DEGERSHEIM: Erste Senioren-WG

Mit der neuen Wohngemeinschaft erweitert die Stiftung Säntisblick ihr Angebot für Menschen mit Beeinträchtigung.

Michael Hug
Drucken
Teilen
Strahlende Gesichter in der neuen WG bei den Bewohnern und den Leiterinnen. (Bild: Michael Hug)

Strahlende Gesichter in der neuen WG bei den Bewohnern und den Leiterinnen. (Bild: Michael Hug)

Michael Hug

redaktion@appenzellerzeitung.ch

«WG Poststrasse» heisst das neue Domizil für drei ältere Bewohner der Stiftung Säntisblick. Da und dort fehlen noch Kleinigkeiten, muss noch ein Bild aufgehängt werden oder das Schuhgestell seinen Platz finden. Die drei «Neuen» in der WG strahlen, bald wird der Umzug vorbei sein, Ruhe einkehren am neuen Ort, und bald werden sie sich in ihre neue Umgebung eingewöhnt haben. Sie spüren es: Mit diesem Umzug beginnt für sie – die sich gegenseitig schon bestens kennen, aber bis dahin noch nicht in einer WG zusammengewohnt haben – ein neuer Lebensabschnitt.

Die neue Wohngemeinschaft ist im obersten Stockwerk des neuen Mehrfamilienhauses oberhalb des Bahnhofs eingezogen. Die Stiftung Säntisblick konnte schon in der Bauphase ihre Bedürfnisse umsetzen lassen. Jean-Luc Villing, Institutionsleiter, meint: «Wir haben mit wenigen Änderungen am Grundriss sechs Schlaf- und zwei Wohnzimmer erhalten. Dazu war eine Verbindungstüre nötig und die zweite Küche liessen wir weg.» Die Doppelwohnung wird von fünf Bewohnern und einer Betreuungsperson belegt werden. Caroline Parpan, Mitglied der Institutionsleitung und Verantwortliche für die Wohngemeinschaften im Dorf: «Zurzeit haben sich drei Personen für diese Wohnform entschieden. Es kamen nur die in Betracht, die das auch wollten. Wir platzieren nicht nach unseren, sondern nach den Bedürfnissen unserer Bewohnerinnen und Bewohner.»

Die Bedürfnisse sind verschieden

Solche Entscheidungsprozesse brauchen Zeit, sagt Parpan. Für manche Bewohnerinnen oder Bewohner sei eine neue Wohnsituation eine grosse Herausforderung, die auch Angst machen kann. Manche würden sich an ihrem angestammten Ort wohlfühlen und sähen keinen Grund, umzuziehen. Kommt dazu, dass das im Konzept vorgesehene altersdurchmischte Wohnen meistens funktioniere: «Die Vorstellungen und Bedürfnisse von älteren und jungen Menschen sind manchmal verschieden.» Mit seinen Aussenwohngruppen im Dorf, alle unweit vom Zentrum und den beiden Werkstätten, wo die Bewohnerinnen und Bewohner arbeiten oder einer Beschäftigung nachgehen, bleibt die Leitung der Stiftung ihrer Philosophie treu, Caroline Parpan: «Das Leben in familiären WGs kommt dem Leben von uns Menschen ohne Beeinträchtigung sehr nahe. Jedes Mitglied der WG lernt hier, Verantwortung zum Wohl aller zu tragen. Das gibt Selbstbewusstsein und ist zudem auch ein Anliegen der UN-Behindertenrechstkonvention, die diesen Menschen ein Leben möglichst wie wir es führen zugesteht.»

Für die Selbstständigeren

Mit ihren vier bestehenden Wohngemeinschaften im Dorf hat die Stiftung Säntisblick sehr gute Erfahrungen gemacht. In den beiden Heimen Waldegg und Säntisstrasse wohnen jene, die mehr Betreuung brauchen, sagt Parpan: «In den WGs sind die Selbstständigeren. Sie kochen und essen gemeinsam, reinigen die Wohnung selber und unternehmen manchmal etwas miteinander. Und sie gehen selbstständig an ihre Arbeit und kommen am Feierabend zurück.» Ganz ohne Betreuung sind aber auch die WGs nicht, so Parpan weiter: «Mindestens eine Betreuungsperson ist tagsüber und bei Bedarf immer da.» In der neuen WG Poststrasse ist die Betreuungsperson auch in der Nacht anwesend. Die zwei noch unbelegten Plätze werden in den nächsten Monaten besetzt. Parpan: «In den beiden Wohnheimen werden dadurch Plätze frei. Eine Nachfrage besteht, darum werden sie wohl bald wieder belegt sein.