveräner Manier und korrespondierte mit den kongenialen Trio-Partnern, der Violinistin Angela Golubeva und dem Cellisten Sébastien Singer, optimal.

Reizvolle Kammermusik

Für eine charmante Einstimmung in den Konzertabend sorgte die brillante Wiedergabe des Mozart-Klaviertrios Nr. 6 in C-Dur mit dem melodiösen Kopfsatz, dem abgeklärten und in sich ruhenden «Andante» als ausdrucksstarkem Ruhepunkt und dem kecken «Rondo»-Finale.

Einen starken Eindruck hinterliess die ambitionierte Aufführung des einfallsreichen Klavierquartetts Nr. 1 in B-Dur von Hans Huber.

Musikalisches Highlight

Highlight des Konzertes war das Klavierquartett in g-Moll von Brahms. Hier ging das Ensemble noch einmal ganz aus sich heraus und wurde dem hohen künstlerischen Anspruch – der vielschichtigen Thematik mit satztechnischen Kühnheiten, der leidenschaftlichen Dramatik und den abrupten Stimmungswechseln – durchaus gerecht. Sehr lebendig und spannungsvoll gestaltet war die fieberhaft finstere Erregung im breit angelegten, themenreichen Kopfsatz mit dem «Intermezzo» als piano vorüberhuschendes Nachtstück.

Im «Andante» beeindruckte die leidenschaftliche Melodik mit dem strahlend hellen C-Dur-Mittelteil, wo sich die expressiven Spannungen auflösten. Mitreissend gelang das furiose «Presto» im virtuosen und rasanten «Rondo alla Zingarese»-Finale mit seiner prägnanten Rhythmik und Melancholie.

Stürmischer Beifall war nach Abschluss des Konzerts ein verdienter Lohn für ein musikalisches Feuerwerk.