Dein Freund und Helfer

Letzthin war ich an eine Hochzeit in der Innerschweiz eingeladen. Vollgepackt mit guter Laune und einer musikalischen Überraschung im Gepäck nahmen wir die Räder unter die Füsse und gaben Gas.

Emanuel Steiner
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Bild: Emanuel Steiner

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Letzthin war ich an eine Hochzeit in der Innerschweiz eingeladen. Vollgepackt mit guter Laune und einer musikalischen Überraschung im Gepäck nahmen wir die Räder unter die Füsse und gaben Gas. Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung, und der Verkehr an diesem Samstag hielt sich in Grenzen, was aber nicht heisst, dass es eine unbeschwerte Fahrt werden sollte. Auf Nadeln sitzend, scannten wir pausenlos die Strassenseiten. Zu gross war das Risiko, von der Paparazzi-Abteilung der Polizei erwischt zu werden. Wir zählten auf der Strecke fünf Blitzkästen, vier davon auf der Autobahn. Wie ein Wolf im Bündnerland rochen wir den Pfeffer frühzeitig und entgingen den Fotofallen. Zwischen den Zurufen der Tempolimiten schoss mir der Gedanke durch den Kopf, was wohl passieren würde, wenn sich urplötzlich alle Verkehrsteilnehmer an die Regeln halten würden. Welche Auswirkungen hätte ein solcher Aufruf auf Facebook und in der Ländler-Zeitung? Bitte, liebe Mitbürger und Mitbürgerinnen, haltet euch ab sofort und bis auf weiteres strikt an alle Verkehrsregeln! Die Polizei wäre im Huiom zahlungsunfähig und müsste Konkurs anmelden. Die Kantone müssten das Loch in der Kasse mit den Steuereinnahmen stopfen. Die Einnahmen aus dem «Bussenverkauf» würden somit auf alle verteilt. Wegen eines unumgänglichen Stellenabbaus bei der Polizei könnte der Betrieb nach einem halben Jahr nicht mehr hochgefahren werden. Was dann? Dafür hätte ich eine Lösung: Alle Fahrzeuglenker, die seit drei Jahren (vor Facebook-Aufruf) ohne Verkehrsregelverletzung positiv aufgefallen sind, bekämen eine Neugestaltung ihres Vehikels. Das Päckli wäre eine weisse Lackierung mit orangem Balken, zwei blaue Drehlichter und eine Handvoll Molankegel, besser bekannt als Hütchen. Zurufe während der Fahrt wie «Gort di a, do vorne chont d Schmier» oder «Fahr langsämer, dei chont än Streifewage» oder «Henks Telefon ab, dei blochet d Rennleitig», wären an der Tagesordnung. Diese gewaltige Präsenz wäre sicherlich noch aufsehenerregender als unser musikalisches Intermezzo mit Tatütata am Apéro.

Bild: Emanuel Steiner

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